Katholische Bischöfe Dem Rechtspopulismus widerstehen

25.06.2019

Die katholische Bischöfe haben sich besorgt über rechtspopulistische Tendenzen bis weit in bürgerliche und kirchliche Milieus hinein geäußert. Dazu stellten sie nun ein Arbeitspapier vor, das Kirchengemeinden zum kritischen Dialog ermutigen soll.

Jedem Versuch, das Christentum "völkisch umzudeuten", müsse sich die Kirche laut den katholischen Bischöfen widersetzen. Im Bild eine Pegida-Demonstration in Dresden am 22. Dezember 2014.
Jedem Versuch, das Christentum "völkisch umzudeuten", müsse sich die Kirche laut den katholischen Bischöfen widersetzen. Im Bild eine Pegida-Demonstration in Dresden am 22. Dezember 2014. © Markus Kremser/kna

Berlin – "Es ist uns ein Anliegen, ein Gesprächsangebot für alle Gläubigen zu formulieren - unabhängig von ihrer politischen Auffassung", sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der in der Bischofskonferenz für Migrationsfragen zuständig ist. Die Kirche trage auch für jene eine seelsorgliche Verantwortung, die mit rechtspopulistischen Tendenzen sympathisieren.

Die Bischöfe sehen vor allem seit der verstärkten Aufnahme von Flüchtlingen 2015 die Instrumentalisierung "diffuser Ängste und Unsicherheiten" durch Populisten, ohne bestimmte Gruppen oder Parteien zu erwähnen. Besonders bedenklich sei es "wenn solche Bewegungen sich als Verteidiger des christlichen Abendlands inszenieren und wesentliche Aspekte des christlichen Menschenbildes dabei ausblenden", warnte Heße.

Völkische Umdeutung

Im Papier heißt es auch: "Bisweilen behaupten rechtspopulistische Akteure dann im Widerspruch zu den Kirchen ihre 'Christlichkeit' und scheuen sich nicht, die kirchlichen Amtsträger oder sogar die Kirchen als Ganze des Verrats am Christentum zu bezichtigen." Doch jedem Versuch, das Christentum "als Mittel der Ausgrenzung von Menschen anderer Herkunft zu missbrauchen oder es gar völkisch umzudeuten, muss sich die Kirche weiterhin widersetzen".

Nach den Worten des Osnabrücker Bischofs und Vorsitzenden der Pastoralkommission, Franz-Josef Bode, geht es um eine Haltung, die einen "Umgang mit populistischen Tendenzen und eine Grenzziehung gegenüber gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ermöglicht". Dem dienten auch die vielen im Text aufgeführten Praxisbeispiele.

Für den Vorsitzenden der deutschen Kommission Justitia et Pax, den Trierer Bischof Stephan Ackermann, soll die Arbeitshilfe auch das universelle menschenrechtliche Denken stärken. Das Grundgesetz verdeutliche den Vorbehalt gegenüber einer Verabsolutierung der Volkssouveränität etwa als Herrschaft der Mehrheit besonders durch den Gottesbezug.

Position der Kirche wird verdeutlicht

Die 74-seitige "Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen" steht unter dem Titel "Dem Populismus widerstehen". Das Dokument erläutert zum Beispiel die Charakteristiken des Populismus und sein Verhältnis zur Demokratie sowie typische Inhalte und Vorgehensweisen von Rechtspopulisten.

Bei Kernthemen wie Flucht- und Vertreibung, dem Eintreten gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit oder dem Verständnis von Ehe, Familie und Geschlechterverhältnis verdeutlicht das Papier die Position der Kirche und deren Kritik an populistischen Auffassungen. In der Frage von Heimat und Identität wenden sich die Bischöfe gegen ein exklusives Verständnis, das dem universellen Geist der Kirche und der gleichen Würde aller Menschen vor Gott widerspreche. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Archivbild: Ludwig Spaenle und Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, im Juni 2018
© imago/ZUMA Press

Kultur des Hinschauens Antisemitismusbeauftragter Spaenle wendet sich an Verbände

Der Anitsemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, will die Zivilgesellschaft bei der Bekämpfung von Judenfeindlichkeit einbinden.

14.08.2019

Seit 2017 sitzt die AfD im Deutschen Bundestag.
© Marco2811 - stock.adobe.com

Umgang mit Rechtspopulismus Dialog und Argumente statt Parolen

Berührungspunkte mit Rechtspopulisten kann es überall geben: im Verein, bei Elternabenden oder in der Pfarrei. Politikwissenschaftlerin Ina Schildbach rät dazu, sich einer Diskussion mit ihnen nicht...

06.08.2019

© Imago/Ralph Peters

Reden mit den Rechten Gegenhalten für die Demokratie

Morde an Politikern, Drohungen gegen Bürgermeister und Journalisten - Populisten vergiften das politische Klima, kann uns das kalt lassen? Wie kann man diskutieren, lassen sich Brücken bauen?

06.08.2019

© imago images / ZUMA Press

München am Mittag Dem Populismus widerstehen

Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen erarbeitet. Wir haben uns angeschaut, was drinsteht.

26.06.2019

60 Teilnehmer werden zur Vollversammlung erwartet.
© imago

Vollversammlung der Bischöfe Bischöfe beraten über "synodalen Weg"

Wie es konkret mit dem "synodalen Weg" weitergehen soll, beraten die Oberhirten der 27 deutschen Bistümer und Erzbistümer ab diesem Montag in Berlin.

24.06.2019

 Erzbischof Stefan Heße: "Ein solcher synodaler Weg macht nur Sinn, wenn keine Themen ausgeschlossen werden."
© KNA

Zentralkomitee der Katholiken Laien reichen die Hand für Kirchenreformen

Die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) hat eine tiefgehende Zusammenarbeit zwischen Laien und Bischöfen für kirchliche Reformen beschlossen. Kirchliche Sexualmoral, die...

13.05.2019

Kardinal Reinhard Marx bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Bischofstreffens in Lingen
© Harald Oppitz/kna

Abschluss der Vollversammlung Bischöfe stellen Zölibat und Sexualmoral zur Debatte

Die Bischöfe hätten gespürt, "dass es so nicht weitergeht", so Kardinal Reinhard Marx in Lingen. Deshalb wollen die Oberhirten nun Zölibat und Sexualmoral der Kirche in einem "synodalen Weg"...

14.03.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren