Spitalkirchen im Erzbistum Dem Tröstergeist geweiht

13.05.2016

Seit jeher wurde der Heilige Geist als Beistand in schweren Zeiten angesehen: So wurden im Mittelalter Kirchen, die mit Spitälern verbunden waren, oft unter sein Patrozinium gestellt. Im Erzbistum gibt es einige Beispiele, drei davon werden hier dargestellt.

Die Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt in München. (Bild: SMB/Schmid)

Er ist nicht zu sehen, aber doch zu spüren: der Heilige Geist. An Pfingsten feiern wir Christen, dass er uns erleuchtet hat. Weil er den Gläubigen Kraft geben soll, wurden zahlreiche Spitalkirchen unter das Patrozinium des Heiligen Geistes gestellt. „Man bezeichnet in der Bibel und in der Frömmigkeit den Heiligen Geist ja auch als Stärker, Tröster und Beistand und so war es sehr passend, dass man im Mittelalter Kirchen, die verbunden waren mit Spitälern – also Sozialeinrichtungen für Alte, Kranke und ausgesetzte Kinder – gerade dem Tröstergeist geweiht hat“, erklärt Roland Götz, Leiter der Abteilung Archivische und bibliothekarische Querschnittsaufgaben im Archiv des Erzbistums München und Freising.

Eine der größten Spitalkirchen im Erzbistum ist die Pfarrkirche Heilig Geist am Münchner Viktualienmarkt, auf dessen Areal sich früher ein Spital befand. Eine Kapelle und ein Pilgerhaus an der Stelle gehen wohl schon auf das Jahr 1208 zurück. Die heutige Hallenkirche ist ein Bauwerk des späten Mittelalters, das in der Barockzeit nochmals völlig neu ausgekleidet wurde. „Wir haben hier eine hohe, weite, lichte Halle und auch nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde diese Kirche weitgehend wiederhergestellt, so dass man diesen Raumeindruck noch nachvollziehen kann“, erläutert Götz. An den Wänden der Heilig-Geist-Kirche ist ringsum eine Darstellung der Sieben Gaben des Heiligen Geistes in Form von Personifikationen zu sehen. Diese Attribute gehen zurück auf eine Bibelstelle bei Jesaja, der die Sieben Gaben – nämlich Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht – dem Wirken des Heiligen Geistes zuschreibt.

Die barocke Bildausstattung stammt aus dem Jahr 1727 vom berühmten Cosmas Damian Asam: Im Zentrum ist ebenfalls eine große Heilig- Geist-Darstellung abgebildet. Es handelt sich hier jedoch um eine Nachbildung, erklärt der Historiker, „da dieses Bild im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und dann nach dem Krieg nach alten Fotos neu geschaffen worden ist. Aber der Gesamteindruck und die Darstellung konnten immerhin wiederhergestellt werden.“

Die Spitalkirche in Landshut. (Bild: imago)

Die Heilig-Geist-Kirche in Landshut ist eines der prominentesten Bauwerke der bayerischen Spätgotik. Sie wurde in den Jahren 1407 bis 1461 nach den Plänen von Hans von Burghausen erbaut. Vis-à-vis der Kirche befindet sich das Heilig-Geist-Spital, das 1208 gegründet wurde und heute als Alten- und Pflegeheim dient. Drei gleich hohe Kirchenschiffe, die mit einem Sterngewölbe versehen sind, sorgen dafür, dass das Kircheninnere sehr weiträumig erscheint. Heute ist die Kirche Teil der Museen der Stadt Landshut und wird sowohl für sakrale als auch weltliche Kunstausstellungen genutzt. „Auf diese Weise ist es aber immer noch möglich, diesen herrlichen Raum zu erleben und die moderne Kunst, die zum Teil gezeigt wird, geht mit dem historischen Kirchengebäude eine ganz eigentümliche Verbindung ein“, so Götz. Einmal im Jahr wird dort jedoch noch ein katholischer Gottesdienst gefeiert, und zwar zum Patrozinium am Pfingstmontag.

Die Heilig-Geist-Kirche in der Rosenheimer Fußgängerzone (Bild: imago)

Die Heilig-Geist-Kirche in Rosenheim ist eine Privatstiftung aus dem späten Mittelalter. Der wohlhabende Rosenheimer Bürger Hans Stier hat sie in den 1440er Jahren erbauen lassen. Die schlichte Saalkirche schloss direkt an sein Wohnhaus an, so dass sie zum einen als Privatkapelle diente. Aber auch der Öffentlichkeit war die Kirche zugänglich, sagt Götz: „Man vermutet, dass auch diese Kirche mit einem Spital verbunden gewesen ist, worauf ja das Heilig-Geist-Patrozinium in der Regel hinweist.“ Diese Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erlebt. Im
17. Jahrhundert wurde der Innenraum weitgehend im Barockstil umgestaltet. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts näherte man sich wieder der ursprünglichen spätgotischen Architektur an. Auch heute noch wird die Kirche für Gottesdienste genutzt. (Lydia Jäger)


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