Serie: Auf eine Fastensuppe mit ... Dem Wesentlichen nachspüren

15.03.2019

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten.“ (Mt 6,16) - Nach diesem Motto versteht Dekan David Theil die Fastenzeit als „Feier der 40 Tage“.

Suppen gehören nicht zu Dekan David Theils (links) Lieblingsspeisen. Das Gespräch mit Florian Ertl wurde davon aber nicht getrübt. © Kiderle

Zugegeben, die „Zuppa Casale“ ist optisch nicht ganz so ansprechend. Eine eher trübe Färbung und dünne Konsistenz zeichnen das Mittagsmenü-Supperl im Lokal „Da Pino“ in der Schwabinger Hohenzollernstraße an diesem sonnigen Vorfrühlingstag aus. Beim Umrühren mit dem Löffel werden die Ingredienzien – diverse Hülsenfrüchte wie Bohnen, Kichererbsen und Linsen nebst Karotten- und Kartoffelstückchen – am Tellerboden offenbar. Wir schauen uns beide an. Dekan David Theil lacht. Nein, er sei überhaupt kein Suppenfan: „Man weiß ja auch nie, wie viele Kalorien in so einer stecken.“ Der Ehrlichkeit halber sei’s also hier gebeichtet: Nach der Auftaktsuppe haben wir bei unserem Gespräch bei Dekan Theils Stamm-Italiener, wo er ungefähr drei- bis viermal pro Woche speist (entweder allein oder mit seinem Pastoral- und Pfarrbüroteam, wer gerade Zeit hat) noch ein bisserl was anderes gegessen – was übrigens ausgesprochen schmackhaft und optisch sehr erfreulich war. Und auch das stille Wasser haben wir in der Folge durch eine andere Getränkewahl ersetzt.

Erst Baptist, dann Lutheraner, dann Katholik

Aber David Theil steht dazu. Für ihn hat Fasten nämlich nichts mit griesgrämiger und misanthropischer Selbstkasteiung zu tun: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten.“ (Mt 6,16), zitiert er das Evangelium des Aschermittwochs. Den Begriff „Fastenzeit“ verwendet er persönlich nicht, benutzt stattdessen lieber die Formulierung „Feier der 40 Tage“: „Ich muss vor Gott kein Ansehen durch Opfer erreichen“, erklärt er. Wichtiger sei vielmehr in diesen Wochen „dem Wesentlichen in der eigenen Existenz nachzuspüren.“

Das tut Theil bereits sein ganzes Leben: Mit 20 Jahren konvertierte er zum katholischen Glauben. Davor war er sechs Jahre Baptist und 14 Jahre evangelisch-lutherisch. Aus beiden Lebens- und Glaubensphasen hat er sich Elemente bewahrt, die auch zur Fastenzeit passen: „Von den Evangelischen habe ich die Liebe zur Musik, zur Heiligen Schrift, zu Bach sowie mein Bewusstsein für Sprache und das Interesse für Liturgie. Von den Baptisten her stammt meine Liebe zum persönlichen Gebet und die Idee, dass die Sprache des Gebets nicht veräußerlicht sein darf, sondern etwas Inneres sein muss. Die höchste Vollendung von alldem fand ich in der katholischen Kirche. Bis heute bin ich gerne und mit aller Leidenschaft katholisch.“

„Intensivierung der eigenen Wahrhaftigkeit“

Fasten, so führt der 57-jährige Leiter des Münchner Pfarrverbands Altschwabing aus, sei kein Trauerspiel, sondern „die Intensivierung der eigenen Wahrhaftigkeit“. Er betont jedes Wort, seine blauen Augen blitzen, freundlich-gewinnend lächelt er. Die Fastenzeit sei eine ernste Zeit im Sinne von Ernsthaftigkeit, von innerer Haltung und Einstellung, sagt er und zitiert aus dem Gedächtnis ein passendes Choralmotiv zum Thema Buße: „Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt, bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein.“

Als ehemaliger Benediktiner – von 1986 bis 2002 gehörte er als Pater David der Münchner Benediktinerabtei St. Bonifaz an, 1996 wurde er zum Priester geweiht – liebt der Pfarrer von St. Ursula und St. Sylvester die Musik, ausgebildeter Chorleiter ist er zudem, als Student verdiente er so seinen Lebensunterhalt. In puncto Gesang dürfte es im Erzbistum nur wenige Priester geben, die Theil das Wasser reichen können.

Fasten nach benediktinischem Verständnis

Seine Klosterzeit hat ihn stark geprägt, bis heute fühlt er sich der Benediktsregel sehr verbunden: „Für Benedikt soll das ganze Leben ein Fasten sein. Das Kloster ist eine Schule des Lebens und der wahre Mönch ist derjenige, der wahrhaftig sucht.“ Im Kloster überreicht man seine Fastenvorsätze dem Abt auf einem Zettel und erhält diese, so der Abt sie für gut geheißen hat, am Aschermittwoch wieder zurück. Dazu nehme man sich in den 40 Tagen der Vorbereitung auf Ostern mehr Zeit für das persönliche Gebet und die geistliche Lektüre. Auch das pflegt Dekan Theil bis heute.

Seiner Ansicht nach sei nicht das bekannte und viel zitierte „Bete und arbeite!“ die Quintessenz des benediktinischen Mönchtums, sondern vielmehr „das rechte Maß finden“. Erst wenn man mit sich selbst im Einklang und Reinen ist – und dabei solle eine recht verstandene Fastenzeit helfen –, ist man für sich selbst und seine Mitmenschen erträglich. Dies schließe alle Extreme aus.

Ein glücklicher Priester

Ja, man sitzt einem bekennenden Ästheten gegenüber, einem klugen und reflektierten Gesprächspartner, einem gebürtigen Münchner von elegant-lässiger Schwabinger Weltläufigkeit. Besitzt er Laster? „Ach, ich kämpfe mein ganzes Leben bereits gegen meine Unmäßigkeit an, täglich ringe ich mit der fatalen Einstellung des ,Mehr ist besser‘. Und ich bin wohl ein bisschen eitel.“ Man spürt es, und Theil gibt es auch unumwunden zu: „Ich kenne zwar auch dunkle Stunden, und doch bin ich mit mir und meinem Lebensweg versöhnt. Ich bin ein glücklicher Priester.“

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Fastenzeit

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