Rorategottesdienste Den Advent erspüren

15.12.2017

„Engelamt“ werden Advents-Gottesdienste bei Kerzenschein volkstümlich genannt. Woher dieser Name kommt, erklärt Pastoralreferentin Susanne Deininger.

In Neukirchen am Teisenberg wird der Advents-Brauch der Rorategottesdienste besonders gepflegt.
In Neukirchen am Teisenberg wird der Advents-Brauch der Rorategottesdienste besonders gepflegt © Mergenthal

„Rorate coeli de super …“, „Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten! Tu dich auf, o Erde, und sprosse den Heiland hervor!“ Dieser Satz aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 45) ist der traditionelle Eingangskehrvers zum 4. Adventssonntag und wurde auch bei der adventlichen Marienmesse gesungen, die wir heute als „Rorate“ kennen. Er gab diesem Gottesdienst seinen Namen. Die Gemeinde versammelte sich im Advent zu den frühen Morgenstunden oder auch am Abend bei Kerzenschein (daher in Franken auch „Lichtleskerch“ genannt), um das Evangelium der Verkündigung des Engels Gabriel an Maria zu hören. Von dieser Bibelstelle kommt auch der bei uns übliche volkstümliche Name „Engelamt“.

Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil feierte man diese Marienmesse immer samstags, an vielen Orten auch täglich. Mit der Einführung einer Leseordnung für sämtliche Gottesdienste des Kirchenjahres veränderte sich dann der Inhalt der Rorategottesdienste. Heute liegt der Schwerpunkt nicht mehr allein auf der Verkündigungsgeschichte, sondern mehr auf dem, was Inhalt des Jesaja-Verses ist: die Erwartung der Ankunft des Retters, das sehnsüchtige Sich-Ausstrecken zu dem, der kommen soll, aus den Nöten und Dunkelheiten unserer Welt heraus.

Susanne Deininger ist Pastoralreferentin im Pfarrverband Dachau-St. Jakob.
Susanne Deininger ist Pastoralreferentin im Pfarrverband Dachau-St. Jakob. © privat

Im Dunkeln zur Kirche zu gehen

Dass man zum Besuch eines Rorategottesdienstes meist den normalen Tagesablauf durchbrechen muss, um früh, im Dunkeln und in der Kälte in die Kirche zu gehen, ist dabei der Botschaft durchaus dienlich: Es bedeutet ein bewusstes Heraustreten aus unserer Bequemlichkeit, aus dem Stress des Advents und ein Hineinspüren in den großen Advent der Menschheit, der weit über unsere Adventsaktivitäten hinausgeht. Für viele Gläubige ist der Rorategottesdienst die Feier, in der man den eigentlichen Inhalt des Advents am besten erspüren kann: Stimmungsvoll kommt die Licht-Dunkel-Symbolik zum Tragen in einer Zeit, in der bereits überall helle Weihnachtsbeleuchtung vorweggenommen ist. (Susanne Deininger)

In Neukirchen am Teisenberg wird dieser Advents-Brauch besonders gepflegt. Nächster Termin: 16. Dezember, 17.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Ulrich. Die Harfenistin Veronika Hasenöhrl wird das Rorateamt musikalisch gestalten.


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