Erzbischof Georg Gänswein in Traunstein Den "Bayerischen Olymp" erklommen

22.05.2017

In Traunstein hatte man am Wochenende allen Grund zum Feiern, denn es war hoher Besuch aus Rom gekommen: Erzbischof Georg Gänswein bekam die Ehrenmitgliedschaft der Traunsteiner Gebirgsschützen.

Zusammen mit Hauptmann Sebastian Knittler schritt Erzbischof Gänswein die Ehrenformation der Gebirgsschützen ab. © Günter Buthke

Traunstein – Im historischen Saal des Hofbräuhauses Traunstein verlieh die Gebirgsschützenkompanie Traunstein am Samstag in Anwesenheit von Vertretern der Geistlichkeit, aus Politik und Wirtschaft sowie der Landeshauptmannschaft der Gebirgsschützen Kurienerzbischof Monsignore Georg Gänswein die Ehrenmitgliedschaft. Neben der Ehrenurkunde übergaben Hauptmann Sebastian Knittler und Oberleutnant Thomas Gätzschmann Erzbischof Gänswein einen Schützenhut sowie als Gastgeschenk einen Schützengel mit Schützenhut und bayerischer Fahne.

In seiner Laudatio wies Oberleutnant Gätzschmann darauf hin, dass Gänswein aus einfachen Verhältnissen stamme, denn sein Vater führte in der siebten Generation eine Schmiede. Was er wiederum mit der Geschichte vom Schmied von Kochel, der einer der Anführer in der Sendlinger Mordweihnacht 1705 gewesen sein soll, in Verbindung brachte. Aber auch der Chiemgau sei von jeher ein Durchreiseland gewesen, wodurch ein Schutz über viele Jahrhunderte stets erforderlich gewesen sei.

Dass die bayerischen Gebirgsschützen ihre Heimatverbundenheit auch immer wieder im Vatikan zeigen könnten und insbesondere Papst Benedikt besuchen dürften, sei auch ein großer Verdienst Gänsweins, weil er im Hintergrund agierend die Türen und Tore öffnen könne, so Gätzschmann. Gemeinsamkeiten sah er zwischen Gänswein und den Gebirgsschützen auch in dessen bischöflichen Wahlspruch „Für die Wahrheit Zeugnis ablegen“. Dies bedeute, so der Oberleutnant, Einstehen für die wahren Werte der Heimat, des christlichen Glaubens und der Tradition.

"Mehr geht fast nicht mehr"

Die Anfrage der Traunsteiner Gebirgsschützen zur Annahme der Ehrenmitgliedschaft habe der Erzbischof mit „gerne, sehr gerne“ beantwortet. Etwa zwölf hohe Auszeichnungen habe Gänswein mittlerweile erhalten, darunter 2015 den Bayerischen Verdienstorden. Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft habe er jetzt fast alles erreicht, sozusagen den „Bayerischen Olymp“ erklommen, denn mehr gehe fast nicht mehr, meinte Gätzschmann augenzwinkernd.

Über seine Mutter habe er als Kind seine Liebe zu Bayern entdeckt, sagte der Erzbischof, der sich als FC-Bayern-Fan bekannte. Später habe er sieben Jahre in München studiert. In Rom habe er Kardinal Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI., kennen gelernt, dessen Privatsekretär er geworden sei. Es gebe keinen Ort in Bayern, über den im Vatikan mehr gesprochen werde als über Traunstein. Papst Benedikt wandere oft im Geiste von Hufschlag nach Traunstein und zurück. Monsignore Gänswein überbracht dessen Grüße und Segenswünsche.

"Alles was lebt braucht Wurzeln"

Für ihn – Gänswein – sei die Ehrenmitgliedschaft eine große Ehre. Wer außerhalb der Heimat lebe, habe den Vorzug, die Heimat besser schätzen zu lernen, weil er in zwei Welten lebe. Das wehrhafte Brauchtum der Gebirgsschützen sei nicht übergestülpt, sondern es komme aus dem Herzen. Alles was lebe, brauche Wurzeln. Bei den Gebirgsschützen seien diese der Glaube und die Wahrung der Treue.

Landrat Siegfried Walch sprach von einer großen Ehre für die ganze Region. Die Annahme und Verleihung der Ehrenmitgliedschaft zeige seine Verbundenheit. Die Gebirgsschützenkompanie Traunstein sei stolz auf ihr neues Ehrenmitglied. Aber auch für ihn sei es in Zeiten des Wandels und der Bindung zur Heimat als Alternative eine Ehre. Die Verbindung mit den Traditionsvereinen sei dabei besonders wichtig.

Als Gastgeschenk bekam Erzbischof Gänswein von Hauptmann Sebastian Knittler (rechts) und Oberleutnant Thomas Gätzschmann einen Schützengel mit Schützenhut und bayerischer Fahne. © Günter Buthke

Die Region sei reich an Sozialstrukturen, weil die Menschen sich ihrer Heimat, Werte und Traditionen verpflichtet fühlten. Die Gebirgsschützen brächten es zum Ausdruck, wie wichtig es sei, zur Heimat zu stehen. Die Ehrenmitgliedschaft sei deshalb ein Zeichen der besonderen Verbundenheit mit unserer Region, so Walch.

Bereits als Sekretär von Kardinal Joseph Ratzinger und von Papst Benedikt XVI. sei durch zahlreiche Begegnungen und Treffen in Rom mit Gänswein eine besondere Verbindung entstanden, erklärte Oberbürgermeister Christian Kegel. Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft werde Gänswein als Gebirgsschütze ein Teil dieser Gemeinschaft, die für unsere bayerische Heimat und unseren christlichen Glauben einstehe, und die für uns wichtige Werte verkörpere und bewahre.

Er könne sich die Stadt Traunstein ohne die Gebirgsschützenkompanie gar nicht vorstellen, denn sie sei ein lebendiges Zeichen ihrer Identität und Bewahrer des alpenländischen Brauchtums. Sie stehe in Treue zum christlichen Glauben und zur bayerischen Heimat. Dem Erzbischof dankte er dafür, dass er der Stadt die Ehre erweise, die Gebirgsschützen wertschätze und ihr Ehrenmitglied werde. Alle seien stolz, dass er nach Traunstein gekommen sei. Die Stadt freue sich, wenn er sie bald einmal wieder besuche. Ferner trug er ihm die besten Wünsche für „unseren Papst“ Benedikt XVI. emeritus auf.

Ehrenformation der Gebirgsschützen

Vor der Feier im historischen Hofbräuhaussaal, an dem wegen der beschränkten Anzahl an Plätzen nur geladene Gäste teilnehmen konnten, hatte die Bevölkerung die Gelegenheit, den Kurienerzbischof zu begrüßen. Mit ihrem Musikzug holten die Gebirgsschützen ihn vom Pfarrhof am Maxplatz ab und geleiteten ihn zum Rathaus, wo er sich im Alten Ratssaal in das Ehrenbuch der Stadt Traunstein eintrug. Anschließend war ein Empfang auf dem Stadtplatz. Nachdem der Musikzug einige Märsche gespielt hatte, von denen Gänswein einen selbst dirigierte, schritt er zusammen mit Hauptmann Sebastian Knittler die Ehrenformation der Gebirgsschützen ab.

Am Sonntag feierte Erzbischof Gänswein mit einigen Konzelebranten einen Festgottesdienst mit Chor und Orchester unter der Leitung von Kirchenmusiker Manfred Müller in der Stadtpfarrkirche St. Oswald. Die Gebirgsschützen holten ihn dazu wieder mit Musik vom Pfarrhof ab. Eingangs überbrachte der Erzbischof den Gläubigen die Grüße von Papst Benedikt. Er sei geistig bei ihnen und mit ihnen verbunden. Benedikt habe ihm oft von St. Oswald erzählt, wo er seine Primiz gefeiert habe. In seiner Predigt ging der Erzbischof auf die Liebe ein. Jesus liebe denjenigen, der das Wort Gottes bewahre und auch tue. Aber darin liege die große Not, weil die meisten Christen das Wort Gottes nicht kennen würden. Viele meinten gar, dass man es mit den Geboten Gottes nicht so ernst nehmen dürfe. Andere wollten die Gebote ernsthaft halten, schafften es aber nicht. Für sie gebe es Beistande von zwei Seiten. Der eine sei Jesus selbst und der andere der Heilige Geist, den man mit der Taufe empfange.

Jesus lege uns die Welt offen. Was ihn bewege, habe er uns mitgeteilt beziehungsweise offenbart. Er schenke uns dadurch sein Vertrauen und habe uns seine Schwäche gestanden: seine Liebe ist bedingungslos. Nach dem Festgottesdienst geleiteten die Gebirgsschützen den Erzbischof wieder zurück zum Pfarrhof, wo er am Pfarrfest von St. Oswald teilnahm. (bjr)

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