Zur „Woche der Brüderlichkeit“ Den Dialog fördern

04.03.2017

Völkerverständigung beginne immer bei konkreten Menschen, meint Max Kronawitter. Warum die „Woche der Brüderlichkeit“, die vom 5. bis 12. März dauert, gerade heute notwendig ist, erläutert der Theologe hier.

Die Woche der Brüderlichkeit soll den Dialog zwischen Juden und Christen fördern © imago/epd

Mit seiner Äußerung, dass die Deutschen das einzige Volk seien, das sich ein „Denkmal der Schande“ in seine Hauptstadt gepflanzt habe, hat der thüringische AfD-Chef Björn Höcke Entrüstung hervorgerufen. Seine Anspielung auf das Berliner Holocaust-Mahnmal sollte den „Schuldkomplex“ der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg anprangern. Diese Verbalattacke an sich ist schon inakzeptabel. Dass sie von einem Politiker mit wachsender Anhängerschaft geäußert wurde, muss aufrütteln. Deshalb bleibt die „Woche der Brüderlichkeit“, die am 5. März in Frankfurt eröffnet wird, ein notwendiges Korrektiv. Seit 1952 wollen die vom „Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ ausgerichteten Veranstaltungen den Dialog zwischen Juden und Christen auf dem Hintergrund des Holocaust fördern.

Ansätze für eine Annäherung gab es jedoch bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Schon in den 1920er Jahren bemühten sich einige Initiativen, das im Laufe der Geschichte oft so verhängnisvolle Verhältnis zwischen Juden und Christen einer neuen Reflexion zu unterziehen.

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

Im Gegensatz zum Bemühen, die Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland voranzutreiben, zielt die Woche der Brüderlichkeit auf den Dialog zwischen Christen und Juden. Damit kommt zum Ausdruck, dass Völkerverständigung immer bei konkreten Menschen beginnt, deren Denken durch ihr Weltbild oder ihre Religion bestimmt wird.

Wie wichtig es ist, religiöse Motive bei gesellschaftlichen Fragen oder politischen Prozessen miteinzubeziehen, zeigt nicht zuletzt die gegenwärtige Auseinandersetzung mit dem Islamismus. Wirkliche Annäherung kann es nur dort geben, wo der andere in seinem Anderssein wahrgenommen wird. Voraussetzung dafür ist das vorurteilslose Kennenlernen. Wo dieser Dialog gelingt, dort werden Gesprächspartner zu Freunden, im Idealfall zu Schwestern und Brüdern. (Max Kronawitter)

Eine Übersicht über Veranstaltungen im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit in München finden Sie hier


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