Arbeitslosigkeit Den Einzelnen im Blick haben

20.03.2019

Die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt sind hervorragend. Eine gute Nachricht. Aber für Arbeitslose kann das auch belastend sein.

Arbeitslosigkeit kann Betroffene psychisch schwer belasten.
Arbeitslosigkeit kann Betroffene psychisch schwer belasten. © tashatuvango - stock.adobe.com

München – Fakten sind wichtig. Gerade in Zeiten, in denen sich Fake News und offensichtliche Lügen immer schneller verbreiten und immer mehr Menschen sie glauben. Schauen wir also auf die Fakten. Im Februar lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei 5,3 Prozent, Tendenz seit längerer Zeit sinkend. Noch besser sieht die Situation in Bayern aus. Hier sind es nur 3,2 Prozent. Die Euphorie ist immer groß, wenn die Agentur für Arbeit diese Zahlen veröffentlicht: Vollbeschäftigung, der Arbeitsmarkt boomt, die Zahlen sind so gut und stabil wie lange nicht.

Viele Einzelschicksale

Aber die Fakten haben auch eine andere Seite, wenn man nämlich auf die absoluten Zahlen schaut. 2,37 Millionen Menschen haben in Deutschland keinen Job, in Bayern sind es knapp 238.000. Rechnet man ältere Menschen oder Menschen, die in Maßnahmen der Arbeitsagentur sind, mit rein, sind die Zahlen nochmal höher. Das bedeutet: Viele Einzelschicksale von Menschen, die keinen Job haben, oft schon seit mehreren Jahren.

„Natürlich werden diese Menschen in der öffentlichen Diskussion zu wenig beachtet“, sagt Othmar Jarmer, Geschäftsführer beim Weißen Raben in München. Der Weiße Rabe ist ein Sozialunternehmen in Trägerschaft des Caritasverbands, bei dem Langzeitarbeitslose, Menschen mit Einschränkungen und Flüchtlinge beschäftigt sind und an den Arbeitsmarkt herangeführt werden sollen. „Das Thema der Arbeitslosigkeit wurde medial in den letzten Jahren von anderen Themen überlagert.“ Da sei der subjektive Eindruck, dass Arbeitslose zu wenig beachtet würden, richtig. Aber: „Natürlich ist der Umstand, dass wir fast Vollbeschäftigung haben, erfreulich.“ Die Chancen seien gestiegen, dass die Menschen, mit denen der Weiße Rabe arbeitet, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Chance bekämen.

Frustrierende Situation

Das ist die eine Seite, die Seite der Hoffnung. Die andere Seite kennt Thomas Ballweg. Er ist beim Katholischen Männerfürsorgeverein Referent für Arbeit und Beschäftigung. „Viele Menschen ziehen sich nach einer Zeit zurück, nehmen nicht mehr teil am gesellschaftlichen Leben.“ Sie trauten sich nicht in die Öffentlichkeit zu gehen. „Wenn die Frage kommt `Was arbeitest du denn? `, dann ist ihnen das peinlich.“ Es sei frustrierend, wenn man immer wieder höre, „eigentlich haben wir doch Vollbeschäftigung und uns geht es gut.“ Ballweg: „Wenn es dann heißt, diese paar Prozent Arbeitslose können wir uns leisten, dann ist das psychisch für die Betroffenen sehr belastend.“

Brüche im Leben

Deswegen bietet der Katholische Männerfürsorgeverein neben vielen Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose auch eine psychologische Betreuung an. Und die Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig: „Wir wollen zeigen, dass das Klischee vom faulen Arbeitslosen einfach nicht stimmt. Wir erleben immer wieder, dass die Menschen sehr dankbar sind, wenn wir ihnen eine sinnvolle Tätigkeit geben.“ Oft stünden hinter einer Arbeitslosigkeit große Brüche im Leben der Menschen: Krankheit, Unfälle, Schicksalsschläge. Das dürfe man trotz der guten Zahlen nicht vergessen, so Ballweg.

So wichtig Fakten sind, und so gut die Situation auf dem Arbeitsmarkt gerade ist: Die Zahlen der Arbeitslosenstatistik haben immer auch eine zweite Seite, die es differenziert zu betrachten gilt: Den Einzelnen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Das Münchner Kirchenradio (MKR) stellt in der Sendung „Total Sozial“ jede Woche einen der vielen sozialen Verbände im Erzbistum München und Freising vor. Sie helfen mit, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern: Integration, Pflege, Inklusion, Jugendhilfe und viele mehr. Die Sendung läuft montags um 14 Uhr im MKR auf DAB+ und im Webradio.

Der Autor
Lukas Schöne
Radio-Redaktion
l.schoene@st-michaelsbund.de


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