Erwachsenenbildung Den Glauben erklären

14.09.2018

Nach über 40 Jahren hat der Landtag die Förderung der Erwachsenenbildung in Bayern reformiert. Für die kirchlichen Bildungswerke hält das neue Gesetz die ein oder andere Überraschung bereit.

Lernen kennt keine Altersbeschränkung © Claudia Paulussen - stock.adobe.com

München - Bildungsexperten sind sich einig:: Lernen gehört nicht nur in die Schule oder an die Universität, es ist eine lebenslange Aufgabe. Dafür gibt es in Bayern unter anderem die Katholische Erwachsenenbildung (KEB). Sie hat Anfang Juli zu ihrem 60-jährigen Bestehen ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk bekommen. Die Abgeordneten des Bayerischen Landtags haben in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause ein neues Erwachsenenbildungsförderungsgesetz (EbFöG) beschlossen. Eine parteiübergreifende Initiative der Landtagsabgeordneten Ute Eiling-Hütig (CSU), Kathi Petersen (SPD), Thomas Gehring (Grüne) und Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte sich dafür eingesetzt, das ursprüngliche Gesetz aus dem Jahr 1974 grundlegend zu überarbeiten. Damals hatte Kultusminister Hans Maier (CSU) eine Erwachsenenbildung auf den Weg gebracht, die vom Freistaat zwar gefördert, aber nicht organisiert oder reglementiert wird. Die Vielfalt der Angebote von Volkshochschulen, Kirchen, Gewerkschaften und parteinahen Stiftungen sollte respektiert werden.

Religiöse Bildung wird ausdrücklich genannt

Was gut gemeint war, wurde aber nur halbherzig unterstützt. Die staatlichen Fördermittel reichten trotz regelmäßiger Anpassungen nicht aus, um mit den Veränderungen in der Erwachsenenbildung Schritt zu halten. Vor allem die KEB baute ihr Angebot kontinuierlich aus und reagierte damit auf die Veränderungen in der Bildungslandschaft, die zum Beispiel mit der Digitalisierung oder dem demographischen Wandel einhergingen. Die neu entwickelten Fort- und Weiterbildungen standen schließlich in Gefahr, als nicht mehr zuschussfähig eingestuft zu werden. Das hat sich nun mit dem neuen EbFöG geändert, betont Clemens Knoll. Für den Geschäftsführer der KEB im Erzbistum München und Freising bietet die Gesetzesnovellierung eine regelrechte Steilvorlage für die katholische Erwachsenenbildung. Sie ermögliche nun eine umfassende Ausgestaltung sowohl des kirchlichen als auch des staatlichen Bildungsauftrags. Das Gesetz verwende einen Bildungsbegriff, der umfassend alle menschlichen Dimensionen aufgreift. „Und das entspricht sehr deutlich auch dem kirchlichen Bildungsauftrag“, erläutert Knoll, der auch dem Landesvorstand der KEB Bayern angehört. Das werde vor allem beim Thema religiöse Bildung deutlich. Die wird nun ausdrücklich im Gesetz genannt. Hier zeige sich, meint Knoll, eine veränderte gesellschaftliche Situation. Religion werde als gesellschaftsrelevant anerkannt und damit auch die Bildung in diesem Bereich. Entgegen allen Säkularisierungstendenzen könne man feststellen, dass Religion als ein Faktor wahrgenommen werde, der den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärkt, „und ein Ausblenden dieser Fragestellung zu Verwerfungen führt“. Die kirchliche Erwachsenenbildung stehe nun vor der Aufgabe, Religion einerseits als Wissensthema zu vermitteln, „aber gleichzeitig die Schnittstelle zu diesem Inhalt des Christlichen noch einmal deutlich zu machen“. Und genau an diesem Punkt treffe man auf eine säkulare Gesellschaft, „der wir vieles erläutern müssen, was heute unter ,Religion‘, aber auch unter dem ,christlichen Glauben‘ zu verstehen ist, um dann tatsächlich solche Leerformeln wie ,christliches Abendland‘ mit Inhalten füllen zu können“.

Aber nicht nur beim Thema Religion sieht sich die KEB in ihrer bisherigen Bildungsarbeit bestätigt. Auch bei der Familienbildung zeigt die Einrichtung Flagge – ganz im Sinne des neuen Fördergesetzes. Zu nennen wäre da das in der Erzdiözese breit verankerte Eltern-Kind-Programm, das seit fast 40 Jahren angeboten wird. Gleichzeitig gehe man aber auch neue Herausforderungen wie den demographischen Wandel an, erklärt Knoll. Einige Bildungswerke experimentierten bereits mit Enkel-Großeltern-Seminaren, die das intergenerationelle Lernen reflektieren und vertiefen sollen. Vom neuen Gesetz erwarte man sich gerade in diesem Bereich einen so starken Schub, dass man beschlossen hat, im November einen Fachtag aller KEB-Einrichtungen durchzuführen, um den internen Austausch voranzutreiben. Ziel sei es, die katholische Erwachsenenbildung noch besser ins Spiel bringen zu können.

Das neue Gesetz trägt die Handschrift der KEB

Nicht nur bei den Bildungsthemen wird die KEB vom neuen EbFöG profitieren. Auch in der Organisation ist man der Zeit voraus. Das Ehrenamt, das bei der KEB einen hohen Stellenwert hat, wird durch das neue Gesetz deutlich gestärkt. Wovon sich Clemens Knoll ebenfalls viel verspricht, ist die angedachte Förderung von Projektarbeit. Auch auf diesem Feld sei die KEB im Erzbistum innovativ. Angefangen vom Projekt „Enkeltauglich leben“ des Traunsteiner Bildungswerkes bis hin zu Projekten in der Flüchtlingsarbeit wie Sprachkursen oder interkulturellem Austausch. Das alles bedeutet in Zukunft auch mehr Geld für die KEB und die anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung in Bayern. In den nächsten vier Jahren sollen laut Entschließungsantrag zum Gesetz 20 Millionen Euro mehr zur Verfügung stehen, das wäre eine Steigerung um immerhin 80 Prozent. Und die institutionelle Erwachsenenbildung wird noch durch zusätzliche Projektmittel ergänzt. Dass das neue EbFöG in vielen Bereichen die Handschrift der KEB trägt, ist übrigens kein Zufall. Sie hat zurzeit den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Bayern inne und konnte auf diesem Weg mit den zuständigen Abgeordneten konstruktiv zusammenarbeiten. Diese intensive kirchliche Lobbyarbeit kommt nun allen Trägern der Erwachsenenbildung in Bayern zugute.

Katholische Erwachsenenbildung (KEB)

Die KEB München und Freising e.V. wurde 1970 gegründet und ist Mitglied der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Bayern e.V. (KEB Bayern) sowie eine förderungswürdige Einrichtung im Sinne des Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung (EbFöG). Insgesamt gibt es im Erzbistum unter dem Dach der KEB 14 Kreisbildungswerke und sieben entsprechende Einrichtungen der katholischen Verbände sowie eigene Bildungszentren in Freising, Rosenheim und Traunstein. Seit 2016 arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche digital auf der diözesanweiten Bildungsplattform „korbiwiki“ zusammen. Das Projekt ist deutschlandweit einzigartig. Ziel der Plattform ist es, die zahlreichen Bildungsaktivitäten fachlich fundiert darzustellen und die Vernetzung der Bildungsakteure zu unterstützen. Die Bildungsarbeit umfasst in der Regel sieben thematische Kernbereiche: Theologie, Familie, Senioren, Gesundheit, Kultur, Politik und die Qualifizierung Ehrenamtlicher. Im Erzbistum werden damit nach Angaben der KEB jährlich bei über 14.000 Veranstaltungen mehr als 330.000 Teilnehmer erreicht. (ph)

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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