Ehemalige bayerische Frauenbund-Vorsitzende Den Glauben im Handeln zeigen

12.09.2018

Elfriede Schießleder ist Pastoralreferentin aus Überzeugung, ehrenamtlich engagiert und Mutter von drei Söhnen. Ihr „vierter Sohn“ stammt aus Afghanistan.

Elfriede Schießleder stand bis Ende Juni dem bayerischen Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbunds vor
Elfriede Schießleder stand bis Ende Juni dem bayerischen Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbunds vor © KDFB

„Ich würde Sie sofort nehmen!“ Das entgegnete der damalige Passauer Generalvikar Anton Geyer Elfriede Rude, als sie sich kurz vor ihrem Abitur bei ihm nach den Einstellungsaussichten für Pastoralreferenten erkundigte. „Das hat mir schwer imponiert“, erinnert sich die heute 60- Jährige. „Dann war eigentlich völlig klar, dass ich Pastoralreferentin werde.“

Die junge Niederbayerin ging zum Studium nach München und lernte, „wie die biblischen Lebensgeschichten immer mit Gott zu tun haben – ob sie gut oder schlecht ausgehen, ob sie in unseren Augen erfolgreich sind oder nicht“. „So ernst, wie die Bibel die Lebensgeschichten nimmt, so ernst darf ich als Pastoralreferentin das Leben der Gemeindemitglieder nehmen. Das ist für mich die schönste Erfahrung bis heute und von daher ist es immer noch der beste Beruf für mich“, zeigt sich Elfriede Schießleder, wie sie seit ihrer Hochzeit mit Ehemann Xaver heißt, zufrieden mit ihrer Berufswahl.

Das Ehrenamt ist für sie „unersetzbar“

Nebenher engagierte sich die aus einer katholischen Familie stammende Theologin stets auch ehrenamtlich in der Kirche – angefangen bei der Landjugend, der Katholischen jungen Gemeinde und der Hochschulgemeinde bis zum Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB), dessen Bayerischen Landesverband sie bis vor Kurzem leitete. „Da waren keine zwei Jahre ohne irgendeinen katholischen Verband“, formuliert es Elfriede Schießleder salopp.

Das Ehrenamt ist für sie „unersetzbar“. Deshalb machte sie sich als bayerische Frauenbund-Vorsitzende auch so sehr für den Ehrenamtsnachweis stark. Darüber hinaus trat sie für die gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen und die Partnerschaftlichkeit von Frauen und Männern ein, wofür ihrer Ansicht nach die Kirche ein Modell sein sollte. Dies habe auch Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., als Münchner Erzbischof angemahnt.

Konkret fordert der KDFB zum Beispiel den Diakonat der Frau. Dieses binnenkirchliche Ziel wurde bisher nicht erreicht. Dafür kann Elfriede Schießleder, die 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und erst kürzlich mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde, auf eine Reihe von politischen Erfolgen verweisen, etwa Verbesserungen bei der Mütterrente und der Kinderbetreuung oder die Einrichtung der Familienpaten. Dabei handelt es sich um geschulte Ehrenamtliche, die Eltern eine Zeitlang im Alltag unterstützen.

Flüchtling aus Afghanistan aufgenommen

Dass sich Elfriede Schießleder besonders für die Belange von Familien einsetzt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich ist sie selbst Mutter dreier inzwischen erwachsener Söhne. Vor zwei Jahren kam ein „vierter Sohn“ hinzu, wie sie liebevoll sagt. Gemeint ist der 18-jährige Ahmadzia aus Afghanistan, den die Familie aufgenommen hat.

In Kontakt gekommen war Elfriede Schießleder mit dem jungen Muslim an der Berufsschule in Altötting, wo sie nicht nur Religionsunterricht erteilte, sondern auch Alphabetisierungskurse für Flüchtlinge gab. Ahmadzia tat sich beim Lesen- und Schreibenlernen besonders schwer, beherrscht er diese Fertigkeiten doch nicht einmal in seiner Muttersprache. Deshalb äußerte er den Wunsch „nach einer Familie“ – und fand sie bei seiner katholischen Lehrerin. „Wir achten beide unseren Glauben sehr. Das Wissen, dass der andere an einen Gott glaubt und diesen Gott als Richtschnur für sein Leben empfindet, verbindet uns auch“, erzählt die Pastoralreferentin. „Deshalb kommen wir auch in anderen Bereichen gut miteinander aus.“ So wird das gemeinsame Tischgebet mit Ahmadzia weiter gepflegt – „danken fürs Essen kannst du auch“.

„Der Sonntag muss schon was Besonderes bleiben“

Auch wenn das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion in ihrer eigenen Familie gut klappt, beobachtet Elfriede Schließleder die gegenwärtigen nationalistischen Tendenzen in der Politik mit großer Sorge und bringt sie vor Gott: „Lieber Gott, darf’s das geben? Wo bleibst du?“ Unter anderem hat sie in den vergangenen Jahren das Rosenkranzgebet für sich entdeckt. „Es beruhigt, senkt den Blutdruck und macht die Atmung regelmäßig.“ Darüber hinaus sind ihr das Abendgebet und die bewusste Gestaltung des Sonntags wichtig: „Der Sonntag muss schon was Besonderes bleiben. Der Gottesdienst gehört dazu – wo auch immer“, sagt die unter anderem im Landeskomitee der Katholiken und in der Arbeitsgemeinschaft Katholische Frauen Bayerns ehrenamtlich Engagierte, die häufig unterwegs ist und daher auch gern beim Autofahren betet.

Ob sie an Engel glaubt, kann sie spontan nicht so genau beantworten, jedenfalls an „gute Geister“ und den „Geist Gottes, der mir Helfer zur Seite stellt“. Wenn, dann seien das mächtige Engel – so wie Rafael, der den Tobit begleitet. „Mei, was tät’n ich mit so einem Putterl?“, fragt die kräftig gebaute Frau schelmisch und fasst sich auf die linke Schulter.

„Natürlich ist Gott da“

Fest überzeugt ist Elfriede Schießleder hingegen davon, dass es ein ewiges Leben gibt. Alle Sehnsucht und alles Heimweh des Menschen würden, so stellt sie sich vor, dann erfüllt. Ganz besonders hofft sie auf ein Wiedersehen mit ihrer Nichte, die vor 20 Jahren im Alter von nur 13 Monaten am plötzlichen Kindstod verstorben ist. Auch wenn sie als Tante damals eine große Leere verspürt habe und ein halbes Jahr lang nicht habe beten können, zweifelt sie grundsätzlich nicht an der Existenz Gottes: „Natürlich ist Gott da.“ Als Beweis führt die Katholikin all das Gute an, das sie erlebe, etwa „wenn ein Gottesdienst ganz stimmig ist, wenn ein Kleinkind anfängt zu laufen, wenn es Menschen gibt, die dir helfen – einfach so“.

Auch ihr eigener Alltag ist von diesem Glauben geprägt, sei es, wenn sie einen Brotlaib vor dem Anschneiden bekreuzigt oder die Söhne zum Abschied mit Weihwasser segnet. Denn die promovierte Theologin weiß: „Der Glaube muss im Handeln gezeigt werden, sonst ist es kein Glaube!“

Die Autorin
Karin Hammermaier
Münchner Kirchenzeitung
k.hammermaier@st-michaelsbund.de


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