Hand - oder Mundkommunion? Den Leib Christi in das Leben legen

03.04.2018

Die Hände erzählen viel über das Leben des einzelnen Menschen. Für Pater Gunnar Bauer ist es daher etwas Besonderes den Leib Christi in diese zu legen.

Das Ausnahmerecht für die Handkommunion muss der Heilige Stuhl erteilen.
Das Ausnahmerecht für die Handkommunion muss der Heilige Stuhl erteilen. © AdobeStock/pawel70

Nach meiner Priesterweihe im Oktober 2015 konnte ich in meiner Heimatgemeinde im ländlichen Baden-Württemberg eine Primiz feiern. Der Moment, der mir von diesem Gottesdienst am stärksten in Erinnerung geblieben ist, ist der Moment der Kommunionausteilung. Ich werde nie vergessen, wie ich den Leib Christi in die Hände der mir so vertrauten Menschen legen durfte, in deren Gemeinschaft ich aufgewachsen war, mit denen ich Herkunft und Glauben teile.

Hände stehen für den ganzen Menschen

Es sind zum Teil raue, manchmal fast geschundene Hände, denen man die Würde der Arbeit ansieht, die ganz einfach vom gelebten Leben erzählen. Es sind die Hände, mit denen diese Frauen und Männer ihre tägliche Arbeit tun, mit denen sie ihre Kinder in den Arm nehmen, mit denen sie ihren kranken Eltern die Hand halten und mit denen sie sich beim Gebet bekreuzigen. Diese Hände stehen für den ganzen Menschen, das ganze Leben. In diese Hände lege ich den Leib Christi und lege ihn damit in die Mitte ihres Lebens hinein. Dort will Christus ihnen in der Eucharistie begegnen und sie berühren.

Pater Gunnar Bauer ist Jesuit und gehört zur Kommunität St. Michael in München.
Pater Gunnar Bauer ist Jesuit und gehört zur Kommunität St. Michael in München. © privat

Christus gibt in der Eucharistie sich selbst

Auch beim Ursprungsgeschehen der Eucharistie, dem Mahl Jesu mit seinen Jüngern am Vorabend seines Todes, hat Jesus jedem seiner Jünger ein Stück Brot zum Essen in die Hand gegeben, so wie es der Rolle des Mahlvorstehers entsprach. Dieses Mahl wurde ganz selbstverständlich mit den Händen zu sich genommen. Seiner Deutung vom Brot und Wein als seinem Leib und Blut folgend, haben die Jüngerinnen und Jünger Jesu von Anfang an das ‚Brotbrechen‘ gefeiert, die Eucharistie. Es ist also ganz klar ursprünglich das Brot, den Leib Christi, mit den Händen zu empfangen.

Christus gibt in der Eucharistie sich selbst dem Menschen in die Hand, weil er sich jedem von uns so sehr schenken will, wie er nur kann. Der Gläubige kann ihn empfangen – mit seinem ganzen Leben. (Pater Gunnar Bauer ist Jesuit und gehört zur Kommunität St. Michael in München)

Ausnahme Handkommunion

Bis ins 20. Jahrhundert war in der Kirche die Mundkommunion üblich. Die Handkommunion ist heute dort erlaubt, wo die Bischofskonferenzen eine Dispens (Befreiung von einem rein kirchlichen Gesetz im Einzelfall) von der Regel der Mundkommunion erhalten haben. Der Heilige Stuhl erteilt das Ausnahmerecht. In Deutschland ist das seit dem 6. Juni 1969 der Fall.


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