Artenvielfalt in Freising Der Apfel fällt nicht weit vom Dom

01.02.2019

Die größte Streuobstwiese im Landkreis Freising gehört der Kirche. Dort haben Insekten eine Heimat und aus den Äpfel ist zum ersten Mal ein Edelschnaps gebrannt worden.

Einheimische Apfelsorten machen Insekten auf dem Domberg glücklich. © EOM/Schranner

Freising – Elmar Hobelsberger steht auf dem Südhang des Freisinger Dombergs und beschreibt mit dem ausgestreckten Arm einen Halbkreis. Vom Kreuzgang hinter dem Dom bis hin zum Diözesanmuseum erstreckt sich die größte Streuobstwiese des Landkreises. Etwa drei Hektar ist das Gelände groß, sagt Hobelsberger, der das Kardinal-Döpfner-Haus und den dazugehörigen Domberg mit seinen rund 300 Apfelbäumen managt, auch ein paar Birnen, Quitten- und sogar Feigenbäume sind darunter.

Die meisten Sorten gehen auf Korbinian Aigner zurück. Der Pfarrer und entschiedene Nazi-Gegner war einer der großen Apfelexperten und -züchter in Bayern. Besonders traditionelle einheimische Sorten hat er immer weiter veredelt. Die Streuobstwiese hilft mit, sie zu erhalten und schon allein deshalb ist das Gelände eine ökologische Kostbarkeit. Natürlich will es gepflegt sein.

Audio

Beitrag über die Streuobstwiese im Münchner Kirchenradio.

Elmar Hobelsberger und Andrea Kästl vor nachhaltig abgeernteten Bäumen.
Elmar Hobelsberger und Andrea Kästl vor nachhaltig abgeernteten Bäumen. © SMB/Bierl

Hotels für Insekten

Die drei Hausmeister am Kardinal-Döpfner-Haus mähen das Gras zwei Mal im Jahr. Für die Ernte engagiert Hobelsberger Helfer aus den Isar-Sempt-Werkstätten, in denen Menschen mit Handicaps beschäftigt sind. Die vielen Bäume machen aber nicht nur Arbeit, sondern auch Freude. Vor allem den Tieren. Es gibt viele Nistplätze für Vögel, Nahrung für Insekten und Pflanzen wie der Milchstern und die Traubenhyazinthe können sich ausbreiten. Pestizide kommen auf dem Gelände nicht zum Einsatz. „Wir haben hier 'Insektenhotels' und Imker, die Bienenvölker ansiedeln“, erzählt Hobelsberger, der dieses Engagement mit Partnern wie dem Landschaftspflegeverband unterstützt. Einen Teil der Bioäpfel und -birnen lassen sie bewusst an den Bäumen hängen oder auf dem Boden liegen. Als Nahrung für die Tiere und Lebensraum für Mikroorganismen.

Geistiges Getränk vom Domberg
Geistiges Getränk vom Domberg © EOM/Schranner

Edeldestillate aus Kirchenobst

Den größten Teil der Ernte dürfen jedoch die Menschen genießen. Insgesamt vier Tonnen waren es im vergangenen Jahr. Andrea Kästl vom Erzbischöflichen Ordinariat sorgt dafür, dass sie verwertet werden. Dabei ging zum ersten Mal ein Teil der Ernte an eine kleine Brennerei für Edelschnäpse. „So ungefähr 1,2 Tonnen sind für das Destillieren verbraucht worden und dabei 350 Flaschen Obstbrand herausgekommen“, rechnet sie vor. Mild soll das edle Destillat sein und sanft über den Gaumen gehen. 22 Euro kostet die Flasche im Dombergladen und das sei für die Qualität sehr günstig, so Kästl. Dort ist auch der Apfelsaft zu bekommen, den sie aus der übrigen Ernte hat pressen lassen. Etwa 1000 Liter sind herausgekommen, die auch im diözesanen Tagungs- und Bildungshaus Schloss Fürstenried ausgeschenkt werden.

Gewinn bringt die Streuobstwiese der Erzdiözese aber nicht ein. Ließe sie die Bäume fällen, käme die Pflege wahrscheinlich billiger. Aber dann würden viele Tiere und Pflanzen ihre Heimat verlieren und Freising ein bedeutendes Biotop. Als „grüne Insel mitten in der Stadt“, bezeichnet Kästl den Südhang, den die Erzdiözese auf jeden Fall erhalten will, „weil es ist ja ein Bestreben der Kirche, nachhaltig zu sein und die Schöpfung zu erhalten“. Die vielen verschiedenen Finken- und Meisenarten, Bienen und Admiralsschmetterlinge sagen dafür danke, wenn sie auf der Streuobstwiese zwitschern, brummen und flattern.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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