Wirtschaft und Ethik Der christliche Faktor

30.11.2017

Kann die Kirche Einfluss nehmen auf die Wirtschaft in unserem Land? Im Rahmen des "Monats der Spiritualität" des Sankt Michaelsbundes befasste sich eine Gesprächsrunde unter dem Motto "Wirtschaften um des Menschen willen" mit der Thematik.

Munterer Austausch: Unter der Moderation von Xander Zimmermann vom Pfarrverband Isarvorstadt (rechts) diskutierten der bayerische Landescaritasdirektor Prälat Bernhard Piendl (links), Christine Pehl, Beraterin für „Social Corporate Responsibility“, und Kapuzinerpater Thomas Dienberg, Buchautor und Professor im Fach „Theologie der Spiritualität“ an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster, im Pfarrsaal von St. Anton © Ertl/SMB

 

München – Kurz nach der Bekanntgabe eines Rekordgewinns von 6,1 Milliarden Euro, erklärt Siemens, 3.000 Mitarbeiter zu entlassen. Dazu kommen Meldungen über exorbitante Gehälter und Boni-Zahlungen an Manager in den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen. Es sind Schlagzeilen wie diese, die die hiesige Wirtschaft in Verruf bringen. Unter der Überschrift „Wirtschaften um des Menschen willen“ nahm man beim „Klosterforum“ im Pfarrverband (PV) Isarvorstadt derartige Entwicklungen unter die Lupe. Der Sankt Michaelsbund hatte im Rahmen seines „Monats der Spiritualität“ dazu den bayerischen Landescaritasdirektor Prälat Bernhard Piendl, Christine Pehl, Beraterin für „Social Corporate Responsibility“, und Pater Thomas Dienberg, Professor im Fach „Theologie der Spiritualität“ an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster, an einem Tisch versammelt. Der Kapuziner hat zur Thematik auch ein Buch veröffentlicht. Unter der Moderation von Xander Zimmermann, Mitglied des Pfarrgemeinderats im PV, entwickelte sich ein ebenso kurzweiliger wie anspruchsvoller Austausch, bei dem das eine oder andere dicke ethische Brett gebohrt wurde.

„Was läuft schief in der Wirtschaft?“ lautete eine der Grundfragen. Die Gesprächsteilnehmer waren sich jedoch einig, dass diese Formulierung zu pauschal sei. Vieles laufe in der Wirtschschaft nämlich gut, die Zusammenhänge seien für Schwarz-Weiß-Malerei zu komplex, in der Öffentlichkeit werde oft zu schnell geurteilt, ohne die genauen Hintergründe für manche Entscheidungen zu kennen. Caritasdirektor Piendl erklärte, dass „ein Großteil“ in der Wirtschaft „seriös“ agiere, Deutschland sei „zum Glück keine Bananenrepublik“. Der Begriff „ehrbarer Kaufmann“ fiel in diesem Zusammenhang öfter. Bei seinen Gesprächen mit Politikern und Verbändevertretern, so erzählte der Prälat, spüre er oft „das ernsthafte Bemühen, Politik nach christlichen Werten und ethischen Maßstäben“ zu gestalten. Das christliche Gedankengut erfreue sich im Business-Bereich hoher Wertschätzung, bestätigte auch Beraterin Pehl.

Dienberg brachte den zentralen Begriff von „Spiritualität“ ein, als jene Grundinspiration im Leben eines jeden Einzelnen, die ihn trage, sein Handeln präge, Geist gebe, und aus der jeder seine Werte und Überzeugungen generiere: „Das ist weit mehr als Ethik.“ Einig war man sich, dass die Kirche nicht verzagt, sondern viel selbstbewusster in der Öffentlichkeit auftreten und das Wort gegen eine bloß wachstumsorientierte Ökonomie erheben müsse. Das werde von ihr erwartet. Nur so könne, wie es auch Benedikt XVI. und Papst Franziskus fordern, der Mensch in den Mittelpunkt allen (wirtschaftlichen) Handelns gerückt werden.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Monat der Spiritualität und zum Thema Monat der Spiritualität

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