Impuls Der Geist der Dankbarkeit

01.07.2018

Gert hatte 41 Jahre einen sicheren Arbeitsplatz, an dem er viel Geld verdient hat. Doch Entscheidendes hat dieser Firma gefehlt: Dankbarkeit.

Dankbarkeit zeigen.
Dankbarkeit zeigen. © AdobeStock/Arman Zhenikeyev

In einem Hospiz der Malteser traf ich Gert, einen Rentner. Jede Woche, so erzählte er mir, komme er hierher, um der Einrichtung seine Zeit zur Verfügung zu stellen. Zwölf Zimmer gibt es im Hospiz, belegt von Frauen und Männern, die wissen, dass sie bald sterben werden. Es seien, fuhr er fort, immer beglückende Stunden, die er hier verlebe. Auch wenn der Tod natürlich irgendwie Thema sei, so gehe es doch recht lebendig zu. Und dann erzählte er mir von Peter, den er kürzlich in ein schwedisches Möbelhaus begleitet hatte. Auch wenn es dem von einem Tumor geplagten sichtlich schwergefallen war, das Einrichtungshaus aufzusuchen, wollte er unbedingt dorthin.

Ein Wunsch gab ihm die Kraft dazu: Seine 15-jährige Tochter sollte ein neues Zimmer bekommen. Er wusste, dass es das letzte Geschenk an seine Tochter sein würde. Gemeinsam mit Gert, dem ehrenamtlichen Hospizhelfer, der dafür eigens einen Wagen organisierte, konnte er diesen Wunsch erfüllen. Schluchzend hat sich Peter dafür bedankt. „Von solchen Erfahrungen“, resümierte Gert, „lebe ich. Und noch etwas,“ fuhr er fort, „will ich ihnen erzählen. Ich war 41 Jahre in einem Betrieb. Wenn etwas schiefgelaufen ist, dann gab es eine Menge Ärger. Lief alles gut, kam nichts zurück. Hier im Hospiz ist das anders. Hier begegnet mir eine Dankbarkeit, die ich bisher nicht gekannt habe.“

Ob es daran liege, dass Menschen am Ende ihres Lebens ein Dankeschön leichter über die Lippen bringen, habe ich ihn gefragt. „Ich weiß es nicht“, gab er zaghaft zur Antwort. „Aber eines weiß ich: Hier herrscht ein guter Geist und wo ein guter Geist herrscht, da gibt es auch Dankbarkeit.“

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher.
Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

„Wo ein guter Geist herrscht, dort gibt es Dankbarkeit“

Das Gespräch mit Gerd hat bei mir einen besonderen Nachhall gefunden. Der Satz „Wo ein guter Geist herrscht, dort gibt es Dankbarkeit“ geht mir seither nicht mehr aus dem Sinn.

Vor wenigen Wochen hat die Kirche Pfingsten gefeiert, ein Fest, mit dem immer weniger Menschen etwas anfangen können. Gert hat mir vor Augen geführt, wie dringlich die Bitte um einen guten, einen göttlichen Geist doch ist. 41 Jahre hatte er einen sicheren Arbeitsplatz, an dem er viel Geld verdient hat. Doch Entscheidendes hat dieser Firma gefehlt: Dankbarkeit. Mag ein Betrieb, ein Verein oder auch eine Familie noch so ideale Bedingungen bieten. Ohne einen guten Geist können sich diese Beziehungsgeflechte sogar in ihr Gegenteil verkehren. Wo der gute Geist fehlt, machen Arbeitsstätten krank, dort können sogar Familien zur Hölle werden. Auf den Geist kommt es an.

„Sende deinen Geist!“ Diese Bitte hat nichts an Dringlichkeit verloren. Wo der Geist Gottes herrscht, dort blühen Menschen auf. Selbst Orte, an denen gestorben wird, können dann zur beglückenden Erfahrung werden. (Max Kronawitter)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Die Kirche und das liebe Geld

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