Priesterweihe im Freisinger Dom Der große stille Moment

30.06.2018

An diesem Samstag hat Erzbischof Kardinal Reinhard Marx drei neue Priester geweiht. Sie sollen an die Peripherie gehen, für Suchende, Arme und Leidende da sein.

Inniger Moment. die anwesenden Priester legen den Weihekandidaten die Hände auf.
Inniger Moment. die anwesenden Priester legen den Weihekandidaten die Hände auf. © Kiderle

In den innigsten Momenten der Priesterweihe ist es im Freisinger Dom minutenlang ganz still. Etlichen Besuchern in den Kirchenbänken und auch manchem gestandenen Geistlichen treten die Tränen in die Augen. Dutzende Priester ziehen an Thomas Belitzer, Ferdinand-Stefan Bergrab und Markus Nappert vorbei und wiederholen, was Kardinal Reinhard Marx als erster getan hat: Sie legen den drei Weihekandidaten die Hände auf. Manche behutsam, andere entschlossen, einige lächeln, andere sind ganz versunken, als sie die Häupter der drei Männer berühren, die in einer Reihe auf der Altarstufe knien. Das Sonnenlicht dringt durch die Fenster in den weiten Kirchenraum und nach einer Weile beginnt leise die Korbiniansglocke zu läuten, die dem Gründer des Bistums geweiht ist. Kurfürst Max Emanuel hat sie 1724 gießen lassen, zur Tausendjahrfeier der Ankunft des heiligen Korbinian in Freising. Jetzt schwebt ihr Klang von draußen durch das Kirchenschiff und erinnert an die lange Geschichte des Bistums.

"Gefühl der Geborgenheit"

Noch haben die drei Weihekandidaten ihre Stola diagonal über die Brust gebunden und tragen eine weiße Albe, wie Diakone, die sie in diesem Augenblick noch sind. „Es ist ein Gefühl der Geborgenheit“, erzählt Thomas Belitzer nach der Weihe von diesem langen Moment des Schweigens in der Liturgie. Über 800 Gläubige im Freisinger Dom haben diese Minuten mit ihm geteilt und trotzdem hatte er das Gefühl „ganz für sich und mit Gott “ und „gar nicht so beobachtet“ zu sein. Das Lächeln will ihm gar nicht mehr aus dem Gesicht gehen, als er nach dem Gottesdienst im Innenhof des Kardinal-Döpfner-Hauses steht und sich von seiner Mutter zuerst einmal umarmen und zärtlich über die Schulter streicheln lässt. Ferdinand-Stefan Bergrab und Markus Nappert schütteln da schon die Hände von Verwandten, Freunden und anderen Gratulanten. Alle drei tragen sie die roten Priestergewänder, mit denen sie ihre Heimatpfarrer nach der Handauflegung und dem Weihegebet des Erzbischofs angekleidet haben.

Frisch geweiht: die drei Neupriester Martin Nappert, Ferdinand-Stefan Bergrab und Thomas Belitzer in Freising.
Frisch geweiht: die drei Neupriester Markus Nappert, Ferdinand-Stefan Bergrab und Thomas Belitzer in Freising. © Kiderle

An die Ränder der Gesellschaft

So sind sie zum ersten Mal als Priester am Altar gestanden,direkt an der Seite von Kardinal Reinhard Marx. Es ist seine elfte Priesterweihe, die er als Erzbischof von München und Freising begeht, aber „esist natürlich immer etwas sehr Besonderes“. Schließlich kenne er dieWeihekandidaten seit ihrem Eintritt ins Priesterseminar, lade sie immer wiederzum Frühstück und Gesprächen, erzählt er der Münchner Kirchenzeitung.  Dadurch lerne er die Weihekandidaten auchpersönlich immer näher kennen. Und er freut sich zu spüren, „wie die jungenMänner begeistert sind und für ihre Aufgabe brennen“.  Dass sie „Zeugen der Hoffnung“ sind, das willer ihnen mitgeben: „Das haben wir als Priester allen zu sagen und das ist dochwunderbar.“ In seiner Predigt beim Festgottesdienst hatte Kardinal Marxdeutlich gemacht, dass es dafür ein weites Herz braucht und die Neupriesterdazu aufgerufen, an die „Peripherie“, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen:„Zum priesterlichen Dienst gehört es, nicht nur dahin zu gehen, wo man meint,hier sei das Zentrum der Kirche, sondern vor allem dorthin wo Jesus wohnt, alsozu den Suchenden, den Armen, den Kranken.“

Hauptsache Priester

Ferdinand-Stefan Bergrab wird dasgleich bei den ersten Urlaubsvertretungen versuchen, für die er sich schongemeldet hat. Thomas Belitzer sagt, dass er die Freude, die er bei seinerPriesterweihe „verspürt und empfangen“ hat, „zu den Menschen hinausbringen“will.  Und Markus Nappert hat sichvorgenommen „trotz der Priesterweihe ein normaler Mensch bleiben, offen undehrlich auf jeden Menschen zu zugehen.“ Die Gemeinden dürfen also drei tüchtigeSeelsorger erwarten. Im Hof des Kardinal-Döpfner-Hauses spricht ein Gast diedrei schon mit „Herr Kaplan“ an. „Haben wir überhaupt schon einenkirchenrechtlichen Titel“, schmunzelt Markus Nappert. „Ist egal, Hauptsache wirsind jetzt Priester, da gibt’s ja seit einer Stunde keinen Zweifel mehr“,erwidert Ferdinand-Stefan Bergrab und die drei frischgebackenen Geistlichenlachen miteinander.

 

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Priesterleben

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