Instrument fertiggestellt Der Klang des Domholzcellos

22.02.2014

Nach zwei Monaten Arbeit hat Geigenbauer Peter Erben ein Cello aus über 500 Jahre altem Holz des Münchner Doms fertiggestellt. Ein paar Schichten Lack fehlen freilich noch, aber es ist jetzt bespielbar. Auftraggeber Georg Middelhauve konnte vergangene Woche ein erstes Mal über die Saiten des Schmuckstücks streichen und ist begeistert.

Georg Middelhauve spielt zum ersten Mal auf seinem Cello (Bild: Sankt Michaelsbund)

München - Nach Weihrauch hat es nicht gerochen in Peter Erbens Werkstatt in der Münchner Maxvorstadt. Obwohl der Geigenbauer ein Stück Holz auf seiner Werkbank liegen hatte, das davon über 500 Jahre wohl einiges abbekommen hat. Das Fichtenholz, das er in den letzten zwei Monaten zu einem einzigartigen Cello umgewandelt hat, war viele Jahrhunderte ein Dachbalken der Münchner Frauenkirche. Als diese nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche lag, kaufte Tonholzhändler Franz Fuchs (1899-1975) es dem damaligen Dompfarrer ab und bewahrte es vor dem Verfeuern.

Fahrzeugingenieur Georg Middelhauve erfuhr jetzt von dem Domholz. Und es faszinierte ihn so, dass er bei Peter Erben ein Cello aus diesem Holz in Auftrag gab. Der war erst mal alles andere als begeistert von der Idee. „Ich bin davon überzeugt“, sagt Erben, „dass jedes Holz für eine bestimmten Verwendungszweck in einer bestimmten Mondphase und zu einer bestimmten Jahreszeit geschlagen wurde. Bauholz wurde zu einem anderen Zeitpunkt geschlagen, als Holz für Instrumente.“ Auftraggeber Middlehauve überredete ihn aber sich das Domholz anzusehen. Auf einem düsteren Dachboden im Oberland suchten sie das passende Stück für ein Cello aus.

Einige Wochen hat Erben jetzt an der Cellodecke (die anderen Teile des Cellos sind aus gewöhnlichem Hartholz) gesägt und gehobelt. Jetzt war es soweit und das Cello wurde zusammengeleimt. Nach dem Trocknen konnte Georg Middelhauve mit dem Bogen das erste Mal über die Saiten seines Domholzcellos streichen. Für ihn, wie den Geigenbauer, ein sehr ergreifender Moment. Vom Klang sind beide begeistert. Schon den ganzen Tag habe es ihn in den Fingern gejuckt, das Instrument auszuprobieren, erzählt der sichtlich nervöse Geigenbauer Peter Erben. Aber diesen großartigen Moment sollte doch Middelhauve selbst erleben können.

Mit nach Hause nehmen konnte dieser das Instrument nach dem erfolgreichen Testlauf noch nicht. Schließlich fehle noch der Lack und da seien viele Schichten notwendig, erklärt der Geigenbauer. Und, so verrät er, wäre es ein Traum von ihm und dem Auftraggeber, dass das Domholzcello wenigsten einmal dorthin zurückkäme, wo es herkommt und seine Saiten bei einem kleinen Konzert im Münchner Dom erklingen dürften. Vielleicht lässt sich dieser Traum ja erfüllen... (sts)

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