Wilhelm Tell auf der Passionsbühne in Oberammergau Der Mann mit dem Apfel auf dem Kopf

14.06.2018

"Der Vater muss dem Sohn einen Apfel vom Kopf schießen. Mehr von der Geschichte kennen die meisten Menschen nicht", sagt Regisseur Christian Stückl. Er zeigt in Oberammergau auf der Passionsbühne nun die ganze Geschichte.

Ein Pfeil durchbohrt einen Apfel.
Ein Pfeil durchbohrt einen Apfel. © AdobeStock/EvgeniiAnd

Oberammergau – Im Oberammergauer Passionstheater hat am 6. Juli "Wilhelm Tell" von Friedrich Schiller Premiere. Regie führt Christian Stückl. Ihn habe an dem Klassiker gereizt, daraus nicht ein Schweizer Heimatstück zu machen, sondern ein Stück über den Krieg und die Auseinandersetzung mit dem Töten, sagte Stückl der Katholischen Nachrichten-Agentur. Letztlich gehe es um die Frage, ob man gegen einen Despoten aufstehen dürfe und ihn töten: "Tell entscheidet sich dafür, im Bewusstsein, es gibt einen Gott, der über ihn richten wird." Somit sei Wilhelm Tell, so Stückl, eigentlich ein sehr aktuelles Stück.

Mit dem für das Bühnenbild und die Kostüme verantwortlichen Stefan Hageneier habe er sich entschieden, die Szenerie an einem Kriegsschauplatz "irgendwo in der Welt" spielen zu lassen, erläuterte Stückl. "Auch die Kostüme werden nicht zwischen Edelweiß und Jodler, Kühe und Toblerone-Mountains angesiedelt." Außerdem habe er den Text gekürzt und verständlicher gemacht. Viele Nebensätze, die Schiller so liebte, seien weggefallen. Es sei aber keine Neudichtung entstanden, versicherte der Regisseur. Doch so täten sich auch die Laiendarsteller mit dieser Sprache leichter.

Christian Stückl bringt den Willhelm Tell auf die Passionsbühne.
Christian Stückl bringt den Willhelm Tell auf die Passionsbühne. © imago

Mit Blick auf den Zehn-Jahres-Rhythmus, in dem die Passionsspiele stattfinden, geht es Stückl nach eigenen Worten auch darum, die nächste Generation der Laiendarsteller mitzunehmen. So werde jetzt bewusst ein 23-Jähriger den "Tell" spielen. Auch andere Figuren seien mit sehr jungen Darstellern besetzt. Ansonsten könne er aber für 2020 auf ein "ganz starkes Team" von 2010 bauen. Weiter versicherte er: "Jenen, denen ich jetzt schon große Rollen gebe, traue ich auch was für die Passion zu." Die Darsteller der Hauptrollen im Passionsspiel 2020 möchte er im Oktober bekannt geben. (kna)


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