Abschied von Harry und Meghan Der „Megxit“ geht uns alle an

20.01.2020

Die Rolle mancher Medien, die ist beschämend – und auch die Sensationsgier, die sie bedienen. Ein Kommentar von Tanja Bergold, Programmleiterin im Münchner Kirchenradio.

Meghan Markle und Prinz Harry
Wer hat Schuld am "Megxit"? © imago images / i Images

Ich gebe es zu: Auch ich habe in den letzten Tagen über die Vorfälle im englischen Königshaus gesprochen. Ob man Meghan sympathisch findet oder nicht, was die Queen jetzt wohl entscheidet – und überhaupt: Darf Prinz Harry so einfach einen Abgang machen und wohl weiterhin trotzdem Millionen verdienen?

Trotzdem: Nicht nur, dass die beiden mir irgendwie leidtun. Geärgert habe ich mich über manch eine Berichterstattung. Da wird eine junge Frau, die sich zufälligerweise in einen Prinzen verliebt, nach allen Regeln der Kunst fertiggemacht. Das ist nicht die Aufgabe von Journalisten!

Freude übers nächste Fettnäpfchen

In einer Demokratie herrscht Pressefreiheit. Das bedeutet: Eine freie und unabhängige Berichterstattung mit dem Ziel, zur Meinungsbildung beizutragen. So weit so gut.

Nun ein Beispiel: Meghan wurde einmal beim Essen eines Avocado-Toasts fotografiert. Das schlug erstaunliche Wellen: Eine englische Zeitung regte sich furchtbar darüber auf, schließlich sei der Anbau von Avocados mitverantwortlich für Ausbeutung der Arbeiter und Verschwendung von Wasser. Dabei wolle Meghan doch angeblich den Planeten retten.

Ich bin sicher: Hätte Sie ein Tofu-Sandwich gegessen – es wäre auch nicht richtig gewesen. Jeder Schritt, jedes Wort, jede Geste, jeder Blick wurde für ein Massenpublikum gedeutet. Und wir haben gierig auf die Schlagzeilen geschaut und uns gefreut, wenn sie endlich wieder in ein Fettnäpfchen getreten ist, um bei einem Glas Prosecco darüber zu reden.

Ein Befreiungsschlag, der auch weh tut

Ich habe Hochachtung vor dem Schritt dieses Paares. Sie spielen das Spiel einfach nicht mehr mit und lassen sich diese Behandlung nicht mehr gefallen. Die Konsequenzen sind hart. Damit meine ich nicht den Verlust von Titeln oder ein paar Millionen weniger. Um ihre finanzielle Zukunft muss sich das Paar keine Sorgen machen. Aber – was Prinz Harry betrifft – er verlässt seine Heimat, zumindest teilweise, und auch das Leben, das er bisher gelebt hat. Ein Befreiungsschlag, der mit Sicherheit auch weh tut und – vor allem – nicht freiwillig geschah! Und die britische Boulevardpresse überschlägt sich einmal mehr.

Wo hört Information auf – und wo fängt lüsterne Sensationsgier an? Ist die Schlagzeile wirklich richtig? Muss ich jede intime Information verwenden? Welche Konsequenz hat mein Tun? Will ich das wirklich alles wissen oder drücke ich lieber den Aus-Knopf der Fernbedienung? Jeder einzelne kann diese Fragen frei für sich beantworten. Jeder Leser/Hörer oder Zuschauer – und auch jeder Journalist!


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