Berufe in der Kirche Der mit dem Feuer tanzt

02.05.2018

Jugendreferent Robert Dembinski brennt für seine Arbeit und will vor allem eines: Den jungen Menschen Mut machen, ihren eigenen Weg zu sich selbst und zu Gott zu finden.

Dass Robert Dembinski für seine Arbeit "brennt" ist deutlich erkennbar.

München – Wenn Robert Dembinski seine schwarze Reisetasche aus dem Schrank holt und sein Handwerkszeug packt, dann riecht es nach Feuer – genauer gesagt nach Lampenöl. Denn der 27-Jährige experimentiert gerne mit Flammen, durchaus auch zuweilen in seinem Büro der Jugendstelle Bogenhausen, wenn er Bärlapp-Sporen in die Luft pustet, die sich entzünden. Sobald er von seiner Arbeit als Jugendreferent erzählt, wie er Menschen vernetzt oder zu Aktionen inspiriert, merkt man schnell: Er „brennt“ für Gott, gerade wenn er mit dem Feuer tanzt. „Wenn ich das mache, dann bete ich. Für mich ist das Lobpreis.“
Ungewöhnliche Gottesdienstformen erprobte Dembinski in einer katholischen Jugendgruppe in Waldperlach, die jeden Sonntagabend Gottesdienste feierte „mit Keyboard und Schlagzeug – einfach coole Musik, da waren wir Feuer und Flamme“. Auch zu einem Jugendcamp in Stuttgart ist er gefahren, und dort gehörte zum Lobpreis Gottes der afroamerikanische Breakdance.

Technische Begabung

Fast atemlos erzählt Dembinski, wie er dann mit Freunden im Pfarrsaal Videos anschaute, wie sie gebetet haben, dass ihnen bei den akrobatischen Aktionen kein Unfall passiert, und wie sie schließlich angefangen haben, die Bewegungen zu üben, die Schwarze in den USA entwickelt hatten. „Breakdance ist eigentlich eine große Friedensbewegung, denn aus dem körperlichen Kampf gegeneinander wurde eine Kunstform und eine respektvolle Begegnung miteinander. Da liege ich zum Beispiel auf dem Rücken und springe blitzschnell auf die Füße.“ So wurde aus einem Schüler, der mit Fußball nichts anfangen konnte, ein junger Mann, der seine Muskeln beherrscht, der in abenteuerlichen Positionen die Balance hält und auf dem harten Betonboden darauf achtet, sich nicht zu verletzen.Zugleich zeigte sich bei ihm in der Schule eine technische Begabung, und damit könnte er heute auch bei einem Automobilkonzern arbeiten. Das war die Zielrichtung, die seine Eltern für ihn angedacht hatten. Aber als 15-Jähriger, mitten in der Krise zu Hause, „da habe ich Gott alles erzählt und ihn um eine klare Antwort gebeten“. Und seine damalige Freundin Franziska, mit der er inzwischen eine Familie gegründet hat, ermutigte ihn: „Probiere es doch einfach aus, trau dich!“

Geh deinen Weg!

Bei seiner Bewerbung an der Romano- Guardini-Fachoberschule kamen damals auf jeden freien Platz neun Bewerber. Aber sein Engagement in der Jugendarbeit konnte er mit in die Waagschale werfen. Dass er nach dem Zivildienst schließlich „Soziale Arbeit“ studierte und Zusatzqualifikationen in Theologie und Erlebnispädagogik erworben hat, ist für seine jetzige Arbeit als Jugendreferent ein großer Vorteil. Aber vor allem hat er damals eine Lehre fürs Leben gezogen. „Alle sagen: Das geht nicht! Und dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s einfach gemacht“, zitiert er einen bekannten Ausspruch. „Das ist mein Lieblingssatz! Und den möchte ich auch gegenüber Jugendlichen von heute bekräftigen: Lass dir nichts kaputt reden. Wenn du etwas tun möchtest, dann probiere es aus. Hab den Mut, deinen eigenen Weg zu gehen!“
Im Rückblick sieht Dembinski, dass er selbst viele kleine Schritte gemacht und autodidaktisch, ohne Kurse, vieles gelernt hat. Langsam hat er sich herangetastet ans Feuer, hat mit Strümpfen, die mit Reis gefüllt sind – sogenannten „pois“ – die Bewegungen „im Trockenen“ geübt.

Gottes Flamme in sich

Ein Auftritt seiner Breakdance-Gruppe bei der Jugendkorbinians-Wallfahrt kam dann genau im richtigen Moment, der Erfolg vor einer großen Zuschauerzahl hat ihm gezeigt, dass er seine eigene Scheu überwinden, dass er sprechen und agieren kann vor Menschen. Wenn er heute auftritt, erzählt er den Heranwachsenden mit dem Feuer eine Geschichte: Mit vielen kleinen Flammen, die hektisch bewegt werden, stellt er dar, dass Menschen das Motto „immer höher, schneller, weiter“ leben, bis irgendwann nur ein kleines Flämmchen übrigbleibt – der „Burn-out“, der Zusammenbruch. Aber aus der Ruhe einer einzigen Flamme kann immer mehr Feuer entstehen, „wenn ich mich auf Gott verlasse. Jeder hat Gottes Flamme in sich, und Gott will, dass du deine Talente entdeckst, dass du dein Licht nicht unter einen Scheffel stellst! Probiere es aus!“ – Das ist seine Botschaft. (Annette Krauß)

 

 

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Berufe der Kirche

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