Pfarrer Hans-Georg Platschek im Interview Der "Neue" im Dom und Sankt Peter

01.10.2014

Pfarrer Hans-Georg Platschek, bislang Leiter des Pfarrverbands Moosburg-Pfrombach, wurde jetzt offiziell als neuer Pfarrer von Sankt Peter in München und Pfarradministrator der Münchner Dompfarrei Zu Unserer Lieben Frau eingeführt.

Pfarrer Hans-Georg Platschek mit Border-Collie Benni (Bild: Florian Ertl)

MKN: Herr Pfarrer Platschek, welches Profil muss man mitbringen um Dompfarrer zu werden?

Platschek: Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Warum wird mir diese Aufgabe angetragen? Was denken da meine Vorgesetzten? Was erwarten meine Vorgesetzten? Ein Kriterium ist sicherlich, wie kann der Priester, der diese Aufgabe wahrnimmt, Liturgie feiern, wie ist er im Bereich der Verkündigung und welche Erfahrung bringt er mit. Das war sicherlich ein Bereich der berücksichtigt wurde. Mit einem gewissen Gesamtbild ist da wohl die Wahl auf mich gefallen und ich schaue mal, wie ich diesen Erwartungen entsprechen kann.

MKN: War es Ihr Traum vom eher ländlichen Moosburg hier in die Großstadt zu kommen?

Platschek: Ein Traum den ich eigentlich nie geträumt habe. Ich bin in einer Kleinstadt, einer Kreisstadt in der Westpfalz groß geworden, habe dann in Eichstätt studiert, auch keine Großstadt, war dann Kaplan in Fürstenfeldbruck, Militärpfarrer in Kaufbeuren im Allgäu und Schongau, auch Kleinstädte, und war jetzt 13 Jahren in Moosburg, einer Kleinstadt mit 16 000 Einwohnern. Da habe ich mich auch sehr wohl gefühlt und dieser Sprung in die Großstadt ist schon etwas, wo ich innerlich erst etwas gezögert habe. Ganz andere Lebensbedingungen, ganz andere Lebenstaktungen, die Menschen sind hier definitiv auch anders und ticken anders. Mir hat einmal ein Kollege gesagt, hier tickt man nicht wie ein Einzelner, sondern wie ein ganzes Uhrengeschäft. Da gibt es alles mögliche, viele Ungleichzeitigkeiten die zusammenfallen und da hinein zu finden, da bin ich gerade dabei.

MKN: Sie sind nicht allein umgezogen. Da gibt es jemand an ihrer Seite: ihr Hund, der ebenfalls ein „Landei“ war ...

Platschek: Ja, mein Border-Collie Benni, der jetzt 12 Jahre alt ist, der hier gleich die Ohren spitzt. Er hat aber bislang die Umstellung in die Großstadt erstaunlich gut verkraftet. Er findet hier alles sehr interessant, die Wege über den Marienplatz, da fremdelt er überhaupt nicht und findet sich gut rein. Und langweilig ist es hier sicher nicht für ihn.

MKN: Als Administrator der Dompfarrei sind sie jetzt Pfarrer der vermutlich bekanntesten Münchner Kirche. Sie haben einen riesigen Kirchenraum, aber eine Gemeinde mit nur wenig Gläubigen. Was bedeutet das für Sie?

Platschek: Es ist mir ganz klar, dass der Auftrag als Administrator der Dompfarrei sich nicht nur auf die hier in der Dompfarrei ansässigen Gläubigen bezieht, sondern dass das wirklich ein Auftrag für die Stadt ist. Und die Dompfarrei hat natürlich auch die Bedeutung als Metropolitanpfarrei in der gesamten Erzdiözese. Da habe ich mich natürlich ein bisschen umstellen müssen, weil ich es vor allem gewohnt war mich um „meine Schafe“ in Pfarrei oder Pfarrverband zu kümmern. Das Denken über Pfarreigrenzen hinaus ist jetzt etwas was ansteht, da werde ich mich auch hineinfinden müssen.

MKN: Nun sind sie aber auch von Münchens ältester Pfarrkirche, Sankt Peter, der neue Pfarrer. Was unterscheidet diese Pfarrei von anderen Pfarreien?

Platschek: Die Pfarrei Sankt Peter, der sogenannte Alte Peter, steht natürlich für Münchner Stadtgeschichte und konkurriert in gewissem Sinn da sogar mit der Liebfrauenkirche. Es beeindruckt mich selber, dass ich diese Aufgabe wahrnehmen darf. Ich habe Respekt davor, denn es bedeutet den Eintritt in eine sehr große Traditionslinie, diese Tradition weiterleben, weiterführen in die Zukunft, vielleicht da und da modifizieren und zukunftsfähig machen. Aber das ist etwas ganz Großes, wenn ich mich hier ganz bewusst auch einreihen darf in diese lange Reihe von Vorgängern, die die Jahrhhunderte durchmisst.

MKN: Sie stehen jetzt sozusagen im Mittelpunkt Münchens, im Herzen Münchens mit diesen beiden Pfarreien – gefällt es Ihnen im Mittelpunkt zu stehen, oder macht es Ihnen auch ein bisschen Angst?

Platschek: Als Administrator der Dompfarrei stehe ich nicht im Mittelpunkt. Da gibt es andere Herren, die ihre Aufgaben in der Diözesanleitung wahrnehmen. Da gibt es erst mal den Erzbischof und das ist für mich entlastend, dass ich mich in ein größeres Ganzes einfügen darf, dass ich meine Aufgabenbereiche übernehmen darf ohne dass ich eigentlich im Mittelpunkt stehe. In Sankt Peter ist es natürlich etwas anderes. Stadtpfarrer von Sankt Peter zu sein heißt schon diesen Schritt in die Mitte machen zu müssen, machen zu sollen und da werde ich mich auch bemühen, dass ich das in rechter Weise tun kann.

MKN: Auf was freuen Sie sich in München am meisten?

Platschek: Sie betonen „in München“ am meisten – das heißt, dass ich mich in diese große, sympathische Weltstadt mit Herz einleben darf, dass ich diese Stadt auch erkunden darf an meinen freien Tagen oder Nachmittagen und dass ich viel kennenlernen kann und darf. Was mir besonders gut gefällt ist die Internationalität. Es ist schön zu sehen wie die Besucher aus aller Herren Länder nach München kommen, zu sehen hier trifft sich die Welt. Hier spürt man es ist eine Weltstadt und das Herz schlägt wirklich international.

MKN: Viel Zeit für Freizeit wird Ihnen vermutlich in dieser Doppelfunktion nicht bleiben, aber wenn Sie doch mal Freizeit haben, was machen Sie denn dann?

Platschek: Es steht, wie gesagt, die Stadt erkunden auf dem Programm und natürlich Spaziergänge mit Benni an der Isar. Da werden sich einige schöne Wege finden lassen und da geschieht bei mir auch das Abstand gewinnen und verarbeiten von Dingen, nachdenken über dieses und jenes, Pläne entwickeln, Konzepte andenken. Die Zeiten, die ich mit meinem Hund unterwegs verbringen darf sind immer sehr produktiv.

MKN: Dann toi, toi, toi!

Interview: Florian Ertl


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