Leben von Carlos Benede verfilmt Der Opferschutzkommissar und seine Söhne

11.12.2017

In einem ZDF-Film am Montagabend geht es um den Münchner Ex-Kommissar Carlos Benede. Dieser hat zwei Jungen adoptiert, die jeweils erleben mussten, wie der Vater die Mutter tötet. Im Münchner Kirchenradio können Sie von Benede mehr über seine außergewöhnliche Lebensgeschichte erfahren.

Carlos Benede
Carlos Benede

München – Der Münchner Opferschutzkommissar Carlos Benede wird hinzugezogen, wenn Kinder oder Jugendliche Zeugen eines Mordes oder einer schweren Straftat wurden. Als ihm eines Nachts der elfjährige Alexander gebracht wird, dessen Mutter von ihrem Ehemann erstochen wurde, kümmert er sich als Betreuer um das schwer traumatisierte Kind.

In dem Familiendrama "Der Polizist, der Mord und das Kind" erzählen Dorothee Schön (Drehbuch) und Johannes Fabrick (Regie) nach Benedes wahrer Lebensgeschichte das Schicksal eines Polizisten und seiner Schützlinge. Das ZDF strahlt den Film am 11. Dezember um 20.15 Uhr aus. In der Mediathek kann man ihn bereits jetzt anschauen.

Im katholischen Kinderheim aufgewachsen

Der echte Carlos Benede ist ein dunkelhäutiger Polizeikommissar mit bayrischem Akzent und ein "echtes Mannsbild", wie man in Bayern sagt. Der Sohn einer spanischen Gastarbeiterin und eines unbekannten Vaters wuchs in einem katholischen Kinderheim auf. Er erinnert sich gern daran und hat noch immer beste Kontakte zu den Nonnen. 2012 gründete er in Dachau mit ehemaligen Polizeikollegen und Rechtsanwälten ein Heim für schwer vermittelbare Jugendliche, in dem heute etwa 20 Jungen leben. Benede hat inzwischen seinen Polizeiberuf aufgegeben, um das Heim zu führen.

Im Januar 2017 dokumentierte Benede seine außergewöhnliche Geschichte in der Sendung "Lebenslinien" des Bayerischen Rundfunks. Drehbuchautorin Dorothee Schön und Regisseur Johannes Fabrick haben schon in dem preisgekrönten Familiendrama "Der letzte schöne Tag" zusammengearbeitet. Sie entwickelten die Lebensgeschichten von Carlos und Alexander Benede zu einem Spielfilm weiter, der eng an die Erzählungen des Polizisten angelehnt ist.

Ein ausführliches Interview mit Carlos Benede über sein außergewöhnliches Familienleben hören Sie in der Sendung "Hauptsache Mensch" am Montag um 22 Uhr im Münchner Kirchenradio. Unter diesem Artikel finden Sie auch den Podcast zur Sendung.

Alexander, genannt Alex (gespielt von Moshio Marlon), fasst allmählich Vertrauen zu seinem Betreuer Carlos Benede (Matthias Koeberlin). Nicht nur, weil dieser ihn mit Blaulicht zur Eisdiele fährt, sondern weil er selbst ein ehemaliges Heimkind ist. Benede hat Glück, im zuständigen Jugendamt auf einen Beamten zu treffen, der unkonventionelle Wege geht. Dieser fragt den alleinstehenden Polizisten eines Tages, ob er sich vorstellen könne, Alexander in Pflege zu nehmen. Benede nimmt die Aufgabe, sich verantwortlich um ein Kind zu kümmern, sehr ernst, und stimmt zu. Er trennt sich sogar von seiner Freundin, zu der Alex ein gespanntes Verhältnis hat, und hofft, Beruf und Vaterrolle schon irgendwie vereinbaren zu können.

Im Lauf der Zeit entwickelt sich aus der Pflegschaft eine Adoption. Vater und Adoptivsohn haben es nicht immer leicht miteinander, besonders in der Pubertät. Alex hat Alpträume, eckt in der Schule an und befürchtet, gewalttätig wie sein leiblicher Vater zu werden. Einige Zeit später, Alex ist inzwischen 18 (nun dargestellt von Vincent zur Linden), ruft die Kripo wieder mitten in der Nacht bei Opferschutzkommissar Benede an. Er soll sich um einen vierjährigen Jungen kümmern, der miterleben musste, wie der Vater die Mutter mit Benzin übergoss und anzündete. Benede fragt seinen Adoptivsohn, ob er einverstanden sei, das Kind aufzunehmen. Zu seiner Überraschung erlebt er einen ganz neuen Alex.

Fesselnde Story

Schön und Fabrick haben einen berührenden Film gedreht, dessen Geschichte sofort in Bann zieht. Dass sie auf Tatsachen beruht, wagt man kaum zu glauben und ertappt sich immer wieder dabei, schon in der nächsten Szene eine Katastrophe zu erwarten. Doch der Film ist trotz des Titels kein Krimi. Er erzählt von vielen überzeugenden und oft als "Gutmenschen" verunglimpften Mitbürgern, die sich respektvoll und verantwortlich um ihre Schützlinge kümmern.

Unbeantwortet bleibt nur die Frage, warum trotz enger Anlehnung an die wahre Geschichte in Buch und Film aus dem bayrischen Tatmenschen mit Migrationshintergrund Benede ein sensibler - von Matthias Koeberlin sehr überzeugend gespielter - weißer Münchner Polizist wurde. Dennoch ist Schön und Fabrick ein wohltuender Film gelungen, der über die Vorweihnachtszeit hinaus trägt. Er macht Hoffnung, dass die Welt doch besser ist als oft vermutet. (Heide-Marie Göbbel/KNA/SMB)

Audio

Carlos Benede im Interview bei "Hauptsache Mensch"

Datei herunterladen


Das könnte Sie auch interessieren

© Imago/BSIP/159368817

"Spenderkind" Miriam Es ist ein Grundrecht, seine Herkunft zu kennen

Mit 30 Jahren erfährt Miriam, dass sie mittels Samenspende gezeugt wurde. Seitdem versucht sie, ihren biologischen Vater zu finden. Sie ist sogar vor Gericht gezogen, um den Namen zu erfahren.

19.03.2018

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann beim Polizeigottesdienst in Sankt Matthäus in München
© Kiderle

Bayerischer Innenminister bei Polizeigottesdienst Herrmann: „Kirche und Polizei teilen die gleichen Werte“

Jedes Jahr feiert die bayerische Polizei ihren Schutzpatron, den heiligen Sebastian, mit einem Gottesdienst. Bayerns Innenminister Herrmann verwies dabei auf den gemeinsamen Dienst am Nächsten von...

19.01.2018

© SMB/Schlaug

Joseph Vilsmaier "Bayern sagenhaft" ist ein Herzensprojekt

Der Regisseur und Produzent hat vier Jahre an seinem neuen Film gedreht. Dabei herausgekommen ist eine liebevolle Hommage an seine bayrische Heimat.

23.10.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren