Die Schweizergarde stockt auf Der Papst braucht neue Söldner

07.05.2018

Wachsende Aufgaben, höhere Sicherheitsanforderungen - die Schutztruppe des Papstes braucht mehr Personal.

Die Anforderungen an die Gardisten: Nächstenliebe, Demut und Verzicht.
Die Anforderungen an die Gardisten: Nächstenliebe, Demut und Verzicht. © imago

Vatikanstadt – Noch kann der Papst ruhig schlafen. 32 junge Schweizer schworen am Wochenende, die Hand auf der Gardefahne, dem Kirchenoberhaupt und seinen rechtmäßigen Nachfolgern "treu, redlich und ehrenhaft zu dienen" und, "wenn es erheischt sein sollte", selbst das Leben für sie hinzugeben. Eine prunkvolle Zeremonie in blitzenden Rüstungen im Hof des Apostolischen Palasts, feierlich untermalt von Trommeln und Pfeifen, dem gekonnten Spiel des Gardemusikkorps und sogar drei Alphörnern.

Personelle Engpässe

Dabei hat das traditionelle Datum der Vereidigung, der 6. Mai, einen bitteren Hintergrund: An jenem Tag im Jahr 1527 fielen bei der Verteidigung gegen die Landsknechte Karls V. 147 päpstliche Soldaten; 42 überlebten. Es war der schwerste Aderlass der Schweizergarde. Heute, wenngleich nicht unter so dramatischen Umständen, steht sie wieder vor personellen Engpässen.

Gründe sind nicht nur geburtenschwachere Jahrgänge in der Schweiz, sondern auch die heimische Armeereform. Die Schweiz reduzierte ihre Truppenstärke massiv und baute die Rekrutenausbildung um - mit Auswirkungen auf den Kandidatenpool der päpstlichen Garde, für die der Abschluss einer Schweizer Rekrutenschule Bewerbungsvoraussetzung ist.

Visitenkarte für die Schweiz

Hinzu kommt, dass sich immer weniger junge Schweizer mit der katholischen Kirche identifizieren. Eine Realität nennt es Gardekommandant Christoph Graf, dass viele von denen, die den Papst schützen sollen, den christlichen Glauben nicht eben mit der Muttermilch eingesogen habe. "Wenn wir nur Gardisten wollten, die jeden Sonntag zur Messe gehen, könnte die Garde nicht existieren", so sein Fazit.

Da klingt es wie eine gute Nachricht, wenn Nationalratspräsident Dominique de Buman als höchster politischer Repräsentant der Schweiz sich am Rand der Vereidigung für mehr Schützenhilfe für die Garde ausspricht. Auch wenn es sich um "die Armee eines eigenständigen Staats" handle, sei sie doch "eine Visitenkarte für die Schweiz"; stärker als ihr katholisches Profil sei ihr Symbolwert als Institution, die dem Frieden diene.

Die Einsatzzeiten für die Schweizergarde haben unter Papst Franziskus zugenommen.
Die Einsatzzeiten für die Schweizergarde haben unter Papst Franziskus zugenommen. © imago

Schweizergarde rüstet auf

Kurz: Die Eidgenossenschaft täte aus Sicht de Bumans gut daran, sich für den Glanz, der von der Schweizergarde auf sie fällt, erkenntlich zu zeigen, etwa durch die Anerkennung als offizielles Militärkorps. Auch materielle Hilfe scheint er zu erwägen. "Eine großzügigere Unterstützung wäre nicht überflüssig", sagt de Buman - angesichts der konfessionellen und staatskirchenrechtlichen Vielfalt der Schweiz ein bemerkenswerter Rückhalt für die Papsttruppe.

Und während die Schweizer Armee seit Jahren abrüstet, rüstet die Schweizergarde auf: Von 110 auf 135 Mann soll die Truppenstärke erhöht werden, nachdem es erst im Jahr 2000 eine Aufstockung um zehn Mann gegeben hatte. Eigentlich Grund zur Freude für den Gardekommandanten, aber Graf schaute sorgenvoll bis säuerlich, als er die Nachricht am Wochenende verkündete. Der personelle Ausbau werde Monate dauern.

Einsatzzeiten haben unter Papst Franziskus zugenommen

Dabei sind die Dienstpläne schon jetzt ein knappes Wams. Einsatzposten und -zeiten haben unter Franziskus zugenommen, hinzu kommen gestiegene Sicherheitsanforderungen, wie Gardesprecher Urs Breitenmoser erklärt. Mehr Arbeit bringt nicht nur das Wacheschieben vor Santa Marta, der Papstresidenz, sondern etwa auch die neue, rund um die Uhr besetzte Einsatzzentrale und eine stärkere Einbindung in päpstliche Aktivitäten.

So war es laut Breitenmoser der Wunsch von Franziskus, dass die Schweizer bei Reisen im In- und Ausland sowie bei der Sicherheitsplanung im Vorfeld stärker präsent sind. Früher war dies teils eine Domäne der Gendarmerie, des päpstlichen Polizeikorps. Die Einheiten galten als rivalisierend; inzwischen treten sie außerhalb des Vatikanstaats gemeinsam als "Sicurezza Vaticana" auf.

Nächstenliebe, Demut und Verzicht

Bei der Vereidigung sprach Kommandant Graf von den Anforderungen an Gardisten: Nächstenliebe, Demut und Verzicht. "Was den meisten zu schaffen macht, ist der Verzicht." Vielleicht dachte da mancher an den Sold von 1.500 Euro und die Kaserne, in der er 26 Monate seines jungen Lebens verbringt. "Dienen darf kein Zwang sein, dienen ist eine Angelegenheit des Herzens", sagte Graf noch. Und zitierte ein Wort von Mutter Teresa: "Die Frucht des Dienens ist der Frieden." (kna)


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