100. Geburtstag Johannes Pauls II. am 18. Mai Der Pontifex unter Intellektuellen

14.05.2020

Dem Jahrhundertpapst aus Polen waren Begegnung mit Künstlern und Publizisten besonders wichtig. Eine solche Begegnung gab es auch 1980 im Münchner Herkulessaal.

München macht gute Laune, auch bei Johannes Paul II., hier bei seinem Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt 1980.
München macht gute Laune, auch bei Johannes Paul II., hier bei seinem Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt 1980. © Imago/Sammy Minkoff

München – Noch in der Nacht vom 18. auf den 19. November waren im Herkulessaal der Münchner Residenz die letzten Sitzreihen abmontiert worden. „Sonst hätten wir die 3000 eingeladenen Gäste gar nicht untergebracht“, erzählt Armin Riedel. Er war damals im Planungsstab der Katholischen Akademie in Bayern, die diesen riesigen Empfang für Künstler und Publizisten organisierten. Der spätere Literaturnobelpreisträger Günter Grass war genauso eingeladen wie der Kabarettist Dieter Hildebrandt, dazu kamen die Chefredakteure großer Zeitungen und Zeitschriften: „Es war praktisch das Who is who der Künste und der Medien“, erinnert sich Riedel, der 38 Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Studienleiter in der Katholischen Akademie tätig war. Während seines ganzen Berufslebens ist er immer wieder auf diesen Nachmittag im Herkulessaal angesprochen worden. „Das hat manchmal den ersten Kontakt erleichtert, wenn wir prominente Gäste einladen wollten und die gleich sagten, dass sie sich noch gut an die Begegnung mit dem Papst 1980 erinnern.“

Den Papst einmal aus der Nähe erleben

Johannes Paul II. hat damals im Münchner Herkulessaal über das Verhältnis von Kirche und Kunst gesprochen. Den Zuhörern war klar, dass hier ein Papst sprach, der selbst einmal Theater gespielt hatte ein begabter Schriftsteller war und die Unabhängigkeit der Kunst verteidigte. „Diese Autonomie ist recht verstanden kein Protest gegen Gott oder die gegen die Aussagen des christlichen Glaubens; sie ist vielmehr der Ausdruck dessen, dass die Welt Gottes eigene in die Freiheit entlassene Schöpfung ist, dem Menschen zur Kultur und Verantwortung übergeben und anvertraut“, zitiert die Münchner Kirchenzeitung vom November 1980 aus der Rede Johannes Pauls II.

Der Pontifex aus Polen war damals gerade einmal zwei Jahre im Amt und viele Journalisten und Kulturschaffende wollten diesen jugendlichen Papst einmal aus der Nähe erleben: „Wir haben sehr breit eingeladen, auch Menschen über den christlichen Bereich hinaus, die der Kirche mit kritischer Distanz oder sogar Misstrauen und Ablehnung gegenüberstanden“, so Armin Riedel. Das hat der einladenden Katholischen Akademie und Johannes Paul II. einiges Ansehen verschafft, der sich auf diese Begegnung einließ: „Die Gäste fühlten sich ernst genommen.“

Der Menschenfänger Johannes Paul II.

Armin Riedel hat bis heute die „Nahbarkeit und den Charme des Papstes, der gleichzeitig respektgebietend war“ vor Augen.  Dem Knabenchor auf der Bühne konnte er sich genauso spontan und herzlich zuwenden wie dem damaligen Chef des Hauses Wittelsbach, Herzog Albrecht von Bayern. Es herrschte während der gesamten eineinhalb Stunden „gespannte Aufmerksamkeit“, obwohl die Gäste durchgehend stehen mussten, Sitzplätze gab es so gut wie keine. Anschließend unterhielten sich die Eingeladenen noch lange intensiv untereinander „in dem Bewusstsein, dass man sich in dieser Weise im Leben nicht noch einmal begegnen würde“, berichtet Armin Riedel.

Der Menschenfänger Johannes Paul II. hatte wie so oft die Herzen der Zuhörer gefangen genommen. „Wir hatten nicht erwartet, dass jemand deshalb bekehrt nach Hause geht, aber es war doch die Stimmung zu spüren: es hat sich gelohnt diesem Papst zuzuhören“, Johannes Paul II. konnte vor Künstlern und Intellektuellen deutlich machen, „dass die Kirche Stellenwert hat in der Welt“, so der heute 73jährige ehemalige Studienleiter an der Katholischen Akademie, der diese Begegnung mit vorbereitet hatte. „Es war eine ermutigende Erfahrung“, die Armin Riedel bis heute nicht vergessen hat.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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