Kirche St. Clemens Der Schatz im Wald

15.09.2017

Idylle pur! Ein paar Schritte durchs Dickicht, dann ragt zwischen den Bäumen majästetisch eine Kirche auf: St. Clemens hat eine spannende Geschichte.

Idyll pur: St. Clemens in Oberberghausen.
Idylle pur: St. Clemens in Oberberghausen © SMB/Basso-Ricci

Oberberghausen - Wer glaubt, Riesenmammutbäume wachsen nur in Kalifornien, der täuscht sich. Denn gleich hinter Freising geht es nach Nordamerika. Zumindest im dortigen Waldgebiet, in dem schon seit dem 19. Jahrhundert exotische Baumarten angepflanzt werden. Neuerdings kann man sie im modern-didaktisch aufbereiteten „Weltwald“ der Bayerischen Staatsforste bewundern. Er widmet verschiedenen Kontinenten jeweils ein Areal, darunter auch Nordamerika. Während man dort an Hemlocktannen und Tulpenbäumen vorbeischlendert, stößt man aber noch auf andere Schätze. Ein alter Brunnen steht versteckt im Gebüsch. Bald lugt aus dem Dickicht ein ehemaliges Waldhüter-Häuschen hervor. Und dann ragt sie zwischen den Bäumen majestätisch auf: die Kirche St. Clemens.

Ein verwunschener Friedhof

„Es ist ein Idyll hier“, beschreibt es Bernhard Käsbauer treffend. Der Bauunternehmer ist Vorsitzender des Vereins, der sich um den Erhalt und die Gottesdienste in der kleinen Kirche romanischen Ursprungs kümmert, „die viele ins Herz geschlossen haben“. Einst war sie Mittelpunkt des Weilers Oberberghausen mit seinen vier Höfen. Die Bauern gaben diese in den 1880er Jahren auf, als im Wald eine Weidenplantage angelegt wurde. Die Gebäude wurden bis auf wenige Relikte abgerissen. Nur auf dem verwunschenen kleinen Friedhof, der die Kirche umgibt, kann man zwischen Farnen auf den schmiedeeisernen Kreuzen noch die Namen derer lesen, die hier lebten.

Bernhard Käsbauer kümmert sich um die Waldkirche.
Bernhard Käsbauer kümmert sich um die Waldkirche. © SMB/Basso-Ricci

Auch St. Clemens sollte 1903 abgerissen werden. Dass dies nicht geschah, ist dem Realschulprofessor Georg Klebel aus Freising zu verdanken. Unter anderem gegen den Willen der Pfarrei Kranzberg, auf dessen Grund die Kirche steht, und des Ordinariats erstritt er den Erhalt des Gotteshauses.Viel Zeit und Geld hat dann auch der von ihm 1928 gegründete Verein zum Erhalt der Kirche in die Restaurierung des Gebäudes sowie der Friedhofsmauer und -kreuze gesteckt. Auch die Ausstattung musste teils ersetzt werden, denn die Kirche wurde zweimal geplündert. Jetzt im Herbst werden die Bänke für die Freiluftgottesdienste auf der Lichtung vor der Kirche erneuert. Danach geht es an die Sanierung der Fassade.

Durch Nordamerika nach Oberberghausen

„Ich genieße dieses Ensemble mitten im Wald, die Stille“, gibt Käsbauer zu. Die besondere Atmosphäre hat es ihm angetan. Auch wenn der 67-Jährige meint, dass er das Amt „geerbt“ habe, von seinem Schwiegervater, bis vor sieben Jahren stellvertretender Vorsitzender. „Und heute bringe ich meinen Enkel mit zu den Gottesdiensten“, erzählt Käsbauer freudig.Einmal im Monat wird in St. Clemens eine Messe gefeiert, früher meist von dem 2015 verstorbenen Moraltheologen Johannes Gründel, der in der Nähe wohnte. Diese Aufgabe hat nun auch jemand „geerbt“: Gründels Nachfolger an der Ludwig-Maximilians-Universität, Professor Christof Breitsameter. Am schönsten ist laut Käsbauer die Freiluftmesse am Ostermontag mit bis zu 800 Mitfeiernden. Oder der Gottesdienst am Weihnachtstag – wenn die Gläubigen abends mit Fackeln und Laternen mitten durch Nordamerika nach Oberberghausen ziehen, um die Geburt Christi zu feiern.

Der nächste Gottesdienst in St. Clemens wird am Sonntag, 17. September, um 10 Uhr gefeiert.

Die Autorin
Karin Basso-Ricci
Münchner Kirchenzeitung
k.basso-ricci@st-michaelsbund.de


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