Freisinger Domberg Der Siegerentwurf bleibt auf der Strecke - richtig so

10.12.2018

Auf dem Freisinger Domberg steht ein Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses an. Der zunächst geplante Entwurf wird aber nicht umgesetzt. Das ist bedauerlich und gleichzeitig richtig.

So wird es nicht aussehen: Der Siegerentwurf für das Kardinal-Döpfner Haus. © Kiderle/SMB

Ich hatte mir den Anblick schon ausgemalt: Vom Freisinger Bahnhof ist zu sehen, wie moderne Architektur den Domberg prägt und mitgestaltet. Zwei burgartige schlanke Blöcke mit roten Satteldächern, die vielen Fenster laufen oben in Dreiecken aus. Dazwischen eine große mehrgeschossige Glashalle, die beide Blöcke verbindet. Gerade in der Dunkelheit hätte der Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses ein phantastisches Bild geboten. Millionen Reisende wären mit diesem Eindruck auf dem Flughafen angekommen oder hätten ihn bei der Abreise mit nachhause genommen. Nicht umsonst stammt der allgemein gefeierte Siegerentwurf von dem weltweit renommierten Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner.Aber die Verwirklichung bleibt Phantasie. Denn das Erzbischöfliche Ordinariat hat sich dazu entschlossen, den Siegerentwurf nicht auszuführen.

Kreativität gegen Kosten

Denn, wie das so ist bei Architektur-Wettbewerben, trotz vorgegebenen Kostenrahmen sollen die Büros zuerst einmal ihrer Kreativität freien Raum lassen. Erst nach dem Entwurf kommt dann die genaue Planung. Die Gestaltung des Kardinal-Döpfner-Hauses nach Gerkan, Marg und Partner wäre ideal gewesen. Sie hätte die Offenheit der Bildungseinrichtung und des ganzen Dombergs vorzüglich symbolisiert. Eine Offenheit, die von einer festen und zuverlässigen Tradition eingerahmt wird. Ein Platz für unterschiedlichste Begegnungen und Diskussionen, ohne eigene Standpunkte zu verleugnen.
Vielleicht werden es unsere Nachfahren in fünfzig oder hundert Jahren bedauern, dass dieser Bau nicht realisiert wurde. Dass die Verantwortlichen im Jahr 2018 nicht den Mut hatten, diese Vision zu bauen, auch wenn sie viel teurer gewesen wäre als geplant.
Ja, mit dem Verzicht auf die Ausführung des Neubaus verpasst die Erzdiözese München und Freising eine vielleicht einmalige Gelegenheit, sich ein bedeutendes architektonisches Denkmal zu setzen. Aber es ist vernünftig und auch zeitgemäß, diese Chance nicht zu nutzen. Die Architekten hatten einen ungefähren Kostenrahmen von 44 Millionen Euro angegeben, die Erzdiözese eine Obergrenze von 53 Millionen gesetzt. Aber schon die ersten konkreten Planungen und Überprüfungen gehen von 94 Millionen aus. Das ist den besonderen Bedingungen der Baustelle auf dem Freisinger Domberg geschuldet: Sie ist nur schwer zugänglich, was die Baulogistik mit Kränen und Fahrzeugen enorm verteuert. Ebenso kostspielig sind die Fundamente und statischen Sicherungen, ganz abgesehen von den Auflagen des Denkmalschutzes für die danebenliegende Residenz aus dem 16. Jahrhundert.

Nie wieder Limburg

Die Verantwortlichen haben diese Eckdaten ernst genommen, ebenso die künftigen Unterhaltskosten des Siegerentwurfs. Denn die Glashalle will im Sommer gekühlt und im Winter beheizt sein. Der Verzicht ist ihnen sicher nicht leicht gefallen, denn die Pläne von Gerkan, Marg und Partner waren ein großer Wurf. Aber es hat sich die nüchterne Vernunft durchgesetzt.
Das muss nicht immer richtig sein, aber in diesem Fall ist es gut so. Denn natürlich schwebt über allen kirchlichen Baumaßnahmen seit ein paar Jahren das unausgesprochene Motto: „Nie wieder Limburg“. Das dortige Desaster beim Bau eines Bischofshauses steckt allen deutschen Diözesen mit Recht noch tief in den Knochen. Die Kritik wäre vernichtend gewesen, wenn das neue Kardinal-Döpfner-Hauses die jetzt kalkulierten Kosten nochmals überschritten hätte. Aber selbst wenn die 94 Millionen Euro gereicht hätten, wer wäre für die Differenz aufgekommen? Bei welchen anderen Projekten hätte drastisch gespart werden müssen?
Die Chef-Etage des Erzbischöflichen Ordinariats hat sich also klugerweise entschieden, einen Zug erst gar nicht aufs Gleis zu setzen, bei dem man ständig die Hand an der Notbremse halten müsste. Ein neues Kardinal-Döpfner-Haus wird trotzdem kommen. Auch wenn es eine Nummer kleiner und höchstwahrscheinlich nicht so spektakulär ausfällt. Das ist sehr schade, weil der visionäre Entwurf überzeugt hat. Aber wie hat es Finanzdirektor Markus Reif kurz und knapp zusammengefasst: „Da geht es uns wie vielen, die etwas schön finden, es sich aber nicht leisten können.“

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Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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