Päpstlicher Segen „Der Stadt und dem Erdkreis“

20.04.2019

Warum der Segen „Urbi et orbi“ für so viele Menschen auf der ganzen Welt wichtig ist, erklärt für uns der Autor, Filmproduzent und Medienmanager Martin Choroba.

Höhepunkt der römischen Osterfeierlichkeiten: Papst Franziskus spendet von der Loggia des Petersdoms den Segen „Urbi et orbi“.
Höhepunkt der römischen Osterfeierlichkeiten: Papst Franziskus spendet von der Loggia des Petersdoms den Segen „Urbi et orbi“. © imago/Ulmer

Als Film- und Fernsehproduzent versuche ich andere in der Kreativ-Wirtschaft für Geschichten zu begeistern und zu gewinnen, damit sie zustande kommen können und ein Publikum erreichen. Dabei ist es mir gerade auch als Katholik wichtig, diesen Geschichten Glaubwürdigkeit und Konstruktivität zu verleihen, um Angebote an das Denken und den Glauben der Menschen zu machen, auch wenn diese Geschichten menschliche Abgründe thematisieren.

Manchmal ist es nur ein Satz, der einen Anstoß gibt. „Urbi et orbi“ ist mehr als ein Satz – ein Segen, der jeden Menschen durch seine spirituelle Kraft einschließt, unabhängig von seinem persönlichen Glauben, seiner Herkunft und seiner Kultur. Einzigartig weltumspannend, gibt er ein konstruktives Zeichen, dass auch Unvorhergesehenes und Unkontrollierbares zu meistern ist und dass auf Schuld auch Gnade folgen kann. Entstanden ist „Urbi et orbi“ im 13. Jahrhundert. Damals mussten die Menschen direkt auf dem Petersplatz in Rom anwesend sein, um die Segnung empfangen zu können und von ihren Sünden erlöst zu werden.

Segen ist in seinem Wesen geblieben

Die Welt war enger als heute. Sie hat sich durch die Medien, durch neue Kommunikationsformen und -technologien verändert und vergrößert, der Segen aber ist in seinem Wesen geblieben, was er immer war: Vergebung, Gnade und Erlösung. Er hilft dem Menschen, seine Freiheit und Selbstbestimmtheit, aber auch seine Begrenztheit durch die Gegenwart Gottes stärkend anzunehmen. Darin mag vielleicht zugrunde liegen, dass so viele Menschen auf der ganzen Welt, in Rom, vor dem Fernseher, dem Radio oder im Internet, diesem Ritual tradiert, reflektiert oder auch unreflektiert beiwohnen. Eine Kirche, die sich immer wieder in schwierigen Zeiten weiß, ändert daran nichts. Im Gegenteil, denn sie empfängt diesen Segen selbst mit den Menschen, die in ihr wirken und die in ihr auf dem Weg sind. In diesem Sinne ist „Urbi et orbi“ ein segensreiches Ritual, zumal Glaube Rituale benötigt, um in der Gewohnheit der Menschen immer wieder einen außerordentlichen Platz einzunehmen.

Martin Choroba ist Autor, Filmproduzent und Medienmanager. Seit 2015 ist er Vorsitzender des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) in München sowie Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und des Diözesa
Martin Choroba ist Autor, Filmproduzent und Medienmanager. Seit 2015 ist er Vorsitzender des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) in München sowie Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und des Diözesanrates der Erzdiözese. © privat

Spirituelles Geheimnis

Auch dieses Jahr zum Osterfest wird der von Papst Franziskus gespendete Segen erneut Millionen von Menschen anziehen und damit die Kontinuität und Solidarität der Menschen untereinander stärken. „Urbi et orbi“ segnet die Stadt Rom und den Erdkreis, katholisch und in diesem Sinne allumfassend. Apostolisch, weil er nur durch den Papst gespendet werden kann oder in seinem Auftrag durch Kardinäle und Bischöfe. Zweimal im Jahr, zu Ostern und zu Weihnachten, oder zu Beginn eines neuen Pontifikats.

Ein spirituelles Geheimnis, gewiss, denn im Segen nimmt der Mensch Anteil an göttlicher Kraft und Gnade. Ein Ritual, das im saisonalen Zyklus, in Phasen der Gefahr, mindestens aber angesichts der Unsicherheit, nicht alles in Natur und Gesellschaft kontrollieren zu können, ein stärkendes Gefühl vermittelt. Manche mögen einwenden, dass dieser „Hokuspokus“ stets das „Opium“ für den unmündigen und unfreien Menschen ist, ein Anachronismus, der nicht in eine aufgeklärte und säkularisierte Gesellschaft passt. Was aber, wenn jene Säkularisation in ihrer Tiefe die Menschwerdung Gottes zu Tage fördert, wie der atheistische Religionsphilosoph Gianni Vattimo, der sich selbst als Katholiken bezeichnet, suggeriert?

Segensreiche Begegnungen suchen

In diesem Fall wäre es glaubwürdiger, unser Wissen wieder mehr unserem Glauben zu nähern, „credo ut intellegam“, „Glaube, um zu verstehen“, wie Anselm von Canterbury im zwölften Jahrhundert postulierte. Max Planck wiederum bekannte seine christliche Grundüberzeugung in dem Satz: „Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen.“

Wir haben gute Gründe, wie ich meine, stets segensreiche Begegnungen zu suchen. Zwischen uns Menschen und in unserer Kirche. Wir haben aber auch die Aufgabe, selbst segensreich zu wirken. „Urbi et orbi“ bestärkt uns auf diesem Weg. (Martin Choroba)

Der Ostergottesdienst mit Papst Franziskus und dem Segen „Urbi et orbi“ wird am Ostersonntag, 21. April, ab 10 Uhr in der ARD live aus Rom übertragen.


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