Petras Mann starb bei einem Motorradunfall „Der Tod hat uns nicht geschieden“

15.05.2018

Knapp drei Jahre nach der Trauung stand Petra wieder in ihrer Hochzeitskirche. Diesmal aus einem sehr traurigen Grund.

Petra hat ihren Mann vor 15 Jahren bei einem Motorradunfall verloren (Symbolfoto)
Petra hat ihren Mann vor 15 Jahren bei einem Motorradunfall verloren (Symbolfoto) © Sauletas-stock.adobe.com

Der junge Mann auf dem großen Foto in der Mitte der Bildercollage grinst so derartig, dass vollkommen klar ist, dass keine Minute nach dieser Aufnahme der Schnee in seinen Händen mitten im Gesicht des Fotografen landen wird. Die Aufnahme, gemacht irgendwo in den Ötztaler Alpen, zeigt Frank Kemmerich so, wie ihn Petra (Namen geändert, Symbolfoto) in Erinnerung hat. „Er war ein Kindskopf“, erzählt sie, einer, der nichts ausgelassen habe, wenn es darum ging, andere zum Lachen zu bringen. Was auf dem Foto nicht zu sehen ist: Das Schneeopfer hat sich umgehend gerächt und zusammen mit einem anderen Kumpel Frank die Hose runtergezogen, um darin eine nicht geringe Menge Schnee zu platzieren. „Frank war patschnass, aber das war ihm egal. Hauptsache Spaß“, lacht Petra und scheint beinahe wieder auf dieser Skitour zu sein, die nun schon 15 Jahre zurückliegt. Ein Vierteljahr später war Frank tot und auch daran erinnert sich Petra und sagt, dass sie den Tag, an dem die Polizei bei ihr geklingelt hat, wohl ihr ganzes Leben lang nicht vergessen wird.

Er war sofort tot

„Es war ein sonniger Tag, so einer, an dem man den Frühling riechen kann“, fängt die Frau mit dem frechen Kurzhaarschnitt ihren Bericht an. Frank war mit dem Motorrad zu einem Freund gefahren. Eine Strecke von gerade mal 20 Kilometern. Eine Strecke, lang genug, um den damals 35-Jährigen auf einer Ölspur aus einer Kurve zu tragen, ihn mit dem Kopf gegen einen Baum knallen zu lassen und ihm das Genick zu brechen. „Er war sofort tot, haben die beiden Beamten gesagt. Aber was das bedeutet, tot sein, das habe ich weder an diesem noch am nächsten Tag wirklich begriffen“, sagt die heute 45-jährige Frau und ihr Blick geht dabei ins Leere. Frank wurde Anfang April beerdigt. Der Gottesdienst für ihn fand in derselben Kirche statt, in der die beiden nicht einmal drei Jahre zuvor geheiratet hatten.

„Am liebsten wäre ich mittendrin rausgerannt“, berichtet Petra mit Tränen in den Augen. „Ich sah uns noch Hand in Hand vorne am Altar stehen. Wir waren glücklich und haben uns auf unsere Zukunft gefreut. Und, ganz ehrlich, über dieses ‚bis dass der Tod Euch scheidet‘ haben wir uns damals nicht wirklich Gedanken gemacht.“ Der Tod sei einfach kein Thema gewesen, an ihr Leben hätten sie gedacht, an das, was alles kommen würde: Hochzeitsreise, Studium beenden, Job und dann „natürlich Kinder“. „Einen ganzen Sack voll wollte Frank haben. Ich war mir über die Zahl noch nicht sicher, aber klar, Papa Frank und Mama Petra – das war der Plan“, sagt Petra und versucht dabei ein Lächeln, das ihr nicht gelingt.

Qualvoller Schmerz über den Verlust

Das erste halbe Jahr nach Franks Tod sei wie eine Nebelwanderung gewesen. Heute wisse sie nicht mehr, was in dieser Zeit eigentlich passiert sei. Freunde seien oft da gewesen, hätten getan, was sie konnten. Allerdings sei ihr das oft alles zu viel geworden und sie hätte sich in ihr Bett verkrochen, Musik gehört und so lange geweint, bis sie vor Erschöpfung eingeschlafen sei. „Weißt du“, versucht Petra zu erklären, „Frank, das war mein Leben, und jetzt, wo er nicht mehr da war, wusste ich mit meinem nichts mehr anzufangen.“ Der Schmerz über den Verlust sei so schlimm gewesen, dass sie manchmal gedacht habe, nur ihr eigener Tod könne sie von dieser Qual erlösen. „Nein, ich habe nie tatsächlich versucht, mir das Leben zu nehmen, aber darüber nachgedacht habe ich tausendmal.“

Zeit heilt keine Wunden

Petra hat sich durch die Nebelwand und den Schmerz gekämpft, professionelle Hilfe von einer Therapeutin bekommen, irgendwann ihr Studium, das sie nach Franks Tod auf Eis gelegt hatte, wieder aufgenommen und danach in einer Kanzlei als Rechtsanwältin zu arbeiten begonnen. „Ich lebe“, sagt sie heute und dreht dabei den kleinen goldenen Ehering an ihrer linken Hand hin und her, „aber es ist nicht das Leben, das ich wollte.“ Gern würde sie ja behaupten, dass die Zeit die Wunden geheilt hätte, aber das wäre eine Lüge. „Die Wunden verschwinden nämlich nicht, sie bleiben. Sie wachsen nur zu und reißen nicht mehr bei der kleinsten Berührung auf. Frank fehlt mir seit 15 Jahren und ich wüsste nicht, was sich daran in den nächsten 15 Jahren ändern sollte.“

Petra hat in ihrem Leben andere Männer kennengelernt. Auch die eine oder andere Beziehung habe sie gehabt. Allerdings sei nichts von Dauer dabei gewesen. Sie schließt nicht aus, dass sie sich vielleicht doch noch einmal verlieben können wird, aber eins steht für sie fest: „Bis der Tod uns scheidet, das war in unserem Fall falsch. Nichts hat uns geschieden. Frank ist mein Mann und er wird es immer bleiben.“

Die Autorin
Susanne Holzapfel
Münchner Kirchenzeitung
s.holzapfel@st-michaelsbund.de


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