Kardinal Marx am Karfreitag Der Tod Jesu: Keine Niederlage, sondern Sieg

10.04.2020

Den Tod als Sieg begreifen? Der Erzbischof von München und Freising erklärt in seiner Predigt, wie das möglich ist.

Kardinal Marx kniet vor dem Kreuz im Münchner Liebfrauendom
Kardinal Marx kniet vor dem Kreuz im Münchner Liebfrauendom © Screnshot/SMB

München – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat zum Eintreten gegen Unterdrückung und Gewalt aufgerufen. Die Botschaft vom gekreuzigten Gott sei für alle Christen eine Ermutigung und Kraftquelle für den "Einsatz für eine Zivilisation des Lebens und der Liebe", sagte der Erzbischof von München und Freising am Karfreitag im Münchner Liebfrauendom. Mit Bezug zur Corona-Pandemie ergänzte Marx, der Schutz des Lebens sei eine zentrale Aufgabe des Gemeinwesens. "Oft genug wird dann der Tod als eine Niederlage empfunden." In den Evangelien aber werde der Tod als Sieg beschrieben. Das sei ungeheuerlich und verstörend.

Täglich wird ein Gottesdienst aus der Sakramentskapelle des Münchner Liebfrauendoms live im Internet und im Radio übertragen. Die Live-Übertragung kann auf der Homepage des Erzbistums München und Freising abgerufen werden. Eine reine Tonübertragung ist zudem im Münchner Kirchenradio oder über das Digitalradio DAB+  zu hören. Alle Gottesdienste finden Sie auch auf youtube. Kardinal Marx wird außerdem an folgenden Tagen zelebrieren: Osternacht (21 Uhr) und Ostersonntag (10 Uhr).         

Für den Tod Jesu seien die politisch und religiös Mächtigen der damaligen Zeit verantwortlich, fügte der Kardinal an. Die Gefahr, dass Macht überzogen werde, um über andere zu herrschen, sei immer wieder da und bestehe in allen Religionen, Kulturen und Gemeinwesen. Indem Jesus deutlich mache, dass sein Leiden ein Leiden für alle Menschen und für die Versöhnung der Welt sei, werde der Tod Jesu zum Sieg. So durchkreuze Gott die Logik des Bösen, die "Logik der negativen Machtausübung, der Herrschaft der Gewalt, der Unterdrückung und der Sünde in der Welt, in der Politik, in der Kirche, in der Religion und auch in uns selbst". (kna)

Was begehen Christen am Karfreitag?

Karfreitag ist der Gedächtnistag der Kreuzigung Christi. Er erinnert an die Leidenszeit und den Tod Jesu Christi. Gottes Sohn ist an diesem Tag auf dem Hügel Golgota im heutigen Jerusalem am Kreuz gestorben. Hohepriester hatten ihn der Gotteslästerung angeklagt, woraufhin er vom römischen Statthalter Pontius Pilatus als Unruhestifter zum Tod am Kreuz verurteilt wurde. Dies war damals eine übliche Hinrichtungsmethode. Jesus nahm mit seinem Tod freiwillig die Sünden der Welt auf sich und ebnete so für die Menschen den Weg zu Gott und damit zum ewigen Leben. Dieser Tag ist in der katholischen Kirche neben dem Aschermittwoch einer von jährlich zwei strengen Fast- und Abstinenztagen. (sts)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Karwoche Corona - Pandemie

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