Spendensammlung Adventrufe Der Traum vom Platz für alle

23.12.2018

Die Portugiesin Flamiana wohnt mit ihrem Mann und den drei Töchtern in einer viel zu kleinen Wohnung in der Nähe von Dachau.

Reinigungskraft bei der Arbeit (Symbolbild)
Reinigungskraft bei der Arbeit (Symbolbild) © imago/Sven Simon

München – Mama Flaminia bringt einen Ordner mit unzähligen Briefen, Behördenschreiben und Kontoauszügen. Die 36-Jährige spricht mit Händen und Füßen, um zu erklären, was sie schon alles versucht hat, um eine größere Wohnung für ihre kleine Familie zu finden. Briefe an Vermieter, die Gemeinde, an das Landratsamt, an das Amt für Wohnen und Migration und vieles mehr. Die lebhafte Frau spricht portugiesisch. Ihre achtjährige Tochter Virginia übersetzt in perfektes Deutsch. „Wenn Mama weiter in den Sprachkurs geht, wird es sicher bald besser mit der Sprache“, erklärt die Grundschülerin. „Es gefällt mir gut in Deutschland, aber die Sprache fällt mir nicht leicht“, meint auch Virginias Schwester

Heimweh nach Portugal

Luteca, die gerade vom Arzt kommt, weil sie so starke Halsschmerzen hat. „Freunde finden ist schwer und mitbringen sowieso, weil es hier so beengt ist“, findet die 17-Jährige, die eine Mittelschule besucht und gerne Friseurin werden möchte. „Ich will Popstar oder Prinzessin werden“, unterbricht Wirbelwind Virginia die große Schwester. Luteca spricht still und unbeirrt weiter: Sie habe viel Heimweh nach Portugal, nach den Großeltern, nach Sonne, Wärme, Freunden und dem vertrauten Umfeld. „In den Ferien fahre ich immer wieder gerne zu Oma und Opa“, sagt sie noch, bevor sie in einem der Stockbetten verschwindet, die zusammen mit einem Schrank, einem Sofa und einem Mini-Tisch im Wohnraum stehen.

Prekäre Wohnverhältnisse

In einem Zimmer mit rund zehn Quadratmetern hält sich Familie Costa in ihrer Freizeit auf. Fünf Personen – wenn alle zuhause sind. Die Costas wohnen in einem kleinen Ort in der Nähe von Dachau. In einem Haus mit mehreren Wohnungen und zwei Gemeinschaftsküchen, das seine beste Zeit schon lange hinter sich hat. Die Zwei-Zimmer-Wohnung der Costas ist klein und in einem spartanischen Zustand. Geheizt wird mit Stromfressern wie Elektroheizungen. Der Nachtspeicherofen funktioniert nicht. Im kleinen Schlafzimmer sind Stockflecken zu erkennen. Der Garten ist verwildert, der Zaun kaputt.

Die günstige Miete tröstet nicht wirklich über die Zustände hinweg. „Leider können wir Kinder nicht draußen spielen. Es ist zu gefährlich für meine dreijährige Schwester Flajovania“, bedauert Virginia. Sie wünsche sich so sehr ein eigenes Zimmer mit der Kleinen, wiederholt die aufgeweckte Achtjährige gebetsmühlenartig. „In Portugal gibt es Häuser, aber keine Arbeit. In München gibt es Arbeit, aber keine Häuser“, bringt es Mutter Flaminia auf den Punkt. Virginia übersetzt. Wenn beide unsicher sind, rufen sie den Onkel an, der die Probleme der Familie ebenfalls vor allem im beengten Wohnraum sieht.

Adventrufe

In der Vorfreude auf Weihnachten und in den besinnlichen Stunden wird besonders deutlich, dass Krankheit, Armut und Schicksalsschläge selbst vor der „staaden Zeit“ nicht Halt machen. Die Münchner Kirchenzeitung stellt auch heuer wieder Menschen vor, mit denen es das Leben nicht immer gut gemeint hat. Um Familien, Frauen, Männern und Kindern in großen Notlagen gezielt helfen zu können, bitten Caritas und Münchner Kirchenzeitung auch dieses Jahr wieder um Spenden für die Aktion „Adventrufe“.

Wenn Sie helfen möchten, können Sie spenden unter dem Stichwort „Adventruf 2018“ auf folgendes Konto des Caritasverbandes der Erzdiözese bei der Liga-Bank München:
IBAN: DE 53 7509 0300 0002 2977 79
BiC: GENODEF1M05

Das jüngste Mädchen der Familie Costa wird von der Caritas-Frühförderstelle in Dachau betreut. Dort arbeiten derzeit 20 Fachkräfte mit über 200 Kindern im Alter von sieben Monaten bis zu fast sieben Jahren mit Entwicklungsauffälligkeiten und -verzögerungen. Seit diesem Jahr kommt Uta Neupert einmal pro Woche für bis zu anderthalb Stunden zu Besuch, um Flajovanias feinmotorische und sprachliche Fertigkeiten spielerisch zu fördern. „Ich bringe Spielsachen, Bastelzeug, Malstifte, Bücher und Puzzles mit und schon kann es losgehen“, erklärt die Heilpädagogin. „Zusammen müssen wir auch immer wieder Zeit aufwenden, um die Finanzierung der Frühförderung weiter zu beantragen.“

Wenig Geld trotz Arbeit

Für hochwertiges Spielzeug sei leider kein Geld vorhanden. Dabei sei es so wichtig, dass die Dreijährige bis zur Einschulung ihre Entwicklungsdefizite eingeholt habe. „Bislang spricht sie weder portugiesisch noch deutsch altersgerecht“, erläutert Neupert. Familie Costa wohnt seit 2015 in Dachau und ist fleißig. Papa Yoao arbeitet auch am Wochenende. Der 41-Jährige ist Reinigungskraft in einer Münchner Klinik. Die Mutter putzt sieben Tage die Woche jeden Spätnachmittag zwei Stunden in einer Metzgerei in der Stadt. In dieser Zeit passt die 17-Jährige auf die beiden kleinen Schwestern auf. „Ich sehe bei den Kindern viel Potential und gute Entwicklungen und auch die Eltern bemühen sich redlich.

Kulturelle Unterschiede und sprachliche Barrieren machen allerdings Behördengänge und Terminvereinbarungen schwierig und führen oftmals zu Missverständnissen“, erklärt Neupert. Deshalb wünsche sich die Familie auch sehnsüchtig jemanden, der portugiesisch oder spanisch spricht und ihnen ab und zu im Behörden-Dschungel zur Seite steht. „Ich spiele Klarinette und gehe ins Tanzen“, erzählt Virginia stolz. Dafür spare die Mutter, ergänzt die Caritas-Heilpädagogin. „Und ich wünsche mir einen Laptop für die Schule“, tönt es ganz leise aus der Ecke von Luteca, die für ihre Familie täglich viel Verantwortung übernimmt. (Marion Müller-Ranetsberger)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent Weihnachten

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