Streit um Freisinger Domberg Der Turm wird weichen

30.01.2018

Der Freisinger Stadtrat und das Erzbistum haben den monatelangen Streit um das Diözesanmuseum beendet.

Zankapfel zwischen Stadtrat und Kirche: Das Freisinger Diözesanmuseum, das aus Brandschutzgründen saniert werden muss. © SMB/Bierl

Freising - Das Oktogon, der achteckige Turm am historischen Bau des Freisinger Diözesanmuseums, soll abgerissen werden. Der Stadtrat stimmte in einer Sondersitzung mit 31 zu 5 Stimmen für den Plan zur Umgestaltung des Wahrzeichens der Stadt. Das Konzept sieht vor, dass bei der Sanierung des Diözesanmuseums neue Rettungs- und Lieferwege angelegt werden sollen. Deshalb muss der Turm weichen. Dieser Schritt sei beim derzeitigen Stand der Dinge unausweichlich, darauf wies unter anderem der Finanzdirektor des Erzbistums München und Freising, Markus Reif, hin. Das kirchliche Museum in Freising ist eines der größten seiner Art weltweit. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher zeigte sich nach der Sitzung im Gespräch mit dem Münchner Kirchenradio erleichtert: "Jetzt gibt es Planungssicherheit und wir haben die herausragende Bedeutung des Dombergs für unsere Stadt unterstrichen.“

Streit um den Turm

Dem aktuellen Beschluss im Stadtrat ging ein monatelanger Streit voraus. Im Oktober 2017 hatte der Stadtrat mit 20 zu 17 Stimmen gegen die Pläne der Diözese zum Umbau des Museums gestimmt. Obwohl das Landesamt für Denkmalpflege das Oktogon für „entbehrlich“ hielt, sah eine Mehrheit der Stadträte das anders. Zustimmung bekamen sie vom ehemaligen Freisinger Stadtheimatpfleger Norbert Zanker, der schon im Vorfeld der damaligen Stadtratssitzung den bayerischen Landtag eingeschaltet hatte. Während die CSU den Abriss des Turms empfahl, waren Freie Wähler, SPD und Grüne dagegen. Die Mehrheit des Stadtrats folgte der Empfehlung der Opposition. Ob der Beschluss des Stadtrates jedoch überhaupt rechtlich bindend war, ist bis heute umstritten. Schließlich hatten das Landratsamt und der zuständige Bauausschuss schon grünes Licht gegeben.

Verärgertes Erzbistum

Abgesehen von diesen juristischen Fragen zeigte sich die Erzdiözese damals verärgert, dass ihre Pläne für das Museum sowie für die Umgestaltung des Bildungszentrums Kardinal-Döpfner-Haus, das ebenfalls am Domberg beheimatet ist, abgeschmettert wurden. Die Kirche hatte sich ein klares Signal für die Umgestaltung des Dombergs gewünscht. Immerhin seien die Pläne seit zweieinhalb Jahren bekannt und die Investitionen würden sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen. Nötig geworden war die Renovierung des Museums, das nun seit Juli 2013 geschlossen ist, unter anderem aus Brandschutzgründen.
Besonders Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher war bemüht, zwischen den Fronten zu vermitteln. Ende 2017 beanstandete er den Beschluss des Stadtrats wegen der unsicheren Rechtslage und schaltete die Regierung von Oberbayern ein. Und die empfahl, den Antrag erneut zu diskutieren. Das passierte jetzt im großen Sitzungssaal des Freisinger Rathauses. Während der Diskussion wurde deutlich, dass die Meinungen immer noch auseinandergehen. Einige Stadträte monierten, dass sie kaum in die Planungen der Erzdiözese und des Landratsamts für Denkmalschutz eingebunden gewesen seien, weswegen sie im Oktober auch gegen den Bauantrag gestimmt hätten.

Letzlich Einigkeit

Dem widersprach Markus Reif, der Finanzdirektor der Diözese, vehement. Ihm sei kaum ein Projekt dieser Größenordnung bekannt, dass so transparent geplant worden sei. „Vielmehr stellte sich für uns die Frage, ob die Stadt noch ein verlässlicher Partner in dieser Frage ist“, so Reif. Daraufhin folgten empörte Proteste der Stadträte. Danach ging die Diskussion sachlich weiter. Zwar bedauerten die Meisten, dass das Oktogon dem neuen Konzept zum Opfer fällt, viele aber sprachen sich für die Investitionen der Diözese aus. Am Ende war das Abstimmungsergebnis deutlich. Tobias Eschenbacher begrüßte das. „Wir lernen daraus, dass bei den nächsten Projekten der Stand der Planungen noch deutlicher gemacht werden muss.“ Nun aber ist der Grundstein dafür gelegt, dass der Domberg auch weiterhin eine große Strahlkraft für die Erzdiözese und die Stadt Freising entwickeln kann.
Lukas Schöne


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