Impuls von Schwester Cosima Kiesner Der unbequeme Gott

15.09.2019

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum so viele von Gott nichts wissen wollen: Es wird unbequem, wenn man sich auf Ihn einlässt. Die es dennoch tun, erfahren: Gott fordert heraus und hilft, meint Schwester Cosima Kiesner.

Wer mit Gott unterwegs ist, muss mehr als die normalen Schwierigkeiten des Lebens tragen, meint Schwester Cosima Kiesner.
Wer mit Gott unterwegs ist, muss mehr als die normalen Schwierigkeiten des Lebens tragen, meint Schwester Cosima Kiesner. © Pugun & Photo Studio – stock.adobe.com

Der liebe Gott – hinter dieser kurzen, griffigen Aussage steht eine große Botschaft, die Botschaft von Gott, der die Menschen liebt. Der christliche Gott ist ein Gott, der heilt, der aus Schwierigkeiten herausholt, der sich um den Menschen kümmert, der Zukunft schenkt und vom Tod erlöst.

Belege dafür finde ich in der Bibel genügend: Da ruft Gott Abraham, beschenkt ihn mit Land und Reichtum und macht ihn zum Segen für viele. Da schickt Er starke Retter, die Sein Volk aus Bedrängnis befreien. Und vor allem in den Evangelien tritt mir diese Botschaft vom lieben Gott entgegen. Jesus wird nicht müde, zu verkünden, dass Gott unser Vater ist, der uns liebt, sich um uns kümmert und unser Heil wünscht und wirkt. Bezeugt wird diese Botschaft durch Wunder und Heilungen. Es ist also wahr: Gott ist ein lieber Gott; genauer wohl: ein liebender Gott.

Ich vermute, dass diese oft gepredigte Botschaft in den Köpfen von uns Menschen Erwartungen auslöst, die in der eigenen Lebensrealität einfach nicht erfüllt werden. Verknüpft sich mit der Vorstellung vom lieben Gott nicht allzu schnell die Erwartung, dass Gott, wenn Er uns doch so liebt, alle Schwierigkeiten und alles Leiden von uns fernhalten müsste? Und da Er das nicht tut, ist Er entweder nicht lieb oder Er ist nicht allmächtig oder es gibt Ihn nicht. So einfach ist das nach menschlicher Logik.

Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu.
Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu. © privat

Gott fordert heraus und hilft

Wenn ich aber in die Bibel schaue, dann kann ich diesen Zusammenhang zwischen Gottes Liebe und einem einfachen Leben nicht finden. Im Gegenteil. Bei Abraham lese ich von langen, mühsamen Wanderungen bis er das gelobte Land erreicht, von Gefährdungen und viel Geduld, bis er den Segen der nächsten Generation erlebt. Bei den Erzählungen von den Richtern und Propheten lese ich von Kampf und Unverständnis, von Unterdrückung und Exil. Und auch im Neuen Testament lese ich von den Aposteln, die ihre sicheren Berufe niederlegen, ihre Familien verlassen, Häme und Verfolgung erleiden. Das klingt nicht nach einem Leben frei von Schwierigkeiten. Im Blick auf Jesus wird es eindeutig: Wer mit Gott unterwegs ist, muss mehr als die normalen Schwierigkeiten des Lebens tragen. Er wird angefeindet, verleumdet, gefangen genommen, verurteilt, ans Kreuz genagelt. Ganz gleich, wohin ich schaue – von Abraham bis zu Jesus – ich finde viele Belege für einen sehr unbequemen Gott.

Vielleicht ist das ja der eigentliche Grund, warum so viele von Gott nichts wissen wollen. Es wird unbequem, wenn man sich auf Gott einlässt. Die aber, die es dennoch tun, erfahren beides: Gott fordert sie heraus und Gott hilft. Nur in Gott ist die große Geborgenheit und Zukunftsverheißung zu finden, die die Sehnsucht stillt. Ein Widerspruch liegt darin nicht. Gott ist beides: lieb und unbequem.


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