Ersatz für den Kirchenmusiker Der unsichtbare Organist

16.04.2018

In vielen Kirchengemeinden fehlen Organisten. Damit es in den Messen trotzdem Musik gibt, zu der die Menschen singen können, hat sich ein Ingenieur etwas einfallen lassen: Die Organola.

Die Organola in Aktion © smb/Würschinger

München ? Die Holzbänke knarzen, als sich in der Kapelle des Klinikums Neuwittelsbach Ärzte, Pfleger und Nonnen erheben und zum Gotteslob greifen. Sie orientieren sich an der Tafel neben dem Altar. „852“ steht darauf. Ein kurzes Rascheln, dann Stille. Als nach einigen Sekunden nichts passiert, verlässt Schwester Veneranda die Kirchbank und geht nach hinten, zur Orgel, wo noch ein Platz frei ist. Die Barmherzige Schwester des hl. Vinzenz von Paul ist zuständig für die Musik während der Messe. Sie spielt aber kein Instrument. Sie bedient ein buchgroßes elektronisches Gerät, das neben der Orgel steht. Auf dem Display erscheint „Möge die Straße uns zusammenführen“. Schwester Veneranda drückt den Abspielknopf, die Orgel erklingt und die Kirchenbesucher fangen an zu singen.

Der Klangeindruck in der Kapelle ist, als würde jemand die Orgel spielen. Tatsächlich wird sie auch gespielt, aber von der Organola: Eine Erfindung des schwäbischen Ingenieurs Klaus Holzapfel. Dabei handelt es sich um eine Apparatur, die die Finger eines Organisten mit Metallstiften nachahmt und so den natürlichen Klang der Orgel erzeugt.

Deutschlandweit mehr als 350 Gemeinden nutzen bereits eine Organola, weil kein Kirchenmusiker zur Verfügung steht. So wie die Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in ihrer Kapelle im Klinikum Neuwittelsbach. „Besser als ein Kirchenmusiker, der nicht so gut spielt“, scherzt Schwester Veneranda. Auch wenn sich die Organola manchmal nicht so bedienen lässt, wie sie soll. Denn eigentlich wäre die Ordensfrau für das Lied nicht extra zur Orgel nach hinten gegangen, sondern hätte bequem von der Kirchbank aus per Fernbedienung von Lied zu Lied geschaltet. Bevor im Gottesdienst die Musik aber komplett ausbleibt, erfüllt die orgelspielende Maschine ihren Zweck. Und die Gemeinde singt mit. (Ralph Würschinger)

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