Philippinische Gläubige in München Der Wunsch nach einer muttersprachigen Gemeinde

28.05.2020

Die Philippinin Velvet Tkocz lebt seit über 40 Jahren in Deutschland. Gegen das Heimweh helfen Musik und Gottesdienste in ihrer Muttersprache. Doch etwas fehlt.

Filipinos in München beim gemeinsamen Gottesdienst.
Musik darf bei den muttersprachlichen Gottesdiensten der Filipinos nicht fehlen. © Privat

„Die Gottesmutter Maria wird von Haus zu Haus gebracht. Die Figur bleibt eine Woche in einer Familie. Dort versammelt man sich am letzten Tag und betet gemeinsam“, erläutert Velvet Tkocz den philippinischen Brauch „Block Rosary“, den sie mit einer Gruppe anderer Filipinas eine Zeit lang in München praktizierte. Eigentlich gehöre eine Prozession von der einen zur anderen Adresse dazu, das war aber zu umständlich, da die Bewohner in unterschiedlichen Stadtteilen wohnten. 81 Prozent der Menschen auf den philippinischen Inseln sind römisch-katholisch.

Musik verbindet

Die Philippinin besuchte 10 Jahre eine Klosterschule. Noch heute bete sie jeden Tag den Rosenkranz. 1973 siedelte die Krankenschwester nach Deutschland über, 1982 nach München, wo sie Anfang 2000 per Zufall als Urlaubsvertretung zum Keyboardspielen nach St.Bonifaz kam. Dort feierte die Englischsprachige Katholische Gemeinde damals wie heute sonntags ihre Gottesdienste. Aus der Vertretung wurde mehr und die inzwischen 69-Jährige begleitet regelmäßig die Messen. Auch in der Bürgersaalkirche ist sie zu treffen, da dort am Sonntagnachmittag englischsprachige Gottesdienste stattfinden. Mit ihrem elektrischen Klavier begleitet sie eine Band bestehend aus einem Ägypter, einem Inder und wechselnden Studenten. Und eine Gruppe spanischer und philippinischer Kinder.

Einmal im Monat hat sie bis vor kurzem im Münchner Süden, in St. Hedwig, in die Tasten gegriffen. Dort fanden bis zum Abschied des Steyler Missionars Pater Ritchille Salinas SVD im Dezember 2019 Gottesdienste in philippinischer Sprache statt, welche sogar über die Grenzen Münchens hinaus bekannt waren, sodass sogar Gläubige aus Augsburg und Nürnberg kamen. „Wir waren manchmal über 60 Leute“, ergänzt die 51-jährige Filipina Theresa Schmid, Leiterin der Erwachsenenband, begeistert.

Sehnsucht nach der Heimat

Die beiden Frauen sind enttäuscht, dass es nicht wie in Hamburg oder Köln eine eigenständige Philippinische Katholische Pfarrei gibt. Es käme zwar wahrscheinlich ab Juli wieder ein neuer Steyler Missionar, ihr Wunsch sei jedoch, dass konstant jemand da wäre, es nicht nur einmal im Monat eine Messe gäbe und sie einen festen Ort für die gemeinsame Ausübung ihres Glauben mit anschließendem Beisammensein hätten.

Theresa Schmid identifiziert sich sehr mit der philippinischen Sprache und Kultur: „Ich vermisse ab und zu die Heimat. Nach einem Gottesdienst auf Philippinisch fühle ich mich wieder gut“, erklärt sie. Besonders begeistert ist sie von der Musik. „Die Leute auf den Philippinen singen sehr gerne und oft spontan“, erinnert sie sich. Überhaupt sei der Gesang ganz anders, mit viel mehr Stimmlagen und „sehr leidenschaftlich“. Sie nennt es „Singen mit den Herzen“. Die Gitarren sind dabei ein typisches Instrument und sie ist froh und stolz, dass ihr Sohn André dieses bei den gemeinsamen Messen spielt.

Sie findet es schade, dass er nicht die „unvergleichbare Stimmung“ zu Weihnachten erleben kann, mit den schönen Liedern, den vielen Gottesdiensten in aller Herrgottsfrüh schon Tage zuvor und den speziellen Süßigkeiten. Oder die Tradition der „Visita Iglesia“, bei der man auf den philippinischen Inseln eine Anzahl von Kirchen und ihre Karfreitagsgräber besuche und die Anbetung die ganze Nacht dauere.

Hilfe für Landsleute

Wie Velvet Tkocz ist sie Krankenschwester. In den letzten Jahren haben neben Pflegekräften auch viele Ingenieure die Philippinischen Inseln verlassen, um in der IT Branche in München zu arbeiten. Velvet Tkocz hilft diesen über eine Agentur bei organisatorischen Angelegenheiten wie bei der Anmeldung in München oder beim Unterschreiben von Verträgen. Außerdem sammelt sie Bettwäsche und Töpfe, denn oft haben sie „nicht einmal einen Reiskocher dabei“, erzählt sie.

Theresa Schmid hält die muttersprachlichen Gottesdienste in St. Hedwig mit dem anschließenden Beisammensein sehr wichtig für die Integration der Neuankömmlinge in München. Velvet Tkocz, die sich aus schon erwähnten Gründen auch eine eigene Philippinische Katholische Gemeinde wünscht, sieht es jedoch etwas pragmatischer, und sagt: „Egal welche Sprache, Gott ist immer da!“ (Karola Braun)


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