Gedenkstätte für das Olympia-Attentat 1972 Deshalb sind Orte der Erinnerung wichtig

06.09.2017

45 Jahre nach dem Attentat auf die Israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in München, gibt es jetzt einen Erinnerungsort für die Opfer. Notfallseelsorger Diakon Saur begrüßt das.

So wie auf dem Bild wurde der Entwurf der Architekten umgesetzt.
So wie auf dem Bild wurde der Entwurf der Architekten umgesetzt. © Brückner & Brückner Architekten Tirschenreuth/Würzburg

München – Viele wissen von dem Terror-Akt aus Berichten oder Filmen, andere werden sich noch selbst daran erinnern: Das Attentat auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Am 5. September, also vor 45 Jahren, stürmten Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisation Schwarzer September die Unterkunft der israelischen Mannschaft und nahmen elf Menschen als Geiseln – sie wurden noch am gleichen Tag getötet. Jetzt ist eine Gedenkstätte für den Anschlag eingeweiht worden.

„Aus meiner Sicht als Notfallseelsorger halte ich es für sehr sinnvoll, dass man für Situationen, die Menschen hochgradig traumatisiert haben, eine entsprechende Erinnerungsstätte einrichtet“, meint Diakon Hermann Saur, Leiter der Notfallseelsorge im Erzbistum München und Freising. Etwas spät sei es allerdings schon, so eine Gedenkstätte nach 45 Jahren einzurichten. Doch im Allgemeinen helfen Erinnerungsorte Menschen, das Geschehene zu verarbeiten.

Orte mit Symbolkraft

Zum Beispiel gibt es viele Gedenktafeln und Kreuze für Unfallopfer an Landstraßen, häufig mit Blumen geschmückt. „Das ist ja schon der Beweis dafür, dass es ganz tief in uns verwurzelt ist, dass wir solche Erinnerungsstätten brauchen“, betont Saur. „Das machen Menschen ohne eine Erlaubnis irgendwo an der Landstraße. Und das machen Staaten und Staatengemeinschaften bei großen Ereignissen.“

Diakon Hermann Saur ist Leiter der Notfallseelsorge im Erzbistum München und Freising.
Diakon Hermann Saur ist Leiter der Notfallseelsorge im Erzbistum München und Freising. © SMB

Denn die Zeit heilt eben nicht alle Wunden, wie eine alte Volksweisheit lautet. Sondern für die Betroffenen heißt es: einen schweren Weg gehen, das Geschehene akzeptieren und als Teil der eigenen Lebensgeschichte anerkennen, meint Diakon Saur. Dafür sei immer wieder das Erinnern wichtig: „Die Symbolkraft dieser Orte ist ja auch: Mir als Betroffenem wird auf diese Weise gesagt, die anderen Menschen haben das, was dir passiert ist, auch nicht vergessen und nehmen an deinem Schicksal teil“, betont der Seelsorger. „Dieses Mitgefühl ist etwas ganz anderes als die dummen Sätze wie ,Kopf hoch, wird schon wieder‘ oder ,du musst jetzt nach vorn schauen‘, sondern ,dieses Unglück hat dein Leben verändert‘.“

Die meisten Anwohner bejahen die Gedenkstätte

Diakon Saur war beim Olympia-Attentat noch Student und erinnert sich gut an die friedlichen Wettkämpfe. Über den Anschlag war er dann schockiert. Die meisten Anwohner im Olympiadorf begrüßen die neue Erinnerungsstätte. Äußerungen sind zu hören wie: „Ich finde das sehr gut. Das Attentat war ein großes Verbrechen, das man nicht vergessen sollte.“

An das Olympia-Attentat können sich jetzt Anwohner oder Besucher von München erinnern, auf dem Lindenhügel am Kohlemainenweg 11 im Olympiapark. Zwölf Tafeln sind zu sehen, mit den zwölf Lebensläufen der Opfer, der elf Geiseln und des deutschen Polizisten. (Eva-Maria Knappe)

Beim offiziellen Festakt am 6. September 2017 in der BMW Welt nahmen teil: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin, Oberbürgermeister Dieter Reiter und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer.


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