Hilfe in Krisen Deutlich mehr Menschen besuchen Beratungsstelle "Münchner Insel"

11.07.2019

Weit über 7.000 Besucher hatte die ökumenische Beratungstelle am Marienplatz. Es gibt dort keine Langezeit-oder Dauerberatung. Dahinter steckt eine bewusste Entscheidung.

Die "Münchner Insel" bieten in akuten Krisen spontane Gespräche an.
Die "Münchner Insel" bieten in akuten Krisen spontane Gespräche an. © naka - stock.adobe.com

München – Die ökumenische Beratungsstelle "Münchner Insel" war 2018 deutlich stärker gefragt als in den Vorjahren. Der Jahresbericht weist 7.776 Besucher aus, über 1.000 mehr als 2017. Die Nachfrage habe damit über den Werten der vorherigen vier Jahre gelegen. Zugenommen habe vor allem der Anteil von Menschen mit psychischen Problemen. Anteilig zurückgegangen seien dagegen Beratungen wegen finanzieller oder juristischer Probleme.

In mehreren Gesprächen seien die Berater auch mit dramatischen Schicksalen konfrontiert worden, heißt es. So seien Gäste der "Insel" Zeuge eines schweren Unfalls oder eines Suizids gewesen. "Andere wurden überfallen und vergewaltigt, fanden tote Angehörige, waren in ein Attentat oder ein Sonder-Einsatzkommando der Polizei verwickelt", schreibt Sybille Loew aus dem Leitungsteam.

Spontane Gespräche in akuten Krisen

Abgenommen hat in der "Münchner Insel" 2018 die Zahl der Langzeit- und Dauerbegleitungen. Dahinter verbirgt sich auch eine bewusste Entscheidung der Berater, die vor allem Menschen in akuten Krisen spontane Gespräche anbieten wollen. Dies sei ein "Alleinstellungsmerkmal" der Einrichtung in der bayerischen Landeshauptstadt, heißt es in dem Bericht. Nach eingehender Diskussion hat sich das "Insel"-Team außerdem gegen digitale Beratungsformen entschieden. Auch künftig will man das "Online-Geschäft" via Chat oder E-Mail anderen überlassen, etwa der Telefonseelsorge.

Die "Münchner Insel" wurde im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele und den U-Bahnbau 1972 im neu geschaffenen Zugangsbereich zu den Bahnsteigen am Marienplatz eingerichtet. Seither bietet sie im Zwischengeschoss des Verkehrsknotenpunkts Krisen- und Lebensberatung sowie Seelsorge an. Diese sind anonym, kostenfrei, ohne Anmeldung und Wartezeit. Träger sind die katholische und evangelische Kirche. (kna)

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