Foto-Ausstellung junger Flüchtlinge "Deutschland ist heute meine Heimat"

02.02.2015

Was bedeutet Heimat eigentlich für jugendliche Flüchtlinge? Damit beschäftigt sich eine Fotoausstellung, die derzeit in der Liga-Bank in der Münchner Luisenstraße zu sehen ist.

Fotograf Rodrigo Villeda und Dlkhwaz, der aus dem Irak stammt. (Bild: Sankt Michaelsbund/Schulte)

München - „Heimat ist für mich dort, wo niemand wegen seiner Religion, seiner Herkunft oder seiner Hautfarbe diskriminiert wird.“ So definiert der 19-jährige Dlkhwaz den Begriff „Heimat“ für sich. Dlkhwaz stammt aus dem Irak. Als Angehöriger der religiösen Minderheit der Jesiden wurden er und seine Familie dort von Islamisten terrorisiert und verfolgt. Als Dlkhwaz acht Jahre alt war, floh die Familie daher aus dem Irak. Nach sieben Jahre langer Flucht kamen sie schließlich nach Deutschland. Eine schwere Zeit für den damals 15-Jährigen, der sich ohne Deutschkenntnisse in der neuen Umgebung zunächst sehr fremd fühlte.

Heute geht es Dlkhwaz besser. Er hat die Sprache gelernt, Freunde gefunden und besucht die Schule in der Implerstraße. „Deutschland ist heute meine Heimat“, meint er. Dennoch sei auch seine alte Heimat, der Irak, immer noch Teil seiner Gedanken und seines Lebens. Wie Dlkhwaz geht es vielen jungen Flüchtlingen, die bereits mit dem Herzen in Deutschland angekommen sind. Andere suchen noch ihren Weg zwischen ihrem Herkunftsland und ihrem jetzigen Wohnort.

Freiheit und Heimat

Um die Jugendlichen darin zu unterstützen, einen solchen Weg für sich zu finden, hat der Caritasverband in der Erdiözese München und Freising im Rahmen seiner Schulsozialarbeit ein Fotoprojekt mit jungen Flüchtlingen und Migranten initiiert. Gemeinsam mit dem Fotografen Rodrigo Villeda und dem Schulsozialpädagogen Wolfgang Goß haben 30 Jugendliche Ideen entwickelt, wie sie ihre Gedanken zum Thema Heimat bildlich darstellen können. Danach haben sie sich von Rodrigo Villeda mit Dingen oder an Orten fotografieren lassen, die für sie Freiheit und Heimat bedeuten.

Neun dieser Bilder sind nun in der Ausstellung in der Luisenstraße zu sehen. Etwa von der 17-jährigen Jasira, die einen Fußball in die Kamera hält, da ihr das Fußballspiel als Mädchen im Irak verboten war. Oder von Dlkhwaz, der vor einer Wand steht, an der auf der einen Seite zerrissene Fotos mit verschiedenen Motiven, auf der anderen Seite ordentlich aufgehängte Buchseiten zu sehen sind – für ihn Symbole seiner Vergangenheit und seiner Zukunft. Nicht auf allen Bildern sind die Gesichter der Jugendlichen zu erkennen – einige verdecken ihr Gesicht mit einem Schulbuch oder ihren Händen, da sie selbst in Deutschland noch die Verfolgung aus dem Heimatland fürchten müssen.

Gewinn für Deutschland

Rund 40 Besucher nahmen an der Eröffnung der Fotoausstellung in der vergangenen Woche teil. Mit dabei waren unter anderem Thomas Schwind, Filialdirektor der LIGA Bank eG Filiale München, Klaus Weißbach, Vorstand des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising, die Stadtjugendamtschefin Maria Kurz-Adam, der stellvertretende Caritas-Geschäftsführer Johannes Mathes, der Schulsozialpädagoge Wolfgang Goß und die Leiterin des Alveni-Flüchtlingsdienstes der Caritas, Rosemarie Ghorbani. Mit Blick auf die Ausstellung betonte Ghorbani den Gewinn, den die jungen Flüchtlinge für ihre neue Heimat Deutschland bedeuten könnten. Häufig werde vor allem über die Kosten gesprochen, die etwa Unterbringung und Betreuung mit sich bringen würden. Viel zu wenig würden die Fähigkeiten beachtet, die die Jugendlichen in ihre neue Heimat miteinbringen könnten. „Die meisten der Jugendlichen haben einen unglaublichen Willen, sich hier ein gutes Leben aufzubauen und wertvolle Teile dieser Gesellschaft zu sein“, so Ghorbani. Darum sei es im Interesse aller, die Jugendlichen frühzeitig und ihren Bedürfnissen entsprechend zu unterstützen.

Die Besucher der Ausstellung zeigten sich von den Fotografien mehr als angetan. „Mich hat besonders der Stolz berührt, den man in den Augen der Jugendlichen sehen kann – das ist einfach ein wunderbares Zeichen der Hoffnung“, so Monika Wissel aus München. Der Münchner Georg Ledig war besonders von den Bildern beeindruckt, in denen die Jugendlichen ihr Gesicht verdecken. „Die Bilder haben mich sehr nachdenklich gemacht und mir viele Denkanstöße gegeben – insbesondere darüber, wie das Leben dieser Jugendlichen bisher verlaufen ist.“ (lms)

Die Ausstellung in der Liga-Bank ist noch bis zum 23. Februar während der regulären Öffnungszeiten zu sehen.


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