Umgang mit Rechtspopulismus Dialog und Argumente statt Parolen

06.08.2019

Berührungspunkte mit Rechtspopulisten kann es überall geben: im Verein, bei Elternabenden oder in der Pfarrei. Politikwissenschaftlerin Ina Schildbach rät dazu, sich einer Diskussion mit ihnen nicht zu verweigern.

Seit 2017 sitzt die AfD im Deutschen Bundestag.
Seit 2017 sitzt die AfD im Deutschen Bundestag. © Marco2811 - stock.adobe.com

München – Viele in Deutschland haben gehofft, dass rechtsnationale und rechtspopulistische Haltungen bei uns nicht mehr gesellschaftsfähig werden. Der neue Zuspruch für Rechtspopulisten und auch Studien beweisen: das war Wunschdenken. Politikwissenschaftlerin Ina Schildbach setzt sich täglich mit den Positionen von rechts auseinander und macht andere fit für die Debatte. Unterstützung dafür kommt nun von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die kürzlich eine Arbeitshilfe herausgegeben hat mit dem Titel „Populismus widerstehen“.

Schildbach begrüßt das Papier der Bischöfe: Die Arbeitshilfe gebe Rückendeckung für Engagierte und sorge dafür, dass das Thema auch auf der Ebene der Pfarreien ankomme. Die Kirche hat in dieser Debatte durchaus eine Rolle, glaubt sie: „Primär ist sie deswegen in der Verantwortung, weil ihre Werte und ihr Menschenbild unter Beschuss geraten.“

Ina Schildbach ist tätig am „Kompetenzzentrum für Demokratie und Menschenwürde“ bei der Stiftung Bildungszentrum im Kardinal-Döpfner-Haus, das vor anderthalb Jahren von den bayerischen Bischöfen gegründet wurde mit Standorten in Freising und Nürnberg. Die Frage, ob man mit Rechten reden, sich auseinandersetzen muss, beantwortet Schildbach klar mit „Ja“. „Wenn wir nicht reden, das heißt ja, dass wir die Menschen ausgrenzen und es heißt auch, dass wir sie verloren geben“, gibt sie zu bedenken.

Training hilft in der Debatte

Ina Schildbach und ihre Kollegen veranstalten unter anderem Vorträge, Argumentationstrainings, Lehrerfortbildungen zum Thema und können auch von Pfarrgemeinden angefordert werden. Berührungspunkte mit Rechtspopulisten kann es überall geben, im Verein, in der Pfarrei, bei Eltern von Klassenameraden. Natürlich kann jeder ganz intuitiv reagieren in einem Gespräch, doch Trainings helfen in der Debatte. „Wenn man die Argumentationsmuster kennt, kommt man deutlich weiter“, ist die Erfahrung der Politikwissenschaftlerin.

Zum Beispiel, wenn es um Hetze gegen Flüchtlinge geht. Ein Thema, das den Kern des christlichen Menschenbildes berührt, bei dem Populisten aber gut ihre Konstruktion von Nation entfalten können: „Sie gehen davon aus, dass Geflüchtete nicht Teil der Nation sind und es auch nicht werden können“, erklärt Schildbach. „Das ist der Punkt, wo man sagen kann: das greift einen christlichen Konsens an und insofern sind wir da auch gefordert für die Menschenwürde oder für die Gottesebenbildlichkeit einzutreten“, verdeutlicht die Expertin vom Demokratiezentrum und bewegt sich damit auch genau auf der Linie der DBK-Arbeitshilfe.

Sachlichkeit gefragt

In der Flüchtlings- und Integrationsarbeit entstehen Konflikte auch in Pfarrgemeinden, aber auch andere Themen fordern Debatten. So kennt Schildbach verschiedene Fälle, in denen farbige Priester nicht akzeptiert wurden. Und in katholischen Kitas gebe es häufig Streit um Mütter, die Kopftuch tragen, wenn sie ihre Kinder begleiten. „Hier kann es sinnvoll sein, wenn jemand von außen kommt, um Sachlichkeit in die Debatte zu bringen. Da kommt man mit Argumenten allein oft nicht weiter“, weiß sie aus Erfahrung. Das Kompetenzzentrum für Demokratie fungiert in solchen Fällen als Anlaufstelle und kann ausgebildete Berater vermitteln, die unterstützen.

In der persönlichen Debatte rät Politikwissenschaftlerin Schildbach dazu, Schwarz-Weiß-Denken zu vermeiden: “Nur weil jemand die EU kritisiert, deswegen muss er noch nicht Rechtspopulist sein, da müssen wir unterscheiden lernen und nicht vorschnell urteilen“. (gh)

Die Experten des Kompetenzzentrums können von Pfarrgemeinden auch angefordert werden für Veranstaltungen und Workshops vor Ort. Kontakt: Claudia Pfrang, Stiftung Bildungszentrum der Erzdiözese München und Freising, Tel. 08161/181-2176, suedbayern@kdm-bayern.de.


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