Jahr der Orgel Die alte barocke Dame in der Klosterkirche Fürstenfeldbruck

14.05.2021

Im Jahr der Orgel gilt es die schönsten Orgeln im Erzbistum München und Freising und ihre Organisten kennen zu lernen. Diesmal geht es um eines der bedeutendsten Denkmäler des barocken Orgelbaus in ganz Bayern.

Orgel in der Klosterkirche Fürstenfeldbruck
Die prachtvolle Orgel der Klosterkirche in Fürstenfeldbruck © Kiderle

Fürstenfeldbruck – Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit: Die Klosterkirche in Fürstenfeldbruck strahlt Erhabenheit aus mit ihrer filigranen Deckenbemalung, den goldenen Verzierungen und überlebensgroßen Heiligenstatuen. Darüber thront die nicht minder imponierende Orgel. Sie gilt als eine der größten in ganz Bayern – trotz ihrer bloß 27 Register – so nennen Organisten die einzelnen Klangfarben, die eine Orgel erzeugen kann – und zwei Manuale. Das liegt vor allem am beeindruckenden Prospekt, also der Schauseite der Orgel. Diesen ziert ein überdimensionales „M“ als Ehrerbietung gegenüber der Muttergottes, der Patronin dieser Kirche. Die apokalyptische Madonna, die einer Schlange den Kopf zertritt, bekrönt das Instrument.

 

Orgel mit Geschichte

Das Kloster und seine Orgel haben eine lange Geschichte: Im 13. Jahrhundert ließ Herzog Ludwig der Strenge seine Ehefrau auf den bloßen Verdacht der Untreue hin hinrichten. Als sich der Verdacht als unbegründet herausstellte, wies der Papst den Herrscher an, als Sühneleistung ein Kloster „auf des Fürsten Felde“ (später Fürstenfeldbruck) zu gründen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entschloss man sich dazu, das Kloster neu zu bauen. Der blaue Kurfürst Max Emmanuel wollte einen „bayerischen Escorial“ nach dem Vorbild des spanischen Klosterschlosses haben, deshalb ist die Klosterkirche der Zisterzienser so monumental und prachtvoll.

Von der 1629 erbauten Orgel sind elf Register erhalten geblieben, die der renommierte Orgelbauer Johann Georg Fux 1736 in den Neubau integrierte. Es ist die einzige noch existierende Fux-Orgel. Da das Instrument bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben ist, gilt es als eines der bedeutendsten Denkmäler des barocken Orgelbaus in ganz Bayern. Von den heute 27 Registern entstammen 21 noch der ursprünglichen Fux-Orgel, auch deren Registerschwerter, mit denen die Register gezogen werden, werden noch verwendet. Die Windladen konnten teilweise von der alten Orgel übernommen werden. Die Traktur verläuft rein mechanisch, lediglich der Windmotor und die Beleuchtung werden elektrisch betrieben.

Schwieriges Instrument

Christoph Hauser ist seit 2014 Organist und Chordirektor im Pfarrverband Fürstenfeld. Er sieht im Orgelspiel „eine essentielle Form der Verkündigung.“ Der Klang der Orgel faszinierte ihn bereits als kleiner Bub: Er wuchs im Schatten der Basilika Ottobeuren auf, wie er sagt, und ging mit seinen Eltern jeden Sonntag in die Kirche. Schon als Gymnasiast erhielt er Orgelunterricht beim Organisten der Basilika. Hauser studierte an der Münchner Musikhochschule und blieb seitdem in der Region: Zunächst wirkte er in St. Cäcilia und St. Johannes Bosco in Germering, bevor er vor sieben Jahren nach Fürstenfeldbruck wechselte.

Dort spielt er nicht nur in der Klosterkirche, sondern auch in der Pfarrkirche. Auf der dortigen Orgel lassen sich zwar deutlich mehr Stücke intonieren, aber „die alte Dame“, wie Hauser die Fux-Orgel scherzhaft nennt, habe einfach mehr Charme. Denn: Wer auf der Fux-Orgel spielen will, braucht einen kühlen Kopf, da das Instrument seine Organisten auf die Probe stellt: Im 17. Jahrhundert reichte die Tastatur nämlich nur bis zum dreigestrichenen C, während moderne Orgeln eine weitere Oktave umfassen. Außerdem fehlen in der tiefen Lage die schwarzen Tasten, was zum Beispiel die Orgelwerke Johann Sebastian Bachs weitgehend ausschließt. Mit etwas Einfallsreichtum und Können lassen sich jedoch zahlreiche Stücke adaptieren.

Lange Tradition

Die Fux-Orgel erlebte im Laufe der Jahrhunderte viele Restaurierungen, doch die aufwendigste erfolgte wohl 1977/78: Damals rekonstruierte die Orgelbaufirma Sandtner die Windanlage und ersetzte die fehlenden Streicherregister. Wie in der Barockzeit mancherorts üblich, war die Fux-Orgel einen Halbton höher als heute gestimmt. Bereits 1915 wurde der Kammerton a annähernd auf die heute gängigen a = 440 Hertz transponiert. Dazu wurden die Trakturen umgehängt.

Immer wieder demonstriert Hauser während unseres Gespräches die vielen Möglichkeiten, die die Fux-Orgel bietet, wechselt Register, intoniert und improvisiert. Man spürt seine Begeisterung für das historische Instrument. Er hofft, dieses auch bald wieder einem größeren Publikum präsentieren zu können. Schließlich haben die „Fürstenfelder Orgelmatineen“ eine über dreißigjährige Tradition, die derzeit durch die Corona-Pandemie unterbrochen ist. Nach dem Sonntagsgottesdienst erklingen um 12.15 Uhr eine halbe Stunde lang Orgelwerke. Viele Musikliebhaber kommen dazu extra nach Fürstenfeld und lassen das Konzert hinterher im nahen Biergarten ausklingen. Aber auch das ist momentan noch Zukunftsmusik.
(Maximilian Lemli, Volontär beim Michaelsbund)


Das könnte Sie auch interessieren

Barocke Freywis-Orgel in der Rottenbucher Pfarrkirche Mariae Geburt
© Wahl-Geiger

Historische Orgel in Rottenbuch saniert

Die Sanierung der barocken Freywis-Orgel scheiterte immer wieder an der Finanzierung. Doch eine historische Entdeckung änderte das. Nun erklingt die Orgel wieder.

22.10.2021

Orgel in der Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit Kolbermoor.
© Kiderle

Die weiße Königin

Im Jahr der Orgel gilt es, die schönsten Orgeln im Erzbistum München und Freising und ihre Organisten kennenzulernen. Diesmal geht es in die Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit in Kolbermoor.

18.10.2021

Außenansicht Dreifaltigkeitskirche München
© IMAGO / imagebroker

Dreifaltigkeitskirche dank Münchens erster Bürgerinitiative

Um München im Spanischen Erbfolgekrieg vor Plünderung zu schützen, gelobten die Münchner den Bau einer Kirche zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit - initiiert von einer Vision der Mystikerin...

21.05.2021

Turm der Heilig-Geist-Kirche in Rosenheim
© Bbb-Commons/wikipedia

Sanierung der Heilig-Geist-Kirche Rosenheim abgeschlossen

Knapp zwei Millionen Euro haben die Maßnahmen gekostet. Aussenfassade und Dachstuhl wurden saniert. Und auch die liturgische Ausstattung ist neu. Dier Kirchenraum ist nun flexibel nutzbar.

19.05.2021

Tobias Skuban hinter einer Orgel
© Götzfried

Tobias Skuban führt Medizin und Musik zusammen

Seit er 11 Jahre alt ist, sitzt Skuban jede freie Minute an der Orgel. Das Instrument hat es ihm angetan. Trotzdem entschied er sich zunächst gegen ein Musikstudium.

05.05.2021

Domorgel Liebfrauendom München
© Kiderle

Die größte Orgel Oberbayerns

Im Jahr der Orgel gilt es die schönsten Orgeln im Erzbistum München und Freising und ihre Organisten kennen zu lernen. Den Anfang macht das imposante Instrument im Münchner Liebfrauendom mit...

29.04.2021

Orgelempore in der spätbarocken Klosterkirche Schäftlarn.
© imago images / imagebroker

Jede Orgel ist ein Unikat

Die meisten Menschen verbinden die Orgel mit dem Gottesdienst. Doch sie hat viel mehr zu bieten. Kirchenmusikerin Sonja Kühler ist fasziniert von der „Königin der Instrumente“.

04.01.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren