Zum Tag der Arbeit Die Arbeit der Zukunft

01.05.2021

Wie verändern sich Arbeitswirklichkeiten durch fortschreitende Technologien? Was macht Homeoffice mit dem Verhältnis von Arbeit und Freizeit? KAB-Diözesanvorsitzende Evelyn Menges stellt eine Prognose aus christlicher Sicht auf.

Menschen in verschiedener Berufskleidung
Arbeitswirklichkeiten werden sich in Zukunft weiter stark verändern. © Rawpixel.com - stock.adobe.com

Im Christentum hat die Arbeit schon immer eine große Bedeutung. Zahlreiche Gleichnisse Jesu befassen sich mit der menschlichen Arbeit in einer damals landwirtschaftlich geprägten Welt. Benedikt von Nursia prägte im Frühmittelalter den Begriff „ora et labora“ und forderte den Einklang des Mönches zwischen Gebet und Arbeit. Dies ist ein uraltes Prinzip der Ausbalancierung von Arbeit und geistlichem Tun, oder von Arbeit und Nicht-Arbeit. Eine besondere christliche Ausprägung von Work-Life-Balance.

Veränderte Arbeitswirklichkeit 

Diese Balance ist dem Menschen im Laufe der Jahrhunderte nicht immer und überall geglückt. Die Arbeitswelt hat sich im Laufe der Geschichte grundlegend verändert. Das 21. Jahrhundert ist von Arbeit 4.0 geprägt und hat alles bisher Bekannte revolutioniert: Produktionsprozesse werden zunehmend miteinander vernetzt, wie beispielsweise die Robotik, autonomes Fahren, der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie Cloud-Anwendungen zeigen. Das Arbeitstempo erhöht sich drastisch. Mit Arbeit 4.0 verändert sich die Arbeitswirklichkeit von uns allen.

Durch unsere digitalen Devices (Geräte) und den Zugang zu Unternehmensdatenbanken per Cloud können wir von jedem Ort und zu jeder Zeit mit jedem arbeiten. Per Skype, Messengerdiensten und Zoom sind wir weltweit miteinander verbunden. Mobiles Arbeiten, Teilzeitarbeit, Homeoffice entwickeln sich zum zentralen Merkmal dieser neuen Arbeitswelt. Auswirkungen von Arbeit 4.0 spüren wir vor allem an der immer stärkeren Flexibilisierung der Arbeit und der Arbeitszeit. Die Digitalisierung führt auch dazu, dass Routineprozesse von künstlicher Intelligenz übernommen werden. Berufsbilder verschwinden, neue entstehen.

Starke Unterschiede

Dieser Fortschritt hat seinen Preis darin, dass sich die Arbeit in Zukunft noch weiter unterscheiden wird: Auf der einen Seite betreuungsintensive soziale und erzieherische Tätigkeiten wie im Krankenhaus, in der Pflege oder in der Bildung, die nach wie vor sehr stark nach dem klassischen Modell funktionieren und zu den typischen Tätigkeitsbereichen kirchlicher Einrichtungen zählen – die also mit einem hohen Bedarf an persönlicher Präsenz und emotionalem Einsatz sowie mit starren Arbeitszeiten verbunden sind. Auf der anderen Seite beispielsweise hochqualifizierte Tätigkeiten wie Programmierer, Data Scientists, Mobile Developer, Software-Entwickler oder Content-Manager.

Übergang von Arbeit zu Freizeit

Homeoffice ist nicht nur das Arbeiten von zu Hause aus. Durch die unmittelbare Verbindung von geschütztem privatem Raum und Arbeit ist der Übergang von Arbeit zu Freizeit vielfach fließend und lässt sich nicht abgrenzen. Im Homeoffice kann man die Arbeit nicht gedanklich zum Feierabend „zurücklassen“, weil es keine Bürotür gibt, die man hinter sich zumacht. Je nach Typus des Menschen werden die einen rund um die Uhr arbeiten, um ein Projekt fertigzustellen, die anderen vielleicht nicht in den richtigen Arbeitsrhythmus gelangen.

Noch immer wird das Homeoffice steuerrechtlich nur sehr eingeschränkt anerkannt, auch wenn der Küchentisch den Schreibtisch ersetzt. Fragen der Unfallversicherung innerhalb von Arbeitsunfällen im Homeoffice sind ungeklärt.

Neue Positionierung

Das benediktinische „ora et labora“ bedarf angesichts der veränderten Arbeitsbedingungen in Homeoffice und Arbeit 4.0 eine neue Positionierung. Soll der Mensch nicht dem hohen Arbeitstempo der digitalen Überwelt ausgeliefert werden, muss eine Rückbesinnung auf die Werte des menschlichen Seins erfolgen. Der in sich ruhende Mensch, der sich dem Hamsterrad der digitalisierten Umtriebigkeit entgegenstellt, darf nicht als der Faule betrachtet werden.

Hier kommt dem Schutz des Sonntags, auch und gerade bei Homeoffice und der Flexibilisierung der Arbeitszeit, eine besondere Bedeutung zu. „Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.“ (Gen 2,2). Diese biblische Botschaft des Ausruhens von der Arbeit darf nicht ins Hintertreffen gelangen, soll menschliches Leben glücken. Hier kommt insbesondere den Religionsgemeinschaften eine große Aufgabe zu.
(Evelyn Menges, Diözesanvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung München und Freising (KAB), Fachanwältin für Arbeitsrecht, Stadträtin und stellv. Fraktionsvorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion in München)


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