Jahresauftakt des Caritasverbands „Die Armen bestimmen die Agenda“

11.02.2019

Die Armen im Blick, nicht die Imagepflege - beim Jahresauftakt der Caritas in der Erzdiözese stellte Kardinal Marx die Bedeutung des Wohlfahrtsverbands für die Menschen heraus.

Kardinal Marx sprach im Truderinger Kulturzentrum vor 200 Führungskräften des Diözesan-Caritasverbandes.
Kardinal Marx sprach im Truderinger Kulturzentrum vor 200 Führungskräften des Diözesan-Caritasverbandes. © Kiderle

München – Unter den Missbrauchs- und Finanzskandalen in den vergangenen Wochen und Jahren hat das Image der katholischen Kirche in Deutschland kräftig gelitten. Hält man es mit der Kirche, verweist man in diesen Zeiten gern auf das soziale und caritative Engagement der Kirche – sprich die Caritas selbst. Nicht so Kardinal Reinhard Marx: „Die Caritas ist nicht dazu da, um das Image der Kirche oder des Bischofs aufzubessern, sondern damit den Armen geholfen wird.“ Diese Aussage kam gut an bei den rund 200 Führungskräften, die zum Spitzenverbandlichen Jahresauftakt des Caritasverbandes der Erzdiözese in das Kulturzentrum nach München-Trudering gekommen waren.

Dienst aus Überzeugung

In seinem Impulsreferat erklärte Kardinal Marx, dass er die Caritas in „seinem“ Erzbistum „natürlich positiv“ wahrnehme. Er dankte den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für ihren Einsatz und hob hervor, dass es wichtig sei, dass diese ihren Dienst aus Überzeugung tätigten. Kirche und der Caritasverband müssten die Rahmenbedingungen dafür schaffen, etwa in Form einer angemessenen Bezahlung der Mitarbeiter. Grundsätzlich gelte für den Wohlfahrtsverband: „Die Armen bestimmen die Agenda, das ist die Perspektive der Caritas.“

Der Journalist Wolfgang Küpper
Der Journalist Wolfgang Küpper © Kiderle

Gute Medienarbeit

Auf die Frage nach dem Image von Kirche und Caritas sagte der Erzbischof gegenüber der Münchner Kirchenzeitung: „Natürlich ist es wichtig, wenn die Kirche glaubwürdig Caritas übt. Wenn die Menschen, die in der Kirche sind, auch als Christen leben, dann hilft das der Glaubwürdigkeit der ganzen Gemeinschaft.“ Nur dürfe dieses Engagement eben nicht zum Selbstzweck verkommen, forderte Kardinal Marx.

Einen externen Impuls für den Caritasverband gab es in Person von Wolfgang Küpper, Leiter der Redaktion Religion und Orientierung beim Bayerischen Rundfunk. Der Journalist bescheinigt dem Verband auf allen Ebenen eine „gute Medienarbeit“. Mit vielen Pressemitteilungen setze die Caritas wichtige Standpunkte und Themen, die in seinen journalistischen Alltag einfließen würden, so Küpper. Er ermutigte den Wohlfahrtsverband dazu, sich – etwa bei der Frage nach der Integration von Flüchtlingen – weiter als politische Stimme zu Wort zu melden.

Caritasdirektor Georg Falterbaum will die Positionen der Caritas noch stärker in öffentliche Debatten einbringen.
Caritasdirektor Georg Falterbaum will die Positionen der Caritas noch stärker in öffentliche Debatten einbringen. © Kiderle

"Sozial braucht digital"

Auch Caritasdirektor Georg Falterbaum will die Positionen der Caritas noch stärker in öffentliche Debatten einbringen, und zwar „authentisch, klar und objektiv.“ Falterbaum verwies dabei auch auf das Thema der diesjährigen Caritas-Kampagne „Sozial braucht digital“. Es gehe darum, dass auch soziale Dienstleister Digitalisierungsprozesse nötig hätten, zum Beispiel Assistenz-Systeme in der Pflege. „Aber wir drehen diesen Slogan auch um: Digital braucht auch sozial.“ Denn im Zug des digitalen Wandels werde es laut Falterbaum auch Menschen geben, die abgehängt werden. „Und für die Menschen werden wir da sein“, betonte der Caritasdirektor.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de

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