Johannes Zwick spricht über seinen Glauben Die Bibel als Psychoanalyse

14.02.2020

Der Arzt und Unternehmer Johannes Zwick hat in schwierigen Situationen in seinem Leben immer Halt im Glauben gefunden. Und weil er anderen Gutes zurückgeben will, setzt sich der Katholik als „Filserbua“ und weit darüber hinaus für Bedürftige ein.

Johannes Zwick hat die Arme verschränkt und schaut in die Kamera.
Johannes Zwick findet immer Halt in der Bibel. © Johannesbad-Pressebild

Er gehört zu den Menschen, die mit einem Lächeln durch die Welt gehen. Doch, wenn er beispielsweise Rentner nach Pfandflaschen wühlen sieht, verfinstert sich das Gesicht von Johannes Zwick in Sekundenschnelle. Soziale Ungerechtigkeit macht den Arzt unwirsch. Auch deshalb ist der 64-Jährige seit über 20 Jahren Mitglied der „Filserbuam“, einem Zusammenschluss Münchner Unternehmer, die sich für den Fortbestand der bayerischen Tradition einsetzen genauso wie für sozial Schwache. Die Filser teilen an Ostern Essen an tausend Rentner aus, spenden für Musikvereine und vieles mehr. „Das finde ich das Schöne an den Filsern, neben der Pflege der bayerischen Tradition, dass sie sozial Benachteiligten helfen.“

Die Schwachen schützen und stärken

Er, dem es doch so gutgehe, wolle etwas zurückgeben an die Gesellschaft. Darum engagiert sich der Zwick ehrenamtlich bei „Powerchild“ – einer Organisation, die 12.000 sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche betreut und therapeutisch unterstützt. „In jeder Schulklasse sitzt ein Kind, das regelmäßig Gewalt erleidet oder sexuell missbraucht wird“, erzählt er, „diesen Gedanken finde ich unerträglich.“ „Powerchild“ setzt auch stark auf Prävention. Denn: Kinder müssten lernen „nein“ zu sagen. „Wir müssen die Schwachen schützen und stärken.“ Dieses Motto treibt ihn sein ganzes Leben schon an.

Zurück zu seinen religiösen Wurzeln

Johannes Zwick hat unter dem „Generationenkonflikt“, wie er es nennt, mit seinem Vater, dem „Bäderkönig“ Eduard Zwick, sehr gelitten. Sein Vater, im rumänischen Banat aufgewachsen, habe nach dem Ersten Weltkrieg „eigentlich keine Erziehung“ erhalten – so habe er ständig versucht, die Menschen um sich herum niederzumachen. Aufgrund dieser heftigen Auseinandersetzungen sei der schon erwachsene Johannes Zwick wieder zu seinen religiösen Wurzeln zurückgekehrt und spiritueller geworden.

Halt in der Bibel

Zwick, der seit seinem sechsten Lebensjahr in Klöstern erzogen und ausgebildet wurde, habe gerade in Krisenzeiten Halt in der Bibel gefunden. „Da sind tolle Geschichten drin“, begeistert sich der Mediziner, „die sehe ich heute nicht nur religiös, sondern auch psychoanalytisch.“ Und nennt in einem Atemzug die Geschichte von „David und Goliath“, die zeige, dass man als „Kleiner, Schwacher gegen einen Großen, Übermächtigen bestehen kann“, erläutert Zwick, „wenn man seinen Kopf verwendet, den Mut hat, sich zu stellen, sich nicht versteckt, nicht wegläuft“. Oder Kain und Abel. „Das sind Geschichten, die sind ja nicht erfunden, die sind die Realität“, sagt der Unternehmer, „wenn ich mir anschaue, wie viele Geschwister sich verkracht haben.“ Aber es gebe eben die Möglichkeit, dass man den Bruder nicht erschlagen müsse, um weiterleben zu können. Insofern sei die Bibel für ihn eine riesige Psychoanalyse, aus der man fürs Leben lernen könne.

Religion gibt ihm Optimismus

So betrachtet der 64-Jährige die zehn Gebote als Richtlinien, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist sein Lieblingsgebot und gleichzeitig Lebensmotto. Das der gläubige Katholik auf unterschiedliche Art lebt. Mit dem Vater, der 1998 starb, hält er an dessen Grab „Zwiegespräche“. Es wäre schön gewesen, „wenn ich zu Lebzeiten mit ihm ein hervorragendes Verhältnis gehabt hätte“. Und fügt hinzu: „Aber es ist, wie es ist.“ Zwick hat schon früh gelernt, auch verzwackten, aussichtslosen Situationen noch etwas Positives abzugewinnen und Lösungen zu finden. „Die Religion gibt mir Halt und vor allem auch viel Optimismus.“

Vielen Dingen gegenüber offen

Geboren in Indonesien, „in einem holländischen Krankenhaus bei malaysischen Schwestern, entbunden von einem deutschen Arzt, meinem Vater, und getauft von einem italienischen Priester. Mein Taufpate war ein chinesischer Buddhist“ – diese Konstellation und seine unbeschwerte Kindheit hätten ihn sicherlich geprägt, auch dahingehend, dass er vielen Dingen gegenüber offen sei.

Später, zurück in Deutschland, hat Johannes Zwick an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Medizin studiert und ist 1982 im Unternehmen seiner Eltern als Vorstandsvorsitzender eingestiegen. Angelika und Eduard Zwick, beide Ärzte, bauten 1958 das erste Sanatorium in Bad Füssing, den Tannenhof, und fanden später tief in der Erde Heilwasser. Heute ist Füssing der größte Kurort Europas. Und Zwick führt den Gesundheitskonzern „Johannesbad Holding“, die Kliniken, Gesundheitszentren und Hotels weiter – und expandiert in neue Geschäftsfelder.

Er geht gerne allein in die Kirche

Zwick selbst ist immer in Bewegung, schöpft Kraft aus dem Sport, seiner positiven Grundeinstellung, aus seinem Humor, der Freude am Leben – gönnt sich aber auch mal eine Auszeit. „Ich setze mich gerne in Kirchen und bin mal für zehn Minuten alleine“, gibt er zu, „und lasse die Kunstwerke auf mich wirken. Besonders gerne in Rom.“ Wieso dort? „Emotion“, lächelt Zwick, „Emotion. Mein Sohn hat in Rom geheiratet und da war ich in verschiedenen Kirchen. Natürlich gibt es auch viele schöne in Bayern, in der Schweiz, in den USA. Rom aber hat etwas Hochemotionales.“

"Da war ein Schutzengel"

Natürlich glaube er an Gott, den er sich nicht als Person oder Geist vorstellt. „Man kann Gott auch in einem anderen Menschen treffen“, meint der Unternehmer, „oder wenn man einen Unfall hatte und da gut rauskommt“. Er selbst sei vor einigen Jahren ausgerutscht und 50 Treppenstufen heruntergefallen, „ich hätte mir das Genick brechen können, doch ich hatte Glück, da war ein Schutzengel und ja, da war Gott da“. Wie stellt sich der Naturwissenschaftler das Paradies vor? „Wir leben im Paradies auf dieser Erde“, strahlt Zwick, „für mich ist das Leben so schön, mit allen Höhen und Tiefen – ein Paradies.“

Die Autorin
Susanne Hornberger
Chefredakteurin Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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