Vergangenheitsbewältigung auf siebenbürgisch Die eigenen Wurzeln freilegen

17.03.2015

Ursula Ackrills Debutroman „Zeiden im Januar“ erreichte den Verlag als unverlangt eingesandtes Manuskript, wurde ins Programm genommen und gelangte direkt auf die Nominierungsliste zum Leipziger Buchpreis. Die Autorin schildert darin komprimiert die Zeit, in der sich die Siebenbürger Sachsen ihre jahrhundertelang verteidigte Sonderstellung zu erhalten hofften, in dem sie sich mit den Nationalsozialisten gemein machten.

 

Bilder: Wagenbach Verlag

Sie habe den Roman geschrieben um die Kontinuität ihrer eigenen Geschichte zu erfassen, sagt die in Siebenbürgen geborene Autorin. Außerdem wollte sie die unausgesprochene Leerstelle der Zeit des Nationalsozialismus in Siebenbürgen mit Inhalten aufzufüllen. Im kommunistischen Rumänien habe es keinen Spielraum gegeben für Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.'

Die Schriftstellerin hat Informationsmanagement studiert und arbeitet als Bibliothekarin, kein Zufall, dass die Hauptprotagonistin des Romans die Chronistin der siebenbürgischen Kleinstadt Zeiden ist. Ursula Ackrills Figuren vermögen jenen Ausschnitt der Zeitgeschichte im Januar 1941 lebendig zu verkörpern. Der leise Spott in den Schilderungen gewisser typischer Eigenschaften der Siebenbürger Sachsen - durchaus unterhaltend zu lesen (und auch für andere deutsche Regionen zum Teil gültig) - sei nur die Kopfnote, nicht die Herznote, sagt Ursula Ackrill, sie wolle nicht bloßstellen. Aber ein bisschen Schärfe habe es vielleicht gebraucht, um die Strukturen sichtbar zu machen.

Ursula Ackrill lebt in Nottingham und spricht im Alltag selten Deutsch. Sie habe „per Experiment“ herausgefunden, dass sie nur auf Deutsch schreiben könne. Ein Deutsch, das gespeist wird aus ihrer Kindheit und sich wohltuend von unserem Alltagssprech abhebt.

Ursula Ackrill: Zeiden im Januar, Wagenbach, 256 S. , 19.90 €


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