Pfingsten - so zeige ich meinen Glauben "Die Flamme in mir"

02.06.2017

Pfingsten ist das Fest, an dem der Heilige Geist erschienen ist und die Jünger begannen, aller Welt von Jesus und ihrem Glauben zu erzählen. Wie sieht das heute aus? Wo erleben wir Pfingsten? Wo zeigen wir unseren Glauben. Barbara Mock ist Leiterin des Kindergartens Sankt Martin in Moosach und erzählt offen, wo sie "ihr persönliches Pfingsten" lebt...

Barbara Mock ist Leitung des Kindergaretns Sankt Martin in München-Moosach © privat

Zeigen Sie Ihren Glauben öffentlich?

Ja, ich zeige ihn öffentlich, indem ich darüber rede und mich dazu bekenne. Viel wichtiger ist es mir aber, ihn vorzuleben, besonders durch christliche Nächstenliebe. Das heißt nicht, dass mir das immer gelingt. Ich arbeite viel an mir selbst, um das zu üben. Die Christusliebe, die in mir und in jedem wie eine Flamme leuchtet, ist mir dabei ganz wichtig. Die Flamme ist für mich DAS Weihnachtsgeschenk. Und nun ist es an mir, die Flamme zu pflegen - und das will trainiert werden!

Was bedeutet Pfingsten in diesem Zusammenhang für Sie?

Die Flamme ist ein schönes Symbol. Wenn ich es schaffe, sie in mir gut zu pflegen, dann kann sie nach außen strahlen. Da spielt wieder die Nächstenliebe in meinem Leben eine große Rolle. Ich versuche, meinen Mitmenschen vorurteilsfrei zu begegnen – ganz egal, welche Haltung sie haben oder welcher Herkunft sie sind. Dann können sich die Flamme des anderen und meine Flamme begegnen. Das gibt ein richtig schönes Pfingstfeuer. Das heißt für mich das „Sprechen in vielen Sprachen“, um das es in der Pfingstgeschichte geht. Ich versuche, jedem gegenüber offen zu sein. Wenn mir das gelingt, wächst etwas Drittes, etwas Gemeinsames zwischen meinem Gegenüber und mir, eben das Pfingstfeuer. Das heißt Pfingsten für mich.

Wie gelingt Ihnen das, jedem offen zu begegnen?

Es gelingt mir mal besser und mal schlechter. Eigenarbeit ist für mich ganz wichtig. Im Alltag mache ich mir beispielsweise immer wieder Gedanken darüber, wie eine Begegnung abgelaufen ist und ob ich Nächstenliebe gelebt habe. Ich hole mir aber auch Unterstützung von Freunden und vor allem auch von einer Supervisorin. Mit deren Hilfe kann ich mich immer wieder auf dieses Ziel ausrichten. Das heißt, ich überlege wo ich stehe, wo Blockaden sind, was gut war und was mir nicht so gut gelungen ist. Und wenn mir etwas nicht so gut gelungen ist, finde ich es sehr wichtig, aber auch ganz schön schwierig, mir selbst zu vergeben. Vergeben ist wichtig für die „Flammen-Pflege“.

Welche Rolle spielen Symbole?

Ein Gegenstand ist mir nicht so wichtig. Er hilft vielen Menschen und stärkt sie und das ist gut so. Aber für mich persönlich ist es wichtiger, den Glauben sichtbar zu leben. Ich habe, als ich geboren wurde, von meinem Vater einen Schutzengel aus Holz bekommen, der mir als Kind sehr wichtig war. In meiner Jugend, als ich erstmal mein Ziel suchen musste, beziehungsweise als ich lernte, für was ich „Feuer und Flamme“ bin, lehnte ich äußere Symbole ab - nur der Schutzengel war mir ein ständiger Begleiter. Wahrscheinlich hat er mich immer wieder an das Pfingstfeuer erinnert, das ich als Kind erfahren durfte durch die Liebe meiner Eltern. Und ich hatte (ganz materiell) was zum Festhalten in Zeiten der Rebellion und Selbstfindung. Somit können Symbole schon sehr sinnvoll sein. Heute gehören Symbole auch wieder zu meinem Alltag

Diese Art, Ihren Glauben zu zeigen, spielt die auch in der Arbeit im Kindergarten eine Rolle?

Ja, ganz wichtig ist mir dabei, wie ich den Kindern, den Eltern, meinen Kollegen begegnen möchte - nämlich so, dass in der Begegnung „ein Feuer leuchtet". Und zweitens, dass gerade durch die Offenheit und Liebe, die ja der christliche Glauben beinhaltet, jeder sein Problem abgeben darf und jeder Geborgenheit erfahren kann.

Mit Hilfe von zum Beispiel Schutzengel- und Marien-Darstellungen können Kinder und Erwachsene daran erinnert werden: Ich bin nicht alleine. Ich kann meine Probleme abgeben, die sich wie feste Mauern aufbauen. Wenn ich da was abgeben kann, dann entsteht vielleicht eine Lücke, und wenn sie noch so klitzeklein ist, durch die das Licht der Flamme scheinen kann. Dann wird es wieder heller und häufig kommen dann auch wieder hellere Gedanken. Da können natürlich auch Symbole Unterstützer und Hilfen sein. Gerade Kinder sind dafür sehr, sehr offen. Da fällt mir eine nette Anekdote ein, die zeigt wie sehr durch die Kinder unseres Kindergartens der Glaube nach draußen getragen wird:

Alle zwei Wochen singen einige unserer Kinder in einem Chor, den unser Kirchenmusiker leitet. Diese Lieder singen sie dann immer und überall. Da wird dann auch mal, ganz von selbst, auf einem Ausflug in der U- Bahn „Gott liebt alle Menschen“ angestimmt.

Barbara Mock ist Leiterin des Kindergartens Sankt Martin in München Moosch. Das Interview führte Stefanie Schmid.


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