Einblicke ins Klosterleben Die große Einfachheit

23.03.2017

Ein aufwändiger Bildband stellt den Alltag in fünf Frauenklöstern in Bayern, Südtirol und im Engadin vor.

Schwester Clara aus dem Kloster Son Jon konzentriert sich beim Sticken. © Mayr

Karg. Einfach. Abgeschieden von der Welt und ihrer Schnelllebigkeit. So mögen sich viele Menschen das Christus geweihte Leben im Kloster vorstellen. Angebote wie „Kloster auf Zeit“ erfreuen sich auch deshalb wachsender Beliebtheit.

Doch wie sieht es wirklich innerhalb der alten Klostermauern aus? Das hält Anna Mayr in ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Bildband „Die große Einfachheit. Auf den Spuren einer alternativen Lebensweise“ fest. Dafür besuchte die 1992 in Brixen geborene Autorin und studierte Fotografin zwei Monate lang fünf Frauenklöster im Engadin, in Südtirol und in Bayern: die Benediktinerinnen des Klosters Jon Son in Müstair, die Tertiarschwestern in Brixen, die Barmherzigen Schwestern und die Salvatorianerinnen in Meran sowie die Schwestern des Göttlichen Erlösers des Herz-Jesu-Klosters in München. Mayrs beeindruckende Fotografien – viele auch in Schwarz-Weiß – geben auf fast 200 Seiten interessante Einblicke in den Alltag von Ordensfrauen. Dazu lässt sie selbstverfasste Texte auf Basis persönlicher Gespräche mit den Schwestern mit einfließen. Diese führen dem Leser und Betrachter die Offenheit und Herzlichkeit der Ordensfrauen vor Augen. Das gelungene Zusammenspiel von Bild und Text zeigt die Schwestern bei der Arbeit, in Gebet und Studium versunken und im Gespräch mit Menschen.

Der Dienst am Nächsten und für den Herrn selbst ist für viele der Porträtierten im wahrsten Sinne des Wortes „Gottesdienst“: „Für mich war es eine Lebensweise, die einfach etwas anders ist als das, was man zum Beispiel gerade an der Uni vorgelebt bekommt – wo es nur mehr um Karriere und Geld geht“, umschreibt etwa Schwester Gudrun Leitgeb (27), die Jungschwester der Tertiarschwestern in Brixen ihre Motivation, sich für diesen Lebensweg zu entscheiden.

Mit „Einfachheit“, „Hingabe“, „Weisheit“, „Güte“, „Mystik“, „Sehnsucht“, „Ewiges Leben“, „Stille“, „Kreativität“ und „Gehorsam“ sind die Teile des Bandes unter anderem überschrieben. Sie geben dem Buch eine gute Struktur und legen den Fokus auf die individuellen Lebensgeschichten der Schwestern. So wird das Buch authentisch: „Im Leben ist es wichtig, etwas zu finden, für das es sich zu leben lohnt. Und auch ein Stück Liebe. Aber Liebe im Allgemeinen. Liebe zu Gott, Liebe zu den Menschen. Ohne die kann ein Mensch, glaube ich, auch nicht leben“, fasst es die Südtiroler Tertiarschwester Anna Elisabeth Rifeser (27) zusammen.

Für Liebe, Glauben und Gemeinschaft legen diese Schwestern (und alle Ordensleute) ein weithin sichtbares und glaubwürdiges Zeugnis ab, das der Leser, der sich darauf einlässt, in Wort und Bild erfahren darf. Dabei erschließt sich ihm der grenzenlose Reichtum dieses in unserer heutigen Zeit untypisch anmutenden Lebensstils. (Matthias Chrobok)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Minimalismus

Das könnte Sie auch interessieren

Freiwillig verzichten: Weniger ist mehr.
© Rawpixel.com - stock.adobe.com

Minimalismus Ordensmann ist freiwillig arm

Hans-Georg Löffler ist Franziskaner. Er hat versprochen in Armut zu leben. So gelingt ihm das.

10.10.2018

Minimalismus-Grundsatz: "Weniger ist mehr"
© loookash - stock.adobe.com

Deshalb ist weniger heutzutage mehr 7 Gründe, um minimalistisch zu leben

Immer mehr Menschen leben nach den Grundsätzen „Weniger ist mehr“ und „Qualität statt Quantität“. Hier sieben Antriebskräfte des Minimalismus- Trends.

08.10.2018

Wer an einem aufgeräumten Schreibtisch sitzt, ist innerlich strukturierter und hat seine Aufgaben besser im Griff.
© jackfrog - stock.adobe.com

Minimalismus Einfachheit als spirituelle Aufgabe

Warum ist manchmal weniger mehr? Was hat "simplify your life" mit Minimalismus zu tun? Bestseller-Autor Werner Tiki Küstenmacher erklärt es.

07.10.2018

Durch ihrer Arbeit ist Miriam Ferstl Gott näher gekommen.
© Irgens-Defregger

Bilderserie Miriam Ferstl fotografiert Kronleuchter in sakralen Räumen

Aus ungewohnter Perspektive - direkt von unten – hat die 31-Jährige Kronleuchter abgelichtet. Auf der Suche nach der Mitte der Leuchter, ist die 31-Jährige auch ihrer eigenen Mitte nähergekommen.

15.04.2018

© privat

Rokoko-Perle Wieskirche „Schönster Jesu auf der Wies“

Das Herz der äußerlich unscheinbaren Wieskirche ist ein Abbild des gegeißelten Heilands. Lesen Sie hier, wie die Figur in die wohl berühmteste Rokokokirche Bayerns kam.

28.03.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren