Zukunftskongress „München 2040“ Die junge Generation will endlich gehört werden

19.07.2021

Wie soll die Stadt der Zukunft sein? – Über soziale Gerechtigkeit bis Energiewende haben junge Menschen vergangenen Samstag diskutiert und konkrete Forderungen an die Politik gerichtet.

Jugendliche kleben Punkte unter ihre wichtigsten Zukunftsaspekte auf eine Flipchart-Tafel.
Die Stadt der Zukunft? Die Jugendlichen haben genaue Anliegen und Wünsche. © SMB/Kelpe

München – „Welche Aspekte machen für mich eine lebenswerte Stadt in 20 Jahren aus?“ – Die Frage steht groß auf einer Flipchart-Tafel im ersten Stock des Gasteigs. Ein paar Jugendliche stehen davor und kleben kleine Punkte unter die Themen, die für sie wichtig sind. Im Laufe des Tages sammeln sich immer mehr Punkte. Grünflächen, Bezahlbarer Wohnraum und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sind besonders gefragt. Doch wie soll sie aussehen, die Stadt der Zukunft? Während des Zukunftskongresses „München 2040“, organisiert von dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), soll genau diese Frage in verschiedenen Modulen rund um die Themen Gesellschaft, Umwelt, Politik, Bildung und Stadt diskutiert werden. Dabei geht es von Tierethik, über Single-Gesellschaft bis zur Energiewende.

Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren vergangenen Samstag dabei und erarbeiteten mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Forschung konkrete Forderungen. Die Botschaft wurde deutlich: Die junge Generation möchte nicht mehr mit ansehen, wie ihre Zukunft verhandelt wird, sondern sie wollen aktiv mitgestalten und mitreden.

Ein grünes München

„München im Jahr 2040 ist in meiner Vorstellung grün, auf jedem Haus ist eine Photovoltaikanlage, alle Menschen sind glücklich und laufen nicht total gestresst durch die Stadt. Es gibt keine Autos mehr, es ruhig, die Luft ist gut“ – so sieht die 16-Jährige Schülerin Klara die Stadt in ihrer Wunschvorstellung. Doch sie ist durchaus skeptisch, denn es müsse noch viel gemacht werden. Zusammen mit ihrer Freundin Anna (15) besucht sie ein Modul über CO2-neutrale Energieversorgungskonzepte. Hier möchten sie sich intensiv mit den möglichen Techniken für ein klimaneutrales München auseinandersetzen. Dabei gehe es ihnen nicht in erster Linie darum, ihre persönlichen Wünsche zu artikulieren, sondern auch darum, dass die Wissenschaft mehr in den Fokus der politischen Debatte gerückt werde. Für Klara ist die Klimadebatte dabei der zentrale Punkt: „Die Klimawende ist die Jahrhundertaufgabe für die Menschheit. Unsere Zivilisation steht ganz klar auf dem Spiel. Für mich ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft diese Aufgabe meistern.“

Ein solidarisches München

„Wir dürfen die gesellschaftlichen Ränder nicht als Ränder stehenlassen, sondern müssen sie integrieren“, sagt Kardinal Reinhard Marx. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Am Rande der Gesellschaft“ im Gasteig lauschen die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer wie er mit Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie München, über Solidarität, Zusammenhalt und das zukünftige Zusammenleben in der Stadt debattiert und philosophiert. Wer ist drin und wer nicht? Wallacher plädiert für eine informelle Form der gesellschaftlichen Partizipation und Kardinal Marx denkt auch darüber nach, welche Rolle die Kirche in München in 20 Jahren noch spielen wird: „Können wir als Kirche eine kreative Minderheit sein, die allen etwas anbietet?“ Gegen Ende ertönen dann die Stimmen aus dem Publikum und dann wird auch die erste, offizielle Forderung formuliert, die aus dieser Veranstaltung mit rausgetragen wird: „Mehr Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen in der Politik“.

Was passiert mit den Forderungen?

München im Jahre 2040 soll keine Utopie sein, sondern eine reale Zukunft, auf die jetzt hingearbeitet werden muss. Der Wunsch endlich ernst genommen zu werden und in der Politik gehört zu werden, ist dabei ein zentrales Anliegen der Teilnehmenden. Doch auch konkrete Wünsche wie mehr Fahrradwege oder die Investition in erneuerbare Energien stehen auf der Liste. Der Zukunftskongress hat deshalb zum Ziel, die Forderungen genau dorthin zu tragen, wo sie Gehör finden: Auf Kommunal-, Landes -und Bundesebene. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und Landrat Christoph Göbel sind gleichzeitig Schirmherren des Kongresses und haben zugesagt, Verantwortung für die Ergebnisse zu übernehmen. Für Benedikt Breil vom BDKJ, der „München 2040“ federführend mit auf die Beine gestellt hat, ist das ein entscheidender Punkt: „Es ist uns wichtig, die erarbeiteten Forderungen sichtbar zu machen. Wir wollen Druck machen.“ Nach sechs Monaten solle geprüft werden, was mit den Forderungen bislang geschehen sei. Auch über Social Media solle der Prozess begleitet werden und in den nächsten Jahren Kernprojekt des BDKJs bleiben. Das betont auch Tobias Hartmann, Präses des BDKJs: „Wir werden ganz sicher nicht müde werden, auf die Zukunft zu schauen und unsere Forderungen auf politischer Ebene einzubringen.“ (Eileen Kelpe, Volontärin Michaelsbund)


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