Weihe St. Jakobus in Neuperlach Die Kapelle ist eine Kirche

11.02.2019

Kardinal Reinhard Marx weihte am vergangenen Samstag die Kirche St. Jakobus in Neuperlach.

Die Kirche St. Jakobus in Neuperlach
Die Kirche St. Jakobus in Neuperlach © Kiderle

München – Der erste Eindruck von außen ist eher ein nüchterner: ein kompakter, eingeschossiger Betonbau, den ein städtischer Platz mit einem Brunnen in der Mitte mit dem nahen Kindergarten verbindet. Würde sich oben nicht ein goldenes Kreuz um zwei Ecken schmiegen, käme man nicht gleich auf die Idee, dass hier eine moderne Kirche errichtet wurde. Sie ersetzt mit anschließenden Gemeindesälen das 1974 gebaute Pfarrzentrum mit Kirche, das wegen baulicher Mängel abgerissen werden musste und an dessen ursprünglichem Standort im Herbst 2015 ein neuerbauter Kindergarten eröffnet wurde. Auf dem Grundstück der alten Kindertagesstätte hat man im Frühjahr 2016 mit den Arbeiten für die neue Kirche und den pfarrlichen Räumen begonnen (Architekturbüro Andreas Hlawaczek).

Ein Altar aus Naturstein

Beide Gebäude haben also ihre Plätze gewechselt. Jetzt steht der neue Kindergarten vorne an der Straße, während die von außen eher unauffällige Kirche sich weiter hinten mit der zweiten Reihe begnügt. Betritt man sie durch ein großes Doppelportal aus Holz, steht man in einem hohen Rechtecksraum aus Sichtbeton mit einem raumhohen, schmalen Fenster nach draußen an der Stirnwand. Tageslicht fällt auch von oben durch ein angeschrägtes Dachfenster direkt auf den Altar. Der ist der absolute Blickfang in dem sonst schlicht gehaltenen Raum: ein leicht ovaler Naturstein mit 2,5 t Gewicht – ein Findling aus den Allgäuer Alpen, der fast ganz in seiner ursprünglichen Form belassen wurde; nur die Altaroberfläche ist glatt poliert.

Kardinal Reinhard Marx klopfte mit seinem Bischofsstab an das Kirchenportal.
Kardinal Reinhard Marx klopfte mit seinem Bischofsstab an das Kirchenportal. © Kiderle

Meditative Atmosphäre

Die wenigen anderen Objekte im Raum - ein einfacher Holzambo, ein Vortragskreuz und die beiden aus der alten Kirche übernommenen Ausstattungsstücke, der versilberte Tabernakel von Max Pfaller und eine barockisierende Madonna mit Kind (20. Jh.) in der rückwärtigen, magentaroten Wand-nische - lenken kaum von der meditativen Atmosphäre ab. Sehr zurückhaltend ist auch die Gestaltung der Altarwand: Sie ist überzogen vom einem riesigen Kreuz aus lauter kleinen weißen Strichen, die man – nach dem gestaltenden Künstlerpaar Lutzenberger – als Symbole für alle Gläubigen verstehen kann, die diese Kirche betreten.

An den Wänden umlaufende Sitzbänke und bewegliche Stühle bieten Platz für ca. 50-60 Gläubige. Deshalb werden hier nur Werktagsgottesdienste abgehalten, für Sonntagsmessen ist dieser Raum, der eher wie eine Kapelle als eine Kirche aussieht, zu klein. Genutzt werden soll er aber auch von religiösen Gruppen und Gebetskreisen.

Ort der Hoffnung für alle Menschen

Die neue Kirche platzte natürlich aus allen Nähten, als Kardinal Reinhard Marx sie am vergangenen Samstag feierlich weihte, „als Zeichen dafür, dass Gott in Neuperlach weiterhin anwesend ist und das wir niemals allein sind“. In seiner Predigt betonte er, dass die Kirche ein „Ort der Hoffnung für alle Menschen“ sein solle: „Nur dann haben wir die Berechtigung, eine Kirche zu bauen, wenn sie ein Signal, ein Zeichen für den ganzen Stadtteil ist. Denn sie gehört allen, ist für alle da. Diese Aufgabe kann sie aber nur erfüllen durch die Menschen, die in ihr wirken. Denn ihr seid der Tempel Gottes. Wenn ihr nicht da seid, nützen keine Steine.“

Der Altar ist ein Findling aus den Allgäuer Alpen.
Der Altar ist ein Findling aus den Allgäuer Alpen. © Kiderle

Anschließend salbte er den Altar und die Kirche mit Chrisam als „das aus Stein gebaute Symbol für die Anwesenheit Gottes“. Dann wurden in den Altar Reliquien des hl. Benno von Meißen und des sel. Otto von Freising eingesetzt, um an die Ursprünge der Messfeier an den Gräbern der Heiligen in den Katakomben zu erinnern. Das Verbrennen von 5 Weihrauchhäufchen auf dem Altar – als Zeichen für die 5 Wundmale Christi – verwies auf die symbolische Verwandlung des Altars in den Leib Christi.

Ökologie und Nachhaltigkeit

Auch auf den Kirchenpatron St. Jakob ging Kardinal Marx ein: „Das Nomade- und Pilger-Sein ist ja ein Kennzeichen des heutigen Menschen. Und die Kirche ist eine Raststätte auf diesem Weg – aber nicht das Ziel. Das ist Jesus Christus.“ Auf Jakobus verweisen auch der Grundstein im Inneren im Form einer Jakobsmuschel und draußen am Eingang zum Platz eine große Metallsäule, auf der die perforierte Gestalt des Heiligen zu erkennen ist. Weitere Stelen stellen verschiedene Stationen des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela dar, angefangen mit St. Jakob im Anger hier in München.

Es versteht sich heutzutage auch von selbst, dass der barriere-freie Neubau auf Ökologie und Nachhaltigkeit angelegt ist: Er ist an das örtliche Fernwärmenetz angeschlossen, verfügt über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und das Dach ist extensiv begrünt. (Karl Honorat Prestele)

Video

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Neue Kirchen wurden gebaut

Das könnte Sie auch interessieren

Nach zehn Jahren ist erstmals im Erzbistum München und Freising wieder eine Kirche an einem komplett neuen Standort geweiht worden.
© Kiderle

Landkreis Ebersberg Neue Poinger Kirche wurde geweiht

Im Erzbistum ist nach zehn Jahren erstmals wieder eine Kirche an komplett neuem Standort geweiht worden. Das suggestive Gebäude in Poing wurde von der Pfarrei freudig in Empfang genommen und weckt...

11.06.2018

Der Kirchenneubau in Poing
© Kiderle

Neue Kirche in Poing Menschen machen Kirche zur Heimat

Weiß, groß und schillernd wie ein Kristall. Über den neuen modernen Kirchenbau in Poing scheiden sich die Geister. Doch wie muss eine Kirche denn eigentlich aussehen?

11.06.2018

© Kiderle

Kirchweih im Oberland Kein Gebäude wie jedes andere

Holzkirchen im Landkreis Miesbach hat mit Sankt Josef ein neues Gotteshaus. Kardinal Marx hat den aufsehenerregenden Bau am Sonntag geweiht.

18.03.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren