Kirche und Geld Die katholische Kirche legt ihre Finanzen offen

28.08.2019

Die katholischen Bistümer wollen "neue Glaubwürdigkeit" gewinnen, indem sie sich bei der Finanz- und Vermögensverwaltung zu vergleichbaren wirtschaftlichen Standards verpflichten. Was das konkret für die Diözesen bedeutet, lesen Sie hier.

Ein Dauerthema: Kirche und ihr Umgang mit Geld
Ein Dauerthema: Kirche und ihr Umgang mit Geld © imago images

Bonn – Die deutschen Bischöfe haben sich erstmals umfassend zu verbindlichen und vergleichbaren Standards in ihrer Finanz- und Vermögensverwaltung verpflichtet. Nach den neuen gemeinsamen Richtlinien müssen alle Jahresabschlüsse der Bistümer, Bischöflichen Stühle, Domkapitel und anderer bedeutenderer Rechts- und Vermögensträger veröffentlicht werden, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn mitteilte. Dabei werden künftig die Regeln des Handelsgesetzbuches (HGB) angewendet. Vereinbart sei auch die Prüfung der Jahresabschlüsse durch eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Für die Bistümer Rottenburg-Stuttgart und Münster gelten gesonderte, weitgehend vergleichbare Bestimmungen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach von einem "wichtigen Schritt, um eine neue Glaubwürdigkeit innerhalb und außerhalb der Kirche zu erreichen". Die Verwendung der Bistumsmittel werde "transparent und nachvollziehbar" nachgewiesen. Der Kardinal räumte ein, dass nicht alle Bestimmungen des Handelsgesetzbuches für die Arbeit in den Diözesen "passgenau sind". Dennoch werde die Kirche mit diesen Standards ihrer Verantwortung für die ihr anvertrauten Finanzmittel gerecht.

Innenrevision in Münster

Für das Bistum Münster sagte Sprecher Stephan Kronenburg der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die Diözese habe sich für das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) entschieden, das noch über die Bestimmungen des HGB hinausgehe. Die Bilanz sei mit denen der anderen Diözesen vergleichbar. Allerdings sehe das NKF keine externe Prüfung vor, sondern eine Innenrevision, für die sich das Bistum personell entsprechend aufgestellt habe.

Die Jahresabschlüsse der Bistümer sollen nach den Angaben mindestens die Bilanz und die Ergebnisrechnung umfassen. Ebenso sollen der Anhang und ein Lagebericht sowie der Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers veröffentlicht werden. Die HGB-Regeln fänden "in dessen jeweiligen Größenbestimmungen" Anwendung. Kleinere Bistümer dürfen demnach weniger aufwendig bilanzieren als die großen, finanzstarken Diözesen.

Basierend auf den Richtlinien können die jeweiligen Bistümer laut Marx nun ihr Controlling, das Risikomanagement und den zielgenauen Einsatz der Finanzmittel weiterentwickeln. Für viele Diözesen bedeute dies beträchtliche zusätzliche Arbeit. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Die Kirche und das liebe Geld

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