Jahresempfang des Münchner Katholikenrats Die Kirche in Ordnung bringen

25.10.2018

Beim Jahresempfang des Münchner Katholikenrats im Saal des Alten Rathauses hielt die neue Vorsitzende Hiltrud Schönheit zum ersten Mal die Festrede.

Hiltrud Schönheit, die neue Vorsitzende des Katholikenrats der Region München, hielt die Festrede
Hiltrud Schönheit, die neue Vorsitzende des Katholikenrats der Region München, hielt die Festrede © Kiderle

München – Die Ehrenamtlichen wollte man beim diesjährigen Jahresempfang des Münchner Katholikenrats in den Mittelpunkt stellen. Der Abend sollte ein Dankeschön für alle Engagierten sein, die sich in vielfältiger Weise in den Pfarreien und Pfarrverbänden sowie den muttersprachlichen Gemeinden sowie den Verbänden der Seelsorgsregion München engagieren und vor Ort für die Menschen einsetzen. Um daher keine Einzelpersönlichkeit besonders hervorzuheben, wurde auf die Verleihung der Pater-Rupert-Mayer-Medaille verzichtet. Dafür wollte man nach den Wahlen im Sommer beim Katholikenrat die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder verabschieden und frisch in die neue Amtsperiode starten. Allein die bisherige Vorsitzende Johanna Rumschöttel ließ sich wegen eines anderen Termins entschuldigen, und auch das ehemalige Vorstandsmitglied Yvonne Oeffling blieb dem Jahresempfang fern. So erhielten lediglich Markus Lutz und Franjo Barišic ihre Abschiedspräsente.

Ein Viertel der Katholiken haben Migrationshintergrund

In seiner Predigt im vorausgegangenen Gottesdienst im Bürgersaal bezeichnete Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg die Botschaft vom Evangelium als ein „stabilisierendes Fundament für die Gesellschaft“. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften leisteten ihren Beitrag für ein friedliches Miteinander in der Stadt. Er hoffe, dass sich vor allem alle Münchner mit Migrationshintergrund – mittlerweile sind das ein Viertel der Katholiken – nicht als Fremde, sondern, wie es in der Tageslesung aus dem Epheserbrief hieß (Eph 2,12 – 22), als „Mitbürger und Hausgenossen“ im Erzbistum fühlten. Dafür setze sich auch der Münchner Katholikenrat ein, wofür er sehr dankbar sei. Die Kollekte war für ein Frauenhaus des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SkF) im Landkreis München bestimmt.

Die Katholikenrats-Vorsitzende Hiltrud Schönheit (links) und Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg (rechts) dankten Markus Lutz (Zweiter von rechts) und Franjo Barišic für ihren Einsatz im Vorstand des Gremiums.
Die Katholikenrats-Vorsitzende Hiltrud Schönheit (links) und Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg (rechts) dankten Markus Lutz (Zweiter von rechts) und Franjo Barišic für ihren Einsatz im Vorstand des Gremiums. © Kiderle

Stadträtin Evelyne Menges (CSU) überbrachte im Anschluss im Saal des Alten Münchner Rathauses die Glückwünsche der Landeshauptstadt. Sie lobte das Anliegen des Katholikenrats „nicht nur innerkirchlich, sondern auch in Gesellschaft und Politik“ den Dialog zu suchen. Der stellvertretende Landrat des Landkreises München, Otto Bußjäger (Freie Wähler), war verhindert, so dass die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller- Maluche (SPD) einspringen durfte. Sie fand freundliche Worte für die Anwesenden: „Mit Ihrem Einsatz für die Nächstenliebe schenken Sie den Menschen ein kleines Stück Glück und das rare Gut Zeit.“

Parforceritt durch aktuelle Themen

Dann durfte die neu gewählte Katholikenrats-Vorsitzende Hiltrud Schönheit ans Rednerpult. Sie lieferte einen Parforceritt durch alle derzeit relevanten kirchlichen Themen: Aufgrund des kirchlichen Missbrauchsskandals wehe „Mutter Kirche ein Orkan ins Gesicht, der alles durcheinander wirbelt“, stellte sie fest. Die Situation sei Ernst, es stehe „eine Menge auf dem Spiel“. Angst sei jedoch ein schlechter Ratgeber in Zeiten der gesellschaftlichen Verunsicherung. Christen müssten sich stattdessen an die an vielen Stellen des Neuen Testaments verzeichnete Botschaft des „Fürchtet Euch nicht!“ halten. Sie danke Kardinal Reinhard Max und Generalvikar Peter Beer für ihre klaren Stellungnahmen in der Missbrauchs-Thematik und freue sich über deren Ankündigung, dass es nicht mehr um bloße Strukturveränderungen, sondern um einen ganzen Systemwechsel gehe. Der müsse sich jedoch nicht nur von oben, sondern auch von unten, von der Basis her vollziehen. Der Katholikenrat habe hier mit einem entsprechenden Brief an die Pfarreien bereits Impulse gesetzt. Gerade vor Ort müssten die Seelsorger bei dieser Thematik und Präventionsmaßnahmen unterstützt werden. „Grundloses Gerede“ dürfe dabei die Atmosphäre nicht vergiften. „Bringen wir die Kirche in Ordnung“, rief Schönheit zum Abschluss in den Saal.

Da war die Zeit schon vorangeschritten. Nun konnten die Hauptpersonen des Abends, die Ehrenamtlichen, von denen viele direkt von der Arbeit zuerst in den Gottesdienst und dann zum Empfang gekommen waren, zum gemütlicheren Teil mit Speis’ und Trank und entspannteren Gesprächen übergehen.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

Generalvikar Peter Beer (links) gratulierte Professor Hans Tremmel zur Wahl und bestätigte diese im Namen von Erzbischof Kardinal Reinhard Marx.
© Kiderle

Diözesanrat Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Der Diözesanrat im Erzbistum München und Freising hat sich neu konstituiert und angesichts der Missbrauchsfälle und der zukünftigen Personalplanung über einen notwendigen Systemwechsel in der Kirche...

15.10.2018

Hans Tremmel
© Diözesanrat

Herbstvollversammlung des Diözesanrats Hans Tremmel als Vorsitzender bestätigt

Der Diözesanrat, das oberste und demokratisch gewählte Laiengremium im Erzbistum München und Freising hat sich am Wochenende zu seiner Herbstvollversammlung im oberbayerischen Ohlstadt getroffen und...

13.10.2018

Hiltrud Schönheit ist neue Vorsitzende des Katholikenrats der Region München
© Kiderle

Laiengremium Neue Vorsitzende des Katholikenrats gewählt

Die katholischen Laien der Region München haben einen neuen Vorstand gewählt. Die Amtszeit dauert vier Jahre.

30.06.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren