Neue Veranstaltungsreihe Die Kirche ins Wirtshaus gebracht

18.07.2019

Die Stimmung im Wirtshaus ist gelöst. Bei Gstanzlmusi und Bier können die Gäste mit Pfarrer Schießler und anderen über die Fragen diskutieren, die sie interessieren.

Pfarrer Schießler diskutiert mit Menschen im Wirtshaus.
Pfarrer Schießler diskutiert mit Menschen im Wirtshaus. © Kiderle

München – Aus dem Wirtshaus „Zum Stiftl“ im Tal in Münchens Zentrum hört man Gstanzlmusi. Die „Schicksalscombo“ spielt mit Leidenschaft Urwüchsiges, das auch Touristen von der Straße hereinlockt. Gebürtige Bayern verstehen die Texte, der Rest mag Probleme haben. Aber was alle mitreißt, ist die Stimmung im gut gefüllten Wirtshaus. Dann greift Andrea Elisabeth Lutz vom Kulturmanagement der Erzdiözese München und Freising zum Mikro und begrüßt die gut 100 Anwesenden zur Veranstaltung „Die Wirtshausdiskutanten - gred werd mitanander, ned übereinanda“. Sie erklärt, dass es sich dabei um ein neues Format für Menschen handelt, die nicht mehr in die Kirche gehen, aber noch viele Fragen an sie haben. Entwickelt hat Lutz es zusammen mit Pfarrer Rainer Maria Schießler, der nicht nur Pfarrer von St. Maximilian ist, sondern auch von Heilig Geist schräg gegenüber.

Spontane Fragen und Antworten

„Im Wirtshaus redet man anders miteinander als in der Katholischen Akademie“, weiß Pfarrer Schießler. „Man kann einfach etwas spontan sagen und bekommt dann genauso spontane Rückmeldungen.“ So ermutigt auch er die Runde zum Fragen und Diskutieren. Veronika von Quast, die später noch einige Lieder zum Programm beitragen wird, fragt als erste und will wissen, was viele am meisten interessiert: „Warum gibt es in der katholischen Kirche noch keine Priesterinnen?“ Pfarrer Schießler zitiert zunächst seinen Studienkollegen und heutigen Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, wonach Jesus eben nur Männer zu Aposteln berufen habe und erntet dafür verstörte Blicke und ein lautes „Ha?“ aus mehreren Kehlen. „Ja, Moment“, sagt er dann und erklärt, dass die Frage, ob Jesus auch heute keine Frauen berufen würde, durchaus berechtigt sei. „Man versucht, mit theologischen Argumenten zu verhindern, dass ein Wandel passiert. Aber er wird geschehen, auch wenn ich nicht weiß, wann.“

Angeregte Diskussionen am Tisch.
Angeregte Diskussionen am Tisch. © Kiderle

Elisabeth Stanggassinger, Gemeindereferentin im Pfarrverband Westend und bekannt als Unterstützerin des Diakonats der Frau ist unzufrieden: „Die Kirche versündigt sich wider den Heiligen Geist, weil sie Frauen grundsätzlich die Berufung abspricht“, betont sie. Dann gibt sie zu bedenken, dass die Weihefrage grundsätzlich diskutiert werden müsse. Geweihte würden oft überhöht, was nicht im Sinne Jesu sei. Das lässt wiederum Pfarrer Schießler nicht auf sich sitzen: „Ich bin jetzt seit 32 Jahren geweiht und ich hatte nie das Gefühl, ‚überhöht‘ zu sein.“ Nach seinem Verständnis gehe es weniger allein um die Geschlechterfrage in der Kirche, sondern um die „völlige Anerkennung des Menschen unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung“. Dann spielt wieder die Schicksalscombo.

Konzept geht auf

Entscheidungen können die Wirtshausdiskutanten natürlich nicht treffen. So merkt auch eine Stimme kritisch an, dass die Diskussion ohne anwesendes Führungspersonal nicht effektiv sei. Andrea Elisabeth Lutz notiert den Gedanken und will künftig auch Vertreter der Bistumsleitung ins Wirtshaus einladen. Doch das Konzept – Menschen, die nicht mehr in die Kirche gehen und doch Fragen an sie hätten – geht auf. In den leeren Sektkübel, der für anonyme Fragen herumgereicht wird, werden immer wieder Zettel geworfen: Ob Kardinal Marx auch für die Seenotrettung von Geflüchteten sei wird gefragt. Oder ob es Frauen hier zu Lande wirklich so schlecht ginge. Und wie die Kirche es beurteile, dass nun Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt worden sei. Vor den Antworten drücken sich die Veranstalter nicht, auch wenn sie natürlich nur allgemein bleiben können, indem sie etwa auf die sozialethischen Positionen der Kirche verweisen. Aber wann gibt es so etwas sonst schon im Wirtshaus? Kein Wunder, dass am Schluss Kulturmanagerin Andreas Elisabeth Lutz vergnügt lächelt und meint: „Ich gehe ganz beglückt nach Hause.“ (Gabriele Riffert)


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