Frauenquote in der Kirche Die Kirche soll weiblicher werden

20.03.2019

Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung vergangene Woche haben die Bischöfe beschlossen: die Kirche braucht mehr Frauen in Führungspositionen. Wir haben mit Ordinariatsdirektorin Dr. Sandra Krump darüber gesprochen, wie sie die Chancen und Möglichkeiten für Frauen in der katholischen Kirche beurteilt.

Sandra Krump - Eine der wenigen Ordinariatsdirektorinnen in der deutschen Kirche.
Sandra Krump - Eine der wenigen Ordinariatsdirektorinnen in der deutschen Kirche. © privat

mk online: Frau Dr. Krump, sie sind Ordinariatsdirektorin. Auf dieser Ebene gibt es laut der bei der Bischofkonferenz vorgestellten Studie nur etwa 19 Prozent Frauen - fühlen sie sich selbst als Exotin?
Sandra Krump: Das kann man so nicht sagen, denn hier in der Erzdiözese ist die prozentuale Verteilung ja ganz anders. In der Ordinariatskonferenz gibt es 50 Prozent Frauen, das ist deutlich mehr, als in vielen Unternehmen auf dieser Ebene zu finden sind. Die Situation von Frauen in der Kirche generell stellt sich natürlich anders da.

mk online: Wie nehmen Sie das bei Terminen außerhalb des Erzbistums wahr?
Sandra Krump: In überdiözesanen Gremien auf bayerischer oder bundesdeutscher Ebene ist die Anzahl der Frauen schon sehr viel geringer. Da ist man manchmal als Frau in so einer Herrenrunde ganz allein. Ich komme damit gut zurecht. Aber die Perspektive ist eigentlich eine andere: Die Herren müssten doch etwas vermissen, wenn sie immer unter sich sind.

mk online: Wie bewerten Sie die Maßnahmen, die jetzt von den Bischöfen beschlossen wurden? Bis 2023 soll ein Drittel der der Leitungspositionen in der Kirche mit Frauen besetzt werden.
Sandra Krump: Ich finde es sehr gut, dass die Bischöfe kontinuierlich an dem Thema weiterarbeiten. Dass man mal ein Programm aufsetzt, das kennt man aus vielen gesellschaftlichen Bereichen, das Entscheidende ist aber das Dranbleiben. Dass man es ernst meint, dass man Maßnahmen beschließt, durchführt, evaluiert und daraus nächste Schritte ableitet. Das ist hier erfolgt. Vor allem ist es sehr gut, dass man sich messbare Ziele setzt.

mk online: In der katholischen Kirche gibt es schon seit einigen Jahren ein Mentoring-Programm für Frauen. Sie haben sich selbst darin als Mentor engagiert. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Sandra Krump: Ich war Mentorin im ersten Durchlauf, das war eine sehr positive Erfahrung. Wenn man möchte, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen, dann muss man den gesamten Weg sehen. Man muss Frauen ermöglichen, die entsprechenden Qualifikationen und Erfahrungen sammeln zu können. Niemand startet von Null auf Hundert durch, weder Männer noch Frauen. Man muss einen Weg planen und begleiten. Und von so einem Mentoring-Tandem profitieren immer beide.

mk online: Sind es nicht auch häufig strukturelle Probleme, die für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen verantwortlich sind. Wie etwa die mangelnde Bereitschaft, Führungsstellen in Teilzeit zu vergebenen?
Sandra Krump: Das sind ja keine spezifisch katholischen Probleme, das ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Die Studie der deutschen Bischofskonferenz hat auch ergeben, dass die Präsenzkultur ein Problem ist für Frauen, die Familie haben. Aus meiner Sicht wäre diese Frage aber auch an die Männer zu stellen: Wenn man sagt, Frauen müssen Karriere und Familie vereinbaren können, dann muss man auch sagen, was ist eigentlich mit den Männern? Wie vielen Männern in Führungspositionen wird denn die Frage gestellt, wie sie Beruf und Familie vereinbaren? Ich finde es nicht richtig, dieses Thema nur an die Frauen zu adressieren. Es geht Männer in genau der gleichen Weise an.

mk online: Was würden Sie Frauen raten, die Karriere machen wollen, egal ob innerhalb oder außerhalb der Kirche?
Sandra Krump: Das Wichtigste ist, sich die Frage zu stellen: Woran hängt mein Herz? Woran möchte ich arbeiten und wozu möchte ich einen Beitrag leisten? In jedem beruflichen Kontext gibt es nicht nur schöne Zeiten, insbesondere, wenn größere Verantwortung mit einer Position verbunden ist. Da gibt es immer wieder Durststrecken, und die muss man durchhalten. Da braucht man die Möglichkeit, etwas Abstand zu gewinnen und sich die Frage zu stellen: Was mache ich hier eigentlich, wofür will ich das tun, und bin ich auf dem richtigen Weg? Das erscheint mir wichtiger als alle anderen beruflichen Fähigkeiten.

Die Autorin
Cathrin Schreiber
Radio-Redaktion
c.schreiber@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bischofstreffen in Lingen

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