Klinikclowns Die kleinste Maske der Welt

15.02.2019

Patienten in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Hospizen für einen Augenblick von ihren Ängsten und Schmerzen ablenken – das ist das Ziel der Klinikclowns. Wir haben sie auf Visite in der Münchner Kinderklinik Dritter Orden begleitet.

Markus Schmidt-Dugas (links) und Georg Schulze wollen die Patienten von ihrem Klinikalltag ablenken.
Markus Schmidt-Dugas (links) und Georg Schulze wollen die Patienten von ihrem Klinikalltag ablenken. © Kiderle

München – Der Geruch von Desinfektionsmittel liegt in der Luft. In einem fensterlosen Badezimmer, dessen weiße Fliesen mit Window-Color-Bildern von Fröschen, Seesternen und Robben verziert sind, liegen bunte Clownsnasen, Tüten mit Luftballons, Handpuppen, Ringelsocken und vieles mehr. Es sieht fast so aus, als sei hier ein Kostümfundus explodiert. Das ganze Equipment gehört Markus Schmidt-Dugas und Georg Schulze, die in die Rollen der Klinikclowns Dr. Tröööt und Dr. Batscho schlüpfen. Jeden Donnerstag sind sie auf verschiedenen Stationen des Münchner Klinikums Dritter Orden im Einsatz. Mit ihrer Arbeit wollen sie die Patienten von ihren Schmerzen und Ängsten oder zumindest vom Klinikalltag ablenken.

Mit etwas weißer Theaterschminke um die Augen und roter auf den Backen ist die Verkleidung auch schon fertig. Nun ja, nicht ganz. „Die rote Nase ist ganz wichtig. Sobald ich die aufsetze, bin ich in der Rolle des Clowns“, erklärt Georg. Er stimmt seine Ukulele: „Die ist einfach zu spielen, das ist das tolle an dem Instrument. Außerdem lasse ich auch mal die Kinder ein bisschen darauf zupfen, wenn sie Lust haben.“ Am Ende ziehen die beiden noch ihre Arztkittel an, auf denen neben aufgenähten karierten Flicken auch das Klinikclowns-Logo aufgedruckt ist.

"Operationen" mit Luftballons

„Wir sind hier in einer Klinik und darum verkleiden wir uns auch als Ärzte. Damit wollen wir den Klinikalltag ein bisschen auf die Schippe nehmen. Wir führen auch ,Operationen‘ an den Patienten durch – nur entfernen wir keine Blinddärme, sondern zaubern Luftballons hervor.“ Nach einem kurzen Aufwärmen – die beiden klatschen in steigendem Tempo in die Hände, klatschen sich gegenseitig ab und klopfen auf ihre Oberschenkel, bis einem beim Zuschauen schwindlig wird – kann es dann auch schon losgehen.

Tröööt und Batscho werfen einen kurzen Blick auf die Patientenliste, die sie von Krankenschwester Verena vor dem Schminken und Verkleiden bekommen haben. Marco heißt heute der erste auf Station 33, mit dem die beiden rumspaßen wollen. „Hallo Marco! Dürfen wir reinkommen?“, ruft Tröööt in das Zimmer, in dem der Vierjährige mit seinen Eltern am Fenster sitzt und die Räumfahrzeuge draußen im Schnee beobachtet. Er schüttelt den Kopf. „Dürfen wir draußen bleiben?“, fragt Batscho weiter – und wieder ernten die beiden Clowns ein Kopfschütteln. Auch auf die Fragen danach gibt es keine positive Antwort von Marco, und so ziehen die Klinikclowns weiter zum nächsten Patientenzimmer.

"Jeder hat das Recht, auch mal Nein zu sagen"

Das war also eine echte Niederlage, könnte man meinen; Dr. Tröööt sieht das aber anders: „Nicht jeder muss in schallendes Gelächter ausbrechen, wenn wir kommen. Das Kind hat mit uns kommuniziert und das ist, worauf es ankommt. Und jeder hat das Recht, auch mal Nein zu sagen.“ So habe auch Marco eine kurze Ablenkung gehabt.

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Markus Schmidt-Dugas bei der Clownvisite
Markus Schmidt-Dugas bei der Clownvisite © Kiderle

Schon kurz nach der Gründung des Vereins Klinikclowns Bayern im Jahr 1997 wurde der Diplom-Kaufmann Markus Schmidt-Dugas alias Dr. Tröööt Mitglied. Für ihn stellt die Arbeit mit den Patienten eine echte Berufung dar: „Wir haben den Vorteil als Clowns, dass wir im Hier und Jetzt mit den Patienten etwas Schönes erleben können.“ Ähnlich empfindet es auch Georg Schulze, der seit fast vier Jahren mit roter Clownsnase die Patienten in Krankenhäusern aufmuntert: „Ich kann an der Krankheit meines Gegenübers nichts ändern, aber ich kann dazu beitragen, dass derjenige zumindest kurz eine schöne Zeit hat. Das Ziel ist einfach, gemeinsam Spaß zu haben.“

Aus dem Alltag herausholen

In Finns Zimmer können Batscho und Tröööt dann alle Register ziehen. Seine Mutter, bei der er, zunächst etwas schüchtern, auf dem Arm sitzt, tanzt mit ihm zu einem spontan komponierten Ukulelen-Song von Batscho, dann spielt er mit Tröööt mit einem großen rosa Luftballon und bekommt als Andenken eine rote Clownsnase geschenkt. „Finn hatte heute, wo er frisch eingeliefert wurde, wenigstens noch das Glück, die Clowns zu erleben.

So bleibt ihm der Krankenhausaufenthalt etwas positiver im Gedächtnis“, erklärt Schwester Verena. Sie kennt die Clowns schon lange und freut sich, wenn die beiden donnerstags auf der Station ein bisschen Schabernack treiben: „Sie spaßen auch mit uns, dem Personal, und holen uns aus dem Alltag heraus. Wenn ich zusammen mit ihnen in einem Patientenzimmer bin, binden sie mich auch mit in das Spiel ein und das ist dann immer ganz lustig.“

Auch der Chefarzt der Kinderklinik, Jochen Peters, schätzt die Arbeit der Klinikclowns: „Alle Impulse, die die Aufmerksamkeit ablenken von Sorgen und Krankheit können nur guttun. Optimismus und gute Stimmung beeinflussen einen Heilungsprozess auf jeden Fall positiv.“ Die Sprichwörter „Lachen ist die beste Medizin“ und „Lachen ist gesund“ kommen also – wie man sieht – nicht von ungefähr.

Nicht nur schöne Augenblicke

Neben all den schönen Momenten, die die Clowns an einem Tag erleben, bleiben manchmal auch weniger schöne Erinnerungen: „Ich bin nicht nur Batscho, der Clown, sondern auch Georg, der Mensch. Manchmal denkt man dann schon darüber nach, wenn es einem Kind sichtbar richtig schlecht geht. Wir wissen oft ja nicht, warum es im Krankenhaus sein muss. Dann reden Markus und ich aber einfach später darüber und dann kann man schon ganz gut damit umgehen, sodass das dann nicht psychisch belastet.“ Auch ans Aufhören hat Markus schon gedacht, doch so schnell kommt das nicht in Frage: „Solange ich Spaß an der Arbeit habe und auch die Kinder, werde ich weitermachen.“ So wird die kleinste Maske der Welt, wie die rote Nase unter Clowns genannt wird, noch viele Donnerstage im Klinikum Dritter Orden zum Einsatz kommen und für lachende Patienten sorgen. (Céline Kuklik)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Fasching

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